Die Spex-Jahre

Der Essay ist im Januarheft 2019, Merkur # 836, erschienen.

Die vorletzte Ausgabe der Spex enthält ein Osterei. In einem Interview mit Jens Friebe stellt Maximilian Sippenauer eine Frage zu den Produktionsbedingungen von Popmusik-Kritik. Die Antwort von Friebe ist auch eine Lagebeschreibung der Spex :

»Maximilian Sippenauer: Auch im Musikjournalismus geht es prekär zu. Du hast früher für Intro geschrieben, das vor kurzem eingestellt wurde. Als jemand, der beide Seiten kennt: Wie empfindest du das langsame Verschwinden eines kritischen Gegengewichts in der Popmusik?

Jens Friebe: Als Musiker bedauere ich das … Aber ich muss auch zugeben, dass ich selbst nicht mehr viel Musikjournalismus konsumiere, weil mir einfach die Gründe fehlen. Früher wollte man lesen, ob man sich eine Platte kaufen soll. Heute höre ich sie mir in Snippets vorher an. Hintergrundgeschichten, oder wie Musiker persönlich sind, haben mich nie so interessiert.« 1

Nachdem New Musical Express Intro De:Bug Neon und das jetzt -Magazin ihre Printausgaben aufgegeben oder sich ganz aufgelöst haben, ist nun auch das Ende der Spex gekommen. So lautet jedenfalls die Rahmenerzählung des vorletzten Editorials, in dem das Interview mit Friebe aufgegriffen und dessen Lagebeschreibung ausbuchstabiert wird. Nach 38 Jahren und 384 Heften wurde das Magazin im Dezember 2018 eingestellt. Als Gründe werden ein sich im Sinkflug befindender Anzeigenmarkt, das veränderte Medienverhalten der Leserinnen und Leser sowie Social Media genannt.

Kurz: Die Digitalisierung ist am Niedergang der popkulturellen Printmedien schuld, vor allem die »Gatekeeperfunktion von Pop-Journalist_innen« habe sich weitgehend erledigt. Das ist nicht falsch, aber nur die halbe Wahrheit; die andere Hälfte (auch der Antwort von Friebe) wird konsequent ignoriert oder gar nicht erst bemerkt. Die Einsicht in die eigenen Versäumnisse und Fehlentscheidungen wird sofort in ein trotziges Weitermachenwollen überführt: »Alles können wir nicht richtig gemacht haben, sonst gäbe es jetzt nicht dieses Editorial zu schreiben … Und trotzdem: Ein Heft wie Spex wäre heute wichtiger denn je für die deutsche Medienlandschaft, davon sind wir überzeugt«. 2

Diese Tonlage war schon einmal zu hören. Ende der neunziger Jahre gab es ebenfalls eine Auflagenkrise, deren Folge das Ende einer zwanzig Jahre währenden Selbstherausgeberschaft war. Im Jahr 2000 übernahm die piranha media GmbH die Spex , Alexander Lacher wurde Herausgeber und Uwe Viehmann neuer Chefredakteur, über dessen erstem Editorial nach der Übernahme »Neuanfang: Weitermachen« stand. Durchhalteparolen bestimmten auch damals schon die Diktion: »Unser Magazin war, ist und bleibt einzigartig in seiner Konzeption und Umsetzung hierzulande. Das glauben wir. Doch nicht nur das Feintuning unterscheidet sich heute von den Ausgaben vor 20 oder 10 Jahren. Die (Pop-)Welt verändert sich. Auch Spex . Diese Bewegung, davon sind wir überzeugt, gilt es nicht nur fortwährend zu beobachten, sondern zu beeinflussen. Spex ist nicht das Feuilleton, sondern selber Pop. Nische und Mainstream, Politik und Lifestyle, Macke und Marke, Stil und Waffe und alles gleichzeitig zusammen.« 3

Damals wie heute beteuerte man, von der eigenen Einzigartigkeit überzeugt zu sein. In der Pop-Welt jenseits der Redaktionsräume glaubte das aber keiner mehr. Denn außer einer Inflation von Starporträts in farbigen Bildern, einer Deflation von Kritik und der Renaissance des Adjektivs haben die sich in immer kürzeren Abständen ablösenden Redaktionen nichts Einzigartiges mehr geleistet. Die Spex hatte schleichend immer mehr eine bloße Service- und Selbstvergewisserungsfunktion angenommen. Das Feintuning des Magazins unterschied sich zwar von den Ausgaben von vor zwanzig oder zehn Jahren, aber leider kaum noch von den anderen Magazinen, die sich im Untertitel mit Pop, Lifestyle, Marken und Stil identifizierten.

Was die Spex einmal war, verrät die Homepage unter der Überschrift »Über uns« in einem Satz: »Seit 1980 steht Spex für cooles Wissen aus allen Bereichen der Popkultur.« Dieses Konzept, das aus Punk und New Wave stammte und von der Redaktion der ersten Stunde für die eigenen Zwecke adaptiert worden war, ist zwar nicht gerade bescheiden, bringt die Spex der 1980er und 1990er Jahre aber ganz gut auf den Begriff. Das coole Wissen führte in die gewohnte Beobachtung des Populären eine Differenz ein, die das Gegenkultur-Wissen von der bösen Kulturindustrie überholt aussehen ließ, gerade indem nicht mehr die Reproduktion des Immergleichen beklagte, sondern die Differenz in der Wiederholung interessant wurde.

Dabei übernahmen die neuen Differenztheoretiker zwar von der Kritischen Theorie die Überzeugung, dass Kulturindustrie, Politik und Kapital nur in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit analysiert und begriffen werden können, die Struktur dieser Relation wurde aber nicht mehr eindimensional gedacht. Die Kommunikation verlief nicht mehr bloß von einer ewig gleich sprudelnden Quelle namens Industrie zu einem stillgestellten Auffangbecken namens Konsument, sondern die Endverbraucher wurden per Handstreich zu genialen Dilettanten erklärt, die mit Programmen der Erfolglosigkeit und Instrumenten aus dem Spielzeugladen zum bevorzugten Gegenstand einer neuen Popkultur werden konnten. »Subversion durch Affirmation« oder »Scheitern als Chance« sind nur zwei Slogans, zwei Strategien, die den alten Rock-Profi durch den neuen Pop-Dilettanten, den Rockstar durch den Hipster /Nerd ersetzt hatten.

Spex war klüger als die Konkurrenz, zum einen weil deren Macher diese Entwicklung früh begriffen, begleitet und gefördert haben, zum anderen weil konzeptionell das bis dahin Getrennte (High /Low, Zentrum /Peripherie, Mainstream /Underground, Original /Kopie) in einen ununterscheidbaren Zusammenhang verdichtet oder nach Bedarf umgewertet werden konnte. Unten ist oben, der Mainstream ist der eigentliche Underground, das Original ist immer schon eine Kopie und so weiter. 4 Das Resultat war im Gegensatz zum Ernst der Grundsatzdebatten eine neue Beweglichkeit, die Ironie als Grundhaltung zur Welt immer schon voraussetzen konnte. Der Singer-Songwriter-Existentialismus mit seiner handgemachten, ehrlichen Musik (Gitarre, Lederjacke und lange Haare) war plötzlich unattraktiv geworden, weil er ganz einfach zu wenige Möglichkeiten zur Ausdifferenzierung bot.

Die neue Popmusik-Kritik der Spex unterschied sich vom Mainstream der Populärkultur durch Nonkonformität und produktiven Hass auf »die Ästhetik von MTV, die formgewordene Verwertungslogik der Pearl Jams dieser Welt und der mit ihr verschwippschwägerten Emotionalisierungsrhetorik«. 5 In anderen Worten: Es war ein wohltuend dissidentes Schreiben und Sprechen, das bis in die zweite Hälfte der neunziger Jahre tatsächlich so einzigartig war, dass der Spex völlig zu Recht der Ehrentitel »beste Band Deutschlands« verliehen wurde. 6 Die Legende hieß Revenge of the Nerds: »Du bist ganz einzigartig, deine Gefühle hast du allein, aber gerade deswegen bist du nicht alleine in deiner Einzigartigkeit – die da draußen sind durch den Genuss dieses Songs genauso einzigartig allein wie du. Ihr seid viele (eure Zeitung heißt SPEX!)«. 7

Diese Konstellation war bis Mitte der neunziger Jahre relativ stabil, dann kamen zu Auflagen- und Anzeigenkrisen auch Krisen des Pop-Begriffs hinzu. Plötzlich waren Popmusik und Popkultur überall, die Digitalisierung der Gerätetechnik hatte zu einer Explosion des Angebots zur Folge. Ironischerweise führte gerade diese Inflation zu einer Entwertung der Kritik und auch der Relevanz von Pop. Sobald sich Nonkonformität und Dissidenz finanziell auszahlen, erzeugen sie kein symbolisches Kapital mehr.

