Permanent Kid. Das Internet, der Digital Native und Edward Snowdens Memoiren

Da haben wir ihn nun, den waschechten Digital Native, den Digital Native, wie er im Buche steht, den Bewohner der digitalen Welt par excellence. Die Buchkritiken sind alle schon erschienen, aber um Buchkritik geht es hier auch nicht. Wohl aber um die Kritik, zu der dieses Buch erneut Anlass gibt: Permanent Record, die Autobiografie Edward Snowdens, Jahrgang 1983, aufgewachsen mit einem Commodore 64 und einem Compaq Presario 425, eigene erste Programmierversuche im zarten Alter von sieben Jahren, netzsüchtig seit der Pubertät: »Seit ich zwölf Jahre alt war, bemühte ich mich, in jedem wachen Augenblick meines Lebens online zu sein. Wenn das nicht möglich war, war ich in Gedanken schon bei meiner nächsten Session. Das Internet war mein Heiligtum.« 1

(Der Essay ist im Februarheft 2020, Merkur # 849, erschienen.)

Noch im selben Jahr 2013, in dem ab 6. Juni Snowdens Enthüllungen über das globale Massenüberwachungssystem der NSA die Runde zu machen begonnen hatten, erschien Thomas Pynchons Bleeding Edge – am 17. September, dem Constitution Day der Vereinigten Staaten, an dem nun, sechs Jahre später, auch Snowdens Buch in die Buchläden kam. 2 Das Internet, liest man bei Pynchon, »dieses Zauberding, das nun wie ein Geruch noch in die letzten Winkel unseres Lebens dringt, das Einkaufen, die Hausarbeit, die Hausaufgaben und die Steuererklärung erledigt, unsere Energie verbraucht und unsere kostbare Zeit frisst«, sei von Beginn an eine sinistre Erfindung gewesen. Snowden schien gerade den Beweis geliefert zu haben.

Aber man hätte es früher schon wissen können. Spätestens seit Pynchons vorhergegangenem Internet-Roman, Inherent Vice von 2009. Bereits darin sagen schon die User der ersten Stunde (der Roman spielt im Los Angeles von 1970) voraus: »Verglichen mit dem, was du in Spionagefilmen oder in der Glotze siehst, sind wir hier im richtigen Leben noch nicht annähernd bei der Geschwindigkeit und Speicherkapazität […], aber das alles entwickelt sich mit exponentieller Geschwindigkeit, und eines Tages werden alle aufwachen und feststellen, dass sie unter Überwachung stehen, vor der es kein Entrinnen gibt.« 3

Auch Snowdens Memoiren erzählen nun wenig Neues. Interessantes Detail sind aber zum Beispiel die Überlegungen, auf welche Weise die Wahrheit am besten ans Licht gebracht werden könne. Der Digital Native, geht aus ihnen hervor, lebt ganz und gar online. Aber für seine Offenlegung dessen, was online geschieht, vertraut er dann doch lieber den anderen Medien, die vor seiner Zeit schon den Pentagon-PapersSkandal und die Watergate-Affäre ausgelöst hatten. Seinen Decknamen »Citizenfour« wählte Snowden ausdrücklich als Hommage an Daniel Ellsberg, der die Pentagon-Papiere öffentlich machte. Wie dieser wollte Snowden mit seinem Beweismaterial an die Presse herantreten, statt es einfach selber ins Netz zu stellen. Letzteres wäre zwar »die bequemste und sicherste Methode gewesen«.

Aber, schreibt Snowden, »warum ich letztlich diesen Weg nicht weiterverfolgte, hatte mit der Authentizität zu tun. Heerscharen von Menschen posten jeden Tag ›Geheimdokumente‹ im Internet. Viele davon handeln von Zeitreisetechnologie und Außerirdischen. Ich wollte nicht, dass meine Enthüllungen, die ohnehin ziemlich unglaublich waren, mit solchen Verrücktheiten in einen Topf geworfen wurden und unter den Spinnern verlorengingen.« Deutlicher könnte nicht formuliert werden, was der Unterschied zwischen Online-News und der »altehrwürdigen Zeitung« ist – und was diese riskiert, wenn sie ihrerseits online geht.

