Kulturerbe als »Shared Heritage« (II) Anerkennungsfragen

»Ich bitte diese Generalversammlung um die Annahme einer Resolution, mit der sie die reichen Länder, welche Kunstschätze der armen Länder besitzen, auffordert, einige von ihnen zurückzugeben, so daß wir unseren Kindern und Kindeskindern die Geschichte ihrer Länder vermitteln können.« Mit diesem Satz bat der Präsident von Zaire, General Mobutu Sese, am 4. Oktober 1973 die UN-Vollversammlung, völkerrechtlich belastbare Regelungen zu finden, um Kulturgut aus vormals kolonisierten Ländern in diese zurückführen zu können.

Mobutus Initiative führte zu Resolution 3187 mit dem Titel Restitution of works of art to countries victims of expropriation. Die Differenz zwischen »armen« und »reichen« Ländern, die Mobutu starkgemacht hatte, tauchte in der Resolution nicht mehr auf (stattdessen wird dort neutral von »prompt restitution to a country of its objets d’art, monuments … by another country« gesprochen). Auf rechtlich bindende Regeln wollte sich die Staatengemeinschaft nicht einlassen. Seit damals ringt sie um eine konsistente Haltung zu Rückgabefragen für Objekte aus der Kolonialzeit. Im Prinzip  – darauf ließe sich das Ergebnis der UN-Debatten der letzten fünfundvierzig Jahre verkürzen – findet sie das Anliegen richtig und unterstützt es: »Convinced that the restitution of such works should make good the serious damage suffered by countries as a result of such removal«.

Rechtlich verbindliche Ansprüche auf Rückerstattung ließen sich politisch bislang aber nicht durchsetzen. Bezeichnenderweise lautete die deutsche Übersetzung des Begriffs »restitution« in Resolution 3187 »Rückgabe«, wobei »Rückgabe die freiwillige Rückführung ohne Anerkennung einer Rechtspflicht meint«.1 Bislang bleibt es bei einem Appell an die moralische Verpflichtung der Staaten, sich dafür einzusetzen, vergangenes Unrecht wiedergutzumachen. Daran änderte auch die Erklärung über die Rechte indigener Völker von 2007 bislang wenig.2 Von völkerrechtlich belastbaren Ansprüchen ist man weit entfernt.

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FUSSNOTEN & QUELLENANGABEN

  1. Vgl. Thomas Fitschen, 30 Jahre »Rückführung von Kulturgut«. Wie der Generalversammlung ihr Gegenstand abhanden kam. In: Vereinte Nationen, 2, 2004. Diese Übersetzung wurde erst 1979 korrigiert.
  2. http://www.un.org/esa/socdev/unpfii/documents/Declaration%28German%29.pdf. Hier sind insbesondere Artikel 11 (2) und 12 (2) relevant, die Rückerstattungen und Wiedergutmachungen für vergangenes Unrecht thematisieren, insbesondere mit Blick auf sterbliche Überreste und Ritualgegenstände.

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