Der blinde Fleck

Auf dem Kotzia-Platz in der Athener Innenstadt hat der britisch-pakistanische Künstler Rasheed Araeen ein Zelt aus Holz und Plastikplanen aufgebaut und ihm den Namen Shamiyaana – Food for Thought: Thought for Change gegeben. Der Grundriss ist verwinkelt; im Inneren befindet sich eine Großküche, darum herum, doch voneinander und von der Küche abgetrennt, sind mehrere Esszimmer angeordnet, die sich zum Platz hin öffnen und Raum für jeweils einen Tisch mit etwa acht bis zehn Stühlen bieten. In der Küche bereitet das Kollektiv Earth ein Gericht mit regionalen Produkten aus biologischer Landwirtschaft zu; während der Laufzeit der documenta sind Abend für Abend und in jeweils zwei Schichten 120 Gäste eingeladen, Platz zu nehmen und zu essen. Die Wände sind mit den farbigen Quadraten verziert, die wiedererkennt, wer schon in Kassel war und dort die Neue Neue Galerie besucht hat. In deren Eingangsbereich, an einer mächtigen, den Raum teilenden Wand, hängen Araeens OPUS D2–D4 und OPUS TC 1–TC 4, jeweils 160 mal 160 Zentimeter groß, davor steht ein langer Tisch, und darauf wiederum liegen zahlreiche Exemplare der Zeitschrift Third Text, die Araeen, 1935 in Karatschi geboren, in den achtziger Jahren als ein wichtiges Forum für postkoloniale Theoriebildung in Großbritannien gründete.

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