Nothing to write home about

Kürzlich ließ mir ein befreundeter Museologe, ein außergewöhnlich theoriebeschlagener wie praxiserfahrener Mann, einen Text mit kritischen Anmerkungen zu Gegenwart und Zukunft des öffentlichen Museumsbetriebs zukommen. Ausgangspunkt seiner Überlegungen war die Frage, ob die deutschen Völkerkundemuseen die Kolonialgeschichte, der sie ihre Existenz sowie den Großteil ihrer Bestände verdanken, in ihren Schausammlungen hinreichend reflektierten. Die Antwort war ein klares: Nein.

In ihrer Grundsätzlichkeit sprengte die Argumentation diesen spezifischen Problemhorizont allerdings schon nach wenigen Absätzen. Mit ihrer zentralen These lief sie vielmehr auf ein radikales Misstrauensvotum gegen die gängige Ausstellungspraxis als solche hinaus: In seiner heutigen – die grundlegenden, wissenschaftlich begründeten Präsentationsweisen des 19. Jahrhunderts weitgehend perpetuierenden Form – sei das Museum nach wie vor wesentlich eine »Disziplinierungsanstalt«, ein Ort, »der unwillkürlich immer und zu allererst von der Beherrschung und Beherrschbarkeit der Welt spricht, indem diese daselbst anhand des Verfügens über die Dinge demonstriert wird«. Das Gegenkonzept: »Anstelle des Präsentierens sollte eine offene Form des Vorzeigens treten, bei der erkennbar wird, wie Dingen eine Bedeutung zugewiesen wird, und dass dies ein im Prinzip offener Prozess bleibt, je nachdem, wer sich mit welche

(…)

Möchten Sie weiterlesen?

Testen Sie jetzt den Merkur im digitalen Probe-Abo. Oder erwerben Sie den Artikel für 2 € als Download in unserem VolltextarchivSie sind schon Digital-Abonnent? Hier einloggen, um weiterzulesen.


Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *