Kapitalisten und das Klima. Geschichtskolumne

Politiker machen weltweit zur Zeit viel Aufhebens um ihre Befähigung und Glaubwürdigkeit als Manager. Der Präsident der Vereinigten Staaten bezeichnet sich selbst gerne als „dealmaker“. Australiens Premierminister begrüßt ihn am Telefon mit der Feststellung, als Geschäftsmänner würden sie sich sicherlich beide gut verstehen, weil sie Sinn für die „Macherqualitäten“ und den Erfolgsinstinkt des jeweils anderen hätten. Mit anderen Worten, dem politischen Austausch liegt kein gleichwie geartetes Ideal zugrunde, sondern es handelt sich lediglich um ein quid pro quo.

Auch wenn Malcolm Turnbull, um bei der Wahrheit zu bleiben, weniger Geschäftsmann ist als vielmehr Banker, genau wie der französische Präsident. Verfeinerte Emmanuel Macron seine Businesskompetenz am Pariser Firmensitz der Investmentbank Rothschild, so erhielt Turnbull seine letzten Weihen bei Goldman Sachs. In der Welt von heute scheinen sich Manager und Banker problemlos in das geschäftsorientierte Berufsfeld der Politik einzufügen. Donald Trump selbst ist kein Banker, aber seine „Make America Great Again“-Regierung wurde bereits in „Government Sachs“ umgetauft, wegen der großen Anzahl ehemaliger Zöglinge des Geldhauses, die im mächtigsten Staat der Erde jetzt fürs Regieren verantwortlich sind.

Wer die globale Finanzkrise 2008 noch gut in Erinnerung hat, den mag es befremden, auf einmal so viele Banker an der Regierung zu sehen. Obwohl Banker, wie auch Wirtschaftsbosse, immer schon die Politik beeinflusst haben. Auf dem Höhepunkt der Krise war Banker allerdings zu einem Beruf geworden, den man besser vor anderen geheimhielt. Nicht zuletzt Goldman Sachs hatte eine wesentliche Rolle bei der Zuspitzung der Krise gespielt, indem die Bank skrupellos zweifelhafte hypothekenbesicherte Wertpapiere verkauft hatte. Nach dem Kollaps stellte der Berufsstand deshalb für viele eher das Problem als die Lösung dar.

Von den Regierungen wurden Regulierungsmaßnahmen ergriffen, um das individuelle wie kollektive Verhalten der Finanzkaste besser kontrollieren zu können, und Goldman Sachs wurde zu einer Geldstrafe von 5 Milliarden Dollar verdonnert. (Dennoch wiesen die Verantwortlichen jede individuelle Schuld von sich, und die Banken profitierten von den Rettungsschirmen der Regierungen.) Ein knappes Jahrzehnt später mag es vielleicht ein irgendwie besseres Gefühl verschaffen, sich als Manager und nicht als Banker zu bezeichnen. Aber auch die feiern unverfroren ihr Comeback.

Rückblick

Dass Wirtschaft und Finanzwelt großen Einfluss auf Regierungen ausüben, ist freilich nicht neu. Kapitalismushistoriker beschreiben bereits seit langer Zeit die enge Verflechtung zwischen der Ausbildung moderner politischer Formen und Praktiken einerseits und den für Kapital oder Kredite sorgenden Aktivitäten der Finanziers andererseits. Im Frankreich von Ludwig XIV. kam den Bankiers eine maßgebliche Rolle bei der Kriegsfinanzierung zu. Ein Jahrhundert später, zur Zeit von Ludwig XVIII., waren sie die Vorhut in Friedenszeiten, halfen dabei, die Reparationszahlungen für die Napoleonischen Kriege zu finanzieren oder sorgten in anderen Teilen Europas für die finanzielle Basis von Staatsgründungen und imperialen Expansionsbestrebungen.

In dieselbe Epoche fiel auch die Entstehung eines internationalen Rentenmarkts als beliebter übernationaler Markt für Staatsanleihen, der seine eigenen Blasen kannte und zerplatzte – mit verheerenden Folgen für kurzfristig aufgesprungene Investoren, aber auch die Finanzinstitute selbst. Dennoch liehen die Bankiers europäischen Staaten wiederholt riesige Geldsummen, ob es sich dabei nun um Preußen, Russland, Österreich, Spanien, Portugal oder Großbritannien handelte.

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