Das tut jedoch der Liebe des Digital Native zum Internet keinen Abbruch. Was seinen Unmut erregt, oder auch seinen Mut zum Widerstand, ist nur eine Entwicklung oder in seinen Augen Fehlentwicklung, für die Snowden die Bezeichnung »Frankenstein-Effekt« heranzieht: »die Schöpfung eines unkontrollierbaren Monsters«, zu dem CIA und NSA das Internet mit all ihrer Spyware gemacht hätten. Und er, Snowden, sei einer ihrer Handlanger bei dieser Untat gewesen, beginnend in Genf, seinem ersten ihm zugewiesenen Außenposten. Dort, »in derselben Stadt, in der Mary Shelleys Kreatur Amok lief«, habe er just diesen Roman gelesen, erinnert er sich, um diesen dann so zu beschreiben: »Frankenstein ist ein Briefroman, der wie ein Thread überschriebener E-Mails wirkt; Szenen des Irrsinns und blutrünstiger Morde wechseln sich mit anschaulichen Belehrungen darüber ab, wie technische Neuerungen alle moralischen, ethischen und rechtlichen Hemmnisse überwinden und hinter sich lassen.«

In dieser flotten Schreibe, darf man vermuten, offenbart sich wohl auch die literarische Anleitung, für die sich Snowden im Anhang seines Buches bei Joshua Cohen bedankt, dem Autor des Book of Numbers (2015), das seinerseits ja schon einmal einen Plot totaler Internetüberwachung entwarf. Ob Shelleys Roman gut getroffen ist, sei dahingestellt. Was seine Charakterisierung durch Snowden aber jedenfalls eher verdeckt als herausstellt, ist die viel tiefere Beziehung seiner Geschichte zu Shelleys hochromantischer Story. Frankensteins namenloses Geschöpf – das Ungeheuer, der Dämon, das Monster – ist im Kern das Subjekt einer durch und durch bürgerlich-familialen Sozialisierung. Ursprünglich »friedfertig und gut«, wird es »zum Teufel«, weil ihm der Schutz und die Liebe verwehrt bleiben, die es bei der Familie beobachten kann, hinter deren Haus es sich in einem Verschlag versteckt hält. Dieser Verschlag grenzt direkt an das Haus, und es stellt sich heraus, »daß die eine Seite früher einmal ein Fenster des Hauses gewesen war, die Fensteröffnungen aber mit Holz verkleidet worden waren. In einer befand sich ein schmaler, kaum wahrnehmbarer Spalt, durch den das Auge gerade hindurchsehen konnte.« 4

Frappierend ähnlich nun schildert Snowden die Situation seiner Kindheit. »Der Blick durch das Fenster« ist gleich das erste Kapitel seines Buches überschrieben: »Wir wohnten in einem großen alten Haus aus rotem Backstein […] Als meine Familie einzog, wurde die Hauptetage nach hinten erweitert. So entstanden ein Hauswirtschaftsraum, ein Badezimmer und ein Zimmer für mich sowie ein Fernsehzimmer mit einer Couch. Von meinem Zimmer aus konnte ich durch ein Fenster, das sich in der ursprünglichen Außenwand des Hauses befand, in das Fernsehzimmer sehen […] Obwohl das Fenster einen Vorhang hatte, bot es wenig bis gar keine Privatsphäre. Solange ich mich zurückerinnern kann, bestand meine Lieblingsbeschäftigung darin, den Vorhang zur Seite zu ziehen und durch das Fenster in das Fernsehzimmer zu spähen. Oder anders gesagt: Soweit ich mich zurückerinnern kann, war Spionage meine Lieblingsbeschäftigung.«

Diese Gemeinsamkeit macht aus Snowden nicht gleich Frankensteins Monster. Sein Verdienst, aufgezeigt zu haben, dass die USA das, was »China offen mit seinen eigenen Bürgern machte«, gerade ebenso tat, nur »im Geheimen mit der ganzen Welt«, steht außer Frage. Unbestreitbar verdient alle Anerkennung, dass er den Vorhang vor den IC-Machenschaften – IC für Intelligence Community – beiseite gezogen hat. Aber sein Buch durchzieht noch eine weitere »Frankenstein-Linie«. Stichwort: Familialität. Der Digital Native mag den Intelligence Community-Internet-Totalitarismus nicht leiden, weil er sich im Gegensatz zu diesem der »globalen Online-Gemeinde«, also dieser – vermeintlich – anderen IC = Internet Community verpflichtet fühlt. Mit anderen Worten, er möchte sein »We are family«-Internet wiederhaben, mit dem er glaubt, aufgewachsen zu sein.

