Universitätsutopien. Ein Experiment in angewandter Literaturwissenschaft

Peter Szondi hat 1967 ein philologisches Gutachten zu Flugblättern der Kommune 1 und deren Interpretation durch den Staatsanwalt am zuständigen Landgericht vorgelegt. Die Kombination aus philologischer und gutachterlicher Tätigkeit Szondis steht unter der Prämisse, die Textsorten »Flugblatt« und »Anklageschrift« seien für eine Interpretation geeignet, weil das Flugblatt Tropen und Topoi versammelt, die dem philologischen Wissen zugänglich sind, und die Anklageschrift wiederum als Interpretation lesbar und damit kritisierbar ist.

Für institutionelle Selbstbeschreibungen (oder ihre Störung) gilt grundsätzlich das gleiche, auch sie sind zuallererst sprachliche Phänomene und damit legitimerweise Gegenstand philologischer Deutungsbemühungen. Die folgenden Überlegungen versuchen, das Szondi’sche Verfahren exemplarisch auf die universitäre Textsorte »Hochschulentwicklungsplan« anzuwenden. Als konkretes Beispiel dient der Hochschulentwicklungsplan der Universität Duisburg-Essen; den institutionellen Kontext bilden die innerorganisationalen Reformen der letzten Jahre.

(…)

Möchten Sie weiterlesen?

Testen Sie jetzt den Merkur im digitalen Probe-Abo. Oder erwerben Sie den Artikel für 2 € als Download in unserem VolltextarchivSie sind schon Digital-Abonnent? Hier einloggen, um weiterzulesen.


Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *