Ein trauriger Optimist

Als ich die Rutschkys zum ersten Mal in ihrer Berliner Wohnung in der Wartenburgstraße 18 besuchte, in den rätselhaft unschuldigen achtziger Jahren, schienen sie mir ein beneidenswert glückliches Paar. Michael und Katharina Rutschky wurden Mentoren für mich (wie für so viele andere junge Autoren), wir wurden Freunde, und irgendwann gehörten sie zu meiner erweiterten Familie. Die Rutschkys waren Paten meiner Kinder, und Herr Rutschky (wie ich ihn bis zum Schluss nannte) erklärte mir irgendwann zu meiner Überraschung, er habe mich und meine Frau als Universalerben eingesetzt.

So bin ich in die Lage gekommen, die Wohnung in der Wartenburgstraße – bis heute ein Fixpunkt meiner seelischen Geografie – aufzulösen. Bei jedem Besuch wird mir ungewisser, ob ich Michael Rutschky wirklich gekannt habe. Er war ganz offensichtlich ein Meister der Selbstmystifikation.

(…)

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