Die Popkultur wurde zur Avantgarde ihrer eigenen Abschaffung. Spätestens seit Kurt Cobain ist der Rock’n’Roll-Rebell, den David Bowie, Ozzy Osbourne und andere einst gefeiert haben, zum Idol der Kulturindustrie und des Mainstream geworden. Alternative Lebensmodelle, Nonkonformität und Dissidenz waren plötzlich mehrheitsfähig. Die ehemaligen Spex -Redakteure Tom Holert und Mark Terkessidis haben diese Entwicklung auf den Begriff »Mainstream der Minderheiten« gebracht: »Wo sich Dissidenz einmal des Konsums bediente, so bediente sich nun der Konsum der Dissidenz … Pop ist in diesem Sinne nichts anderes als eine Shopping Mall.« 8

Magazine für Popkultur hatten in der Transformation von Rockrebellen in Konsumrebellen eine wichtige Funktion. Erst durch sie ist Pop erfolgreich partialisiert und zielgruppengerecht an den Verbraucher gebracht worden. Pop kann hier ganz einfach alles sein von Urban, Alternative, Gothic, Easy Listening, HipHop und Rap bis zu Fashion, Games, Kino oder DVD. In den Redaktionen hatte man sich wohl dazu entschlossen, Pop nicht mehr in komplexen Texten, sondern im exklusiven Erlebnis mit Stars oder Produkten der Kulturindustrie zu beschwören. Diedrich Diederichsen hat das »Pop 2« beziehungsweise »Kulturindustrie 3« genannt. 9

Dieser Pop ist begrifflich nicht mehr zu fassen, sondern erscheint als Eigenschaft von Dingen oder Aura von Personen, die entweder verdinglicht (Inhaltsangabe und Gebrauchsanweisung ersetzen die Rezension) oder in einer adjektivreichen Unmittelbarkeitspoesie evoziert werden. Überraschend war, dass im neuen Pop-Journalismus Musik kaum noch vorkam. Stattdessen ging es um Namen und kleinbürgerliche Vorstellungen von Größe, Glamour, rotem Teppich und viel Gefühl. 10

Das Problem dieses Erfolgs von Pop wurde auch zu einem Problem von Spex , die keine überzeugende Antwort auf die Krise von Pop hatte. Der Begriff von Pop, Popmusik oder Popkultur, den man hat oder nicht hat, zeigt sich vor allem an den Fragen und Problemstellungen, die er ermöglicht. Im 21. Jahrhundert hatte die Spex keine eigenen Fragen und Problemstellungen mehr, sondern nur noch Antworten und Themen, die vom Mainstream der Minderheiten geteilt wurden. Das Magazin für Popkultur hatte aufgehört, seine Leser zu verblüffen; es gab nichts mehr zu lesen, was man nicht schon wusste. Seit Max Dax die Chefredaktion übernommen und kurze Zeit nach der Umsiedlung von Köln nach Berlin auch schon wieder abgegeben hatte, gaben sich die Chefredakteure die Klinke in die Hand. Der Letzte durfte, kaum berufen, dann das Licht ausmachen.

Berlin hat der Redaktion nicht gutgetan, das Versprechen des Umzugs hat sich nicht erfüllt. Dort wurde mit einer komplett neuen Redaktion etwas gemacht, das zwar immer noch Spex hieß, mit den alten Heften aber endgültig nichts mehr zu tun hatte. 11

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Wenn man die letzten Hefte aus dem Jahr 2018 aufschlägt, wird das überdeutlich. Neben dem Fetisch »Berlin«, der alle Berliner Hefte regelmäßig durchzieht, gibt es Rubriken, die »Neues aus Musik, Mode, Film und Literatur« versprechen, und vor allem viele Interviews oder Berichte über Neuerscheinungen, die das Leben und die Werkgenese eines Musikers oder Künstlers in den Mittelpunkt stellen. Berlin hatte immer einen exklusiven Platz im kollektiven Imaginären, an dessen Strahlkraft die alte Redaktion nie geglaubt hat: »In Berlin haben wir auch einige Menschen vergrämt. So verließ uns letzten Monat unbeweint unser Kollege Shunt, traurigerweise unter Mitnahme eines Slits-Interviews und einiger anderer Artikel. An den Berliner Artikeln wurde tatsächlich ›die Schere angesetzt‹. Unser Problem liegt in diesem Falle darin, dass wir uns nicht durchringen können, Berlin für den Nabel der Welt und sämtliche Berliner Produkte für schlichtweg das Größte zu halten.« 12

Mitte der neunziger Jahre war Jutta Koether zum ersten Mal seit 1980 für ein Sommer-Projekt wieder in Berlin, der »Oberbühne der Nation«, und stellte sich eine einzige rhetorische Frage: »Malte ich Bilder aufgrund von Berlin, Texte auf Grund von Berlin?« 13 Natürlich nicht. Zehn Jahre später ist man bei Spex aber nicht mehr davon überzeugt. Jetzt muss man in Berlin sein. Weil alle anderen auch dort sind. Dass man nicht in Berlin zu sein braucht, um über Berlin zu schreiben, oder dass man in Berlin über etwas anderes schreiben kann als das, was in Kreuzberg oder Neukölln geschieht, scheint vergessen.