Durch Snowdens ganzen Lebensrückblick spukt diese Mär vom »Internet, wie ich es kannte«, dem »Internet meiner Kindheit«. Die Folgen sind nicht nur ein ärgerlicher Konfektionismus der Argumentation (»Später lebte ich in Hawaii, in der Nähe von Pearl Harbor, wo Amerika angegriffen und in seinen vielleicht letzten gerechten Krieg hineingezogen worden war. Hier in Japan befand ich mich in der Nähe von Hiroshima und Nagasaki, wo jener Krieg sein schändliches Ende gefunden hatte«), sondern auch eine merkwürdige Infantilität. Der Digital Native ärgert sich über Big Brother: »Ich fühlte mich erwachsener als je zuvor und zugleich niedergeschmettert von der Erkenntnis, dass wir alle in gewisser Weise wie dumme kleine Kinder behandelt wurden, die dazu verdammt waren, den Rest ihres Lebens unter allwissentlicher elterlicher Kontrolle zu verbringen.«

Aber genau im Gestus solch kindlichen Zorns schreibt er nun dagegen an, einschließlich trotziger Übernahmen elterlicher Besserwisserei: »Vielleicht machst Du Dir gerade Gedanken, weil Du nicht weißt, was ein Protokoll ist, da Du nur die Oberfläche kennst.« Dass die deutsche Übersetzung sich entschieden hat, für die fortwährende Leseransprache nicht das »Sie«, sondern das Ikea-Du zu verwenden, verstärkt den Eindruck noch, ist aber eben deshalb stimmig.

Auf zugleich bestürzend simple wie dennoch vertrackte Weise ist es Snowdens Bekenntnissen um dasselbe zu tun wie Jonathan Franzens Whistleblower-Roman: um Unschuld. 5 »Ich hasse das Internet genauso sehr, wie ich mein Vaterland gehasst habe«, heißt es dort, wie um das hundertprozentig inverse Pendant zu Snowdens Einstellung zu liefern. Nicht, dass dieser sich für schuldlos erklären wollte; im Gegenteil, an Selbstbezichtigungen spart Snowden keineswegs. Aber seinen, juristisch gesehen, Hochverrat will er nur begangen haben aus Liebe zu seinem Vaterland mit seinen freiheitlich-demokratischen Grundrechten und für ein Internet, das wieder von jener, wie Snowden glaubt, anfänglichen Unschuld ist, in der es »die amerikanischen Ideale authentischer und vollständiger als Amerika selbst« verkörperte: »Ein Ort, an dem alle gleich waren? Stimmt. Ein Ort, der dem Leben, der Freiheit und Verwirklichung von Glück gewidmet ist? Stimmt, stimmt, stimmt.«

Oder aber: Stimmt genau nicht. Und wenn – oder weil – es nicht stimmt, wird aus dem braven Wünschen des Digital Native die Fatalität, dass es dem angeprangerten Übel der Überwachung eher noch in die Hände spielt. Snowden weiß selbst, weiß sicher sogar besser als viele andere, dass es aufgrund der faktischen Funktionsweise der Datenströme in der vernetzten Computerwelt »nur logisch« ist, wenn die Geheimdienste, aber Google, Facebook und die Werbebranche ja nicht minder, genau diese Datenströme »nutzen«. Was aus je individueller Sicht als Datenmissbrauch erscheinen mag, ist vom Netz her betrachtet schlicht ihr bestimmungsgemäßer Gebrauch.

Snowden bestätigt ferner aus erster Hand, dass es dabei gar nicht so sehr die privaten Inhalte oder vertraulichen Informationen sind, um die es den Überwachern geht: »Selbst heute noch denken die meisten Leute bei Massenüberwachung an Inhalte, an die Worte, die sie verwenden, wenn sie mit jemandem telefonieren oder eine E-Mail schreiben.« Das sind aber gar nicht »die wirklich verräterischen, individuellen und intimen Merkmale« unserer Kommunikation. Die »unbequeme Wahrheit« vielmehr ist, »dass der Inhalt unserer Kommunikation nur selten so viel über uns verrät wie ihre anderen Elemente«, die Metadaten.

Diese Metadaten aber »vermögen wir« erstens »kaum zu kontrollieren, weil sie automatisch entstehen«, und sie entstehen zweitens allein schon deshalb automatisch, weil nur sie den Datenverkehr via Internet ermöglichen. Es sind Signale, »die niemals lügen«, sonst würde das System schlicht nicht funktionieren. Damit es aber funktioniert, gehen »unsere« – oder vielmehr: seine – »Geräte nicht diskret mit privaten Informationen um oder verwenden Codewörter«. Und darum sind diese per se indiskreten Signale oder Metadaten »weitaus« interessanter als die Inhalte: »Alles in allem verraten Metadaten unseren Überwachern virtuell alles, was sie über uns erfahren wollen oder müssen.«

Das alles weiß der Digital Native. Dennoch will er sich nicht in seinem Glauben an das »Internet, mit dem ich aufgewachsen war, das mich großgezogen hatte«, beirren lassen. Auch im Netz soll es Privatsphäre geben. Anders darf es nicht sein. Also verfällt er zuguterletzt auf die Lösung, die den Cyberspace dann doch wieder arglos – so nach Belieben heimisch wie heimlich – betret- und bewohnbar machen soll: Verschlüsselung. Wenn schon der damalige »oberste technische Beamte der CIA« selber öffentlich erklärte (und das, nebenbei, Wochen bevor Snowden sich seinerseits an die Öffentlichkeit wandte), dass es »nahezu in unserer Reichweite« läge, »alle von Menschen erzeugten Informationen zu erfassen«, biete Verschlüsselung den »einzige[n] wirkliche[n] Schutz gegen Überwachung«. So Snowden. Und das ist die Krux seines Buches, die Krux und die Misere der ganzen Snowden-Affäre und der gesamten seitdem geführten Datenschutzdebatte samt ihrer Resultate wie Europas DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung).

Nach Snowden ist es »kognitive Dissonanz«, wenn die Regierung eines Landes dessen Bürgern gleichzeitig verfassungsrechtlich den Schutz ihrer Privatheit garantiert und dieses Verfassungsrecht geheimdienstlich bricht (oder privatwirtschaftlich brechen lässt): die herrschende »kognitive Dissonanz auf geopolitischer Ebene«. Dem kann man nur zustimmen. Nur zeugt es ebenso von einiger »kognitiver Dissonanz«, wenn mit einem Mal ein »Schutz der Bürgerrechte im digitalen Zeitalter« durch Verschlüsselung (oder gar nur zeitgemäße Gesetze) wie das Blaue vom Internet-Himmel versprochen wird und alle zuvor erteilten »anschaulichen Belehrungen« über die »Signale, die niemals lügen«, scheint’s vergessen sind.

Snowden nennt die Umstellung vom alten http (hypertext transfer protocol) auf https (»s« für »secure«) einen »Meilenstein in der Technologiegeschichte«, der den Rekord des Jahres 2016 ermöglichte: »Es war das erste Jahr seit der Erfindung des Internets, in dem der verschlüsselte Anteil des Webverkehrs größer war als der unverschlüsselte.« Aber keine Verschlüsselung – und so auch kein https – vermag zu verhindern, dass im Netz zwangsläufig all die Metadaten der versendeten und empfangenen Datenpakete entstehen: jene Daten, die den Überwachern »virtuell alles« verraten, »was sie über uns erfahren wollen oder müssen«. Gewiss kann man ihnen ihr Tun erschweren, indem man seinen Datenverkehr verschlüsselt und dazu noch Vorsichtsmaßnahmen trifft wie etwa, den Tor-Browser und Obfuscation-Tools (TrackMeNot, Obfsproxy etc.) zu nutzen.

