Von Kassel lernen

Um zu wissen, dass diese documenta gründlich in die Hose gegangen war, brauchte man nicht nach Kassel zu fahren. Man konnte es überall lesen. »Von Athen lernen« – dieses Motto nahmen die Macher der documenta anscheinend sehr ernst. Sie setzten die Besucherin, so war zu hören, auf die Schulbank, um über Neoliberalismus, Neokolonialismus und andere Ismen zu dozieren. Die Kunsttheorie drehte angeblich frei. Selbst das Kunstjubelmagazin Art war entsetzt. Meine Reise nach Kassel, die an einem strahlenden Julitag stattfand, hatte daher etwas von Katastrophentourismus. Man hatte vom Elend anderswo gehört, man war bestürzt, und man freute sich darauf. Eine Flasche Wasser und Studentenfutter hatte ich mir eingepackt. »Wat een volksfeest!«

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