Dass Künstler, Musiker und Texter schärfer denken, besser schreiben und unerhörte Einfälle haben, »nur weil sie abends in Berlin schlafen gehen, hat sich bislang noch nicht bewahrheitet. Ist auch gar nicht so wichtig. Obwohl man schon gerne auch mal sehen würde, was Berlin eigentlich so alles aus einem herausholen kann […] Die Berliner Luft ist über jeden Zweifel erhaben […] In keiner anderen Stadt unterhält man sich so oft darüber, dass man sich gerade in dieser Stadt befindet.« 14

Das trifft auch auf die Texte in der Berliner Spex zu, die gerne damit beginnen, dass man sich in einem Café in Neukölln oder in einer Kneipe am Kottbusser Tor in Kreuzberg zum Interview getroffen hat. Für das Interview macht das zwar keinen Unterschied, für die Kommunikation über das Interview, die der eigentliche Gegenstand des abgedruckten Artikels ist, allerdings sehr wohl, denn hier will man ja gerade mit Berlin punkten.

Dabei ist Berlin nur eine weitere Metapher dafür, dass die Peripherie ins Zentrum gerückt ist und man jetzt auch in diesem Zentrum leben, schreiben und Erfolg haben will. Aber welche Fragen können sich auf dieser Basis überhaupt entwickeln, wenn Texte nur noch auf den sichersten und direktesten kommunikativen Erfolg aus sind? 15 Es ist daher kein Zufall, dass das Interview oder die Paraphrase eines Interviews bevorzugte Textgattungen geworden sind. Jens Friebe spricht im Interview mit Maximilian Sippenauer aus, was viele Spex -Leser über einen Popmusik-Journalismus, der hauptsächlich aus Interviews besteht, immer schon gedacht haben: Hintergrundgeschichten oder wie Musiker persönlich sind, haben noch nie so richtig interessiert.

Darin bestand aber seit fast zwei Jahrzehnten ein nicht geringer Teil des Magazins für Popkultur. In den abgedruckten Interviews wird der Paratext zum Haupttext, die Tatsache des Interviews ist eigentlich schon der ganze Text, der auch ohne den Anlass (ein neues Buch, ein neuer Film, eine neue LP) auskommt oder ihn gleich ganz ersetzt. Wie das klingt, lässt sich beispielhaft an einem Interview mit Chan Marshall, aka Cat Power, anlässlich des im Oktober 2018 veröffentlichten Studioalbums Wanderer demonstrieren. Ausgangspunkt und fast schon den gesamten Inhalt des Interviews bilden die Folgen eines Nervenzusammenbruchs aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit dem Label: »Marshall war noch nicht wieder gesund, als sie die Tour zu Sun absolvierte. Besuche in der Kardiologie und Neurologie hatten ihren Zustand kaum verbessern können. Hinzu kamen die Trennung von ihrem langjährigen Freund, dem Schauspieler Giovanni Ribisi, und ein streckenweise ungesunder Lebenswandel. Erst bei einem Arzt mit ganzheitlichem Ansatz fand sie Hilfe – und schließlich auch wieder in der Musik. ›Ich glaube an künstlerische Integrität‹, sagt Marshall, die sich in dieser Phase auf Dinge konzentrierte, die ihr Freude bereiteten: ihre Hunde, ihr Auto, ihre Gitarre und ein Pedal zur Stimmverfremdung, dem sie sogar einen (natürlich geheimen) Spitznamen gab … Marshall war nun auf sich allein gestellt. Ein Jahr lang blieb sie ohne Label und stellte, ganz im Sinne der ursprünglichen Bedeutung von Indie-Rock, die Songs für Wanderer fertig. Auf dem Cover der Platte sind Marshalls Arm, ein Gitarrenhals und der Ausschnitt eines Kindergesichts zu sehen. Handelt es sich dabei um ihren Sohn? Die Künstlerin setzt zu einer weit ausholenden Antwort über die universale Verbindung aller Menschen zueinander an, doch gerade jetzt versagt ihr Handyempfang.«

