Keine Zoologie

Sie werden in Zügen gewesen sein, wenn sie hier auftauchen. Sie werden vielleicht ein Flugzeug genommen haben oder auch nur die U-Bahn, deren Stationsausgang schon fast ins Münchner Oberlandesgericht hineinführt. Sicher ist, auch der Mann aus der Tiefgarage, wie ein Verteidiger genannt wird, wird wieder da sein. Er komme nie durch die Vordertür herein, heißt es, nehme immer den Zugang über die Garage. Sein Kollege, der nicht mehr so ganz Kollege sein darf, weil seine Immer-irgendwie-noch-Mandantin das nicht mehr möchte, der sogenannte Altverteidiger, spaziert bereits mit einem Köfferchen herein. Er holt eine noch verpackte weiße Krawatte heraus, schiebt sie aus der Plastikhülle, rollt sie ein und steckt sie in die Innentasche seines Jacketts. Eine kurze Weile später steht er auf und geht hinaus. Er wird seine Krawatte draußen gebunden haben, werde ich später wissen, jetzt aber beobachte ich noch, wie die anderen den Sitzungssaal betreten

Auch im Gericht gibt es unterschiedliche Arten aufzutauchen, und nur die der Angeklagten wird vermutlich in Erinnerung bleiben. Die Hauptangeklagte wird dann die sein, die am wenigsten gegrüßt und am meisten Platz genommen haben wird, das ist eben das Gericht, wird man sagen, das ist die Schwerkraft der Rechtsprechung, die sich um Täter kümmert und nicht um Opfer, wird man sagen und bedenklich den Kopf wiegen, obwohl in diesem Fall mit über neunzig Nebenklägern die Optik anders sein könnte.

(…)

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