Man wünscht den Leserinnen und Lesern, die mit Reality-Shows und Echtzeitpromiklatsch im Netz aufgewachsen sind, weniger von solchen Interviews, »damit sie beim Planschen in der Infokloake, zu der die Popkultur gerade verkommt, nicht vergessen, was Fiktion ist und wozu man das braucht.« 16

Fiktion, Abstraktion, Rigorosität und Ironie (vier apokalyptische Reiter, die Spex einst legendär gemacht haben) wurden durch Leben, Persönlichkeit, Kitsch und die Prosa der Verhältnisse ersetzt. Dieser Popmusik-Journalismus betrachtet seine Gegenstände nie von einem Soll-Wert aus, sondern nimmt sie als selbstverständlich gegeben hin. Der Einzelfall und der Einzelne, die herausragende Persönlichkeit (gerne auch der Interviewer oder Autor selbst) stehen im Zentrum. Man sitzt nicht nur am Schreibtisch, sondern immer auch im Tourbus. Im Interview darf man wieder dankbar sein, die Band zu kennen, einfühlsame Fragen stellen, manchmal sogar selbst ein wenig Pop sein. Das Ergebnis ist entweder Langeweile oder prätentiöse Zwischengeschichten. Wenn man sie oder ihn dann endlich interviewen darf, was wollte man eigentlich fragen?

Jetzt, wo die alten Popmusik-Magazine der Reihe nach eingehen, ist vielleicht gerade eine gute Zeit angebrochen, um etwas Neues anzufangen. Alles, was man dafür benötigt, sind ein paar kluge Leute, die etwas Interessantes zu sagen haben und sich nicht daran orientieren, wie alle anderen arbeiten, schreiben oder Interviews machen. Musik zur Zeit.

 

FUSSNOTEN & QUELLENANGABEN

  1. Maximilian Sippenauer, Jens Friebe, Musiker interessiert am Theater, dass es dort noch Geld gibt. In: Spex, Nr. 383, 2018.
  2. Daniel Gerhardt, Das Ende ist nah. In: Spex, Nr. 383, 2018.
  3. Uwe Viehmann, Neuanfang: Weitermachen. In: Spex, Nr. 237, 2000.
  4. Paradigmatisch Rainald Goetz, Fleisch. In: Spex, Nr. 42, 1984.
  5. Christoph Gurk, One Nation Underground? In: Spex, Nr. 179, 1995.
  6. So Jochen Distelmeyer von Blumfeld, überliefert von Mark Terkessidis, Langer Abschied vom Anderssein: » Spex galt einmal für viele Leute als ›die beste Band Deutschlands‹. Doch der Niedergang für das Zentralorgan der Popdissidenz begann schon in den frühen Neunzigern. Ein Rückblick aus beteiligter Sicht«. In: taz vom 17. Februar 2000.
  7. Diedrich Diederichsen, Wer ist die Gehirnpolizei? »Was diskutiert wer mit welchem Recht in Spex und worüber konnte Spex in der Vergangenheit mit welchen strategischen Mitteln diskutieren? Und warum der alte Indie-Konsens zerbrochen und PC der neue Punk ist«. In: Spex, Nr. 179, 1995.
  8. Tom Holert /Mark Terkessidis (Hrsg.), Mainstream der Minderheiten. Pop in der Kontrollgesellschaft. Berlin: Id Verlag 1996.
  9. Diedrich Diederichsen, Der lange Weg nach Mitte. Der Sound und die Stadt (1999); ders., Über Pop-Musik (2014). Beide Kiepenheuer & Witsch in Köln.
  10. Vgl. Harun Maye, Die Rückkehr zum Konkreten. Der Neue Journalismus in deutschen Magazinen für Popkultur. In: Texte zur Kunst, Nr. 55, 2004.
  11. Dietmar Dath, Wie wir »Spex« zerstört haben. In: FAZ vom 18. Dezember 2006.
  12. Clara Drechsler, 1 Jahr Spex. In: Spex, Nr. 13, 1981.
  13. Jutta Koether, Deliratio III. So frei. In: Spex, Nr. 179, 1995.
  14. Rembert Hüser, Dreitagebart (I). In: Merkur, Nr. 818, Juli 2017.
  15. Vgl. Georg Stanitzeks Rezension von Diederichsens Der lange Weg nach Mitte (Berliner Bauer. In: Texte zur Kunst, Nr. 35, 1999).
  16. Dietmar Dath, Eine Spur mehr zu laut wäre noch besser gewesen. In: FAZ vom 31. Oktober 2018.

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