Doch, ohne hier in eine Diskussion technischer Details einzusteigen, selbst ausgefeilteste Anleitungen hierzu kommen nicht umhin vorauszuschicken: »Es ist durchaus möglich, bei Onlineaktivitäten anonym zu bleiben, aber es wird immer schwieriger. Keine Anonymisierungsstrategie ist absolut sicher. Sie können jedoch die Beobachtung Ihrer Onlineaktivitäten schwierig gestalten, sodass sich der Aufwand, Ihnen hinterherzuspionieren, nicht lohnt – solange sie kein berüchtigter Verbrecher sind jedenfalls.« 6

Umsonst empört sich der Digital Native darüber, »dass schon der Akt, moderne Technik zu benutzen, gleichbedeutend sei mit der Aufgabe des Rechts auf Privatsphäre«. Denn das ist gar nicht der Punkt. Das Recht auf Privatsphäre bleibt ein höchst schützenswertes und sogar unantastbares Gut (auch wenn es permanent angetastet wird, wie schlimmerweise die Menschenwürde auch). Der Wahrheit entsprechend, müsste – und muss – die Aussage lauten, dass der Akt, ins Internet zu gehen, gleichbedeutend ist mit der Aufgabe nicht des Rechts auf, sondern schlicht der Privatsphäre selber. Das sagt aber niemand, weil sonst endlich die richtige und eigentlich dringliche Diskussion geführt werden müsste, nämlich die über die Frage: Wie viel Internet ist überhaupt wünschenswert? Das müsste doch einmal – und immer wieder neu – erörtert werden. Wünschen kann jeder. Aber richtig wünschen ist dann doch keine einfache Sache.

Um nur ein Beispiel zu nennen: »Das E-Rezept kommt!« So kann man es derzeit auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums lesen. Aber (mit einem Punkt am Ende) auch in der Werbung, dieser Meisterdisziplin in der exploitation des Wunsches nach dem unaufhörlichen Wünschen. So verkündeten Plakate einer Versand-Apotheke bis vor kurzem: »E-Mail. || E-Banking. || E-Mobilität. || Ganz einfach normal. || Das E-Rezept kommt.«

Verdichteter, um nicht zu sagen: gedichtartiger, könnte der laufende Internet-Irrsinn nicht zum Ausdruck gebracht werden. E-Normalität soll herrschen, und das heißt erstens: Nichts darf mehr nicht ins Internet drängen oder gedrängt werden. Was zweitens nur »guten Gewissens« betrieben werden kann, solange man eben ein Internet verspricht, in dem es Datenschutz und Privatsphäre gibt. Gerade dieses Versprechen ist jedoch die Internet-Unwahrheit schlechthin.

»Da gibt es keine Unschuld«, frei nach Pynchon, denn Privatsphäre und Datenschutz sind schlicht keine der Technologie des Internet gemäßen Kategorien. Man müsste also endlich einmal genauer fragen, wo Digitalisierung nottut und wo nicht – und wo vielleicht besser sogar auf keinen Fall. Aber der Digital Native ist nur einen Buchstaben vom digital naive entfernt. Auf diesen Buchstaben wird er sich besinnen lernen müssen. Oder halt nicht.

FUSSNOTEN & QUELLENANGABEN

  1. Edward Snowden, Permanent Record. Meine Geschichte. Aus dem Amerikanischen von Kay Greiners. Frankfurt: Fischer 2019.
  2. Thomas Pynchon, Bleeding Edge. Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Reinbek: Rowohlt 2014.
  3. Thomas Pynchon, Natürliche Mängel. Aus dem Englischen von Nikolas Stingl. Reinbek: Rowohlt 2010.
  4. Mary Shelley, Frankenstein oder Der moderne Prometheus. Aus dem Englischen von Ursula u. Christian Grawe. Stuttgart: Reclam 1986.
  5. Jonathan Franzen, Unschuld. Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell u. Eike Schönfeld. Reinbek: Rowohlt 2015.
  6. Paul Bischoff, Wie Sie online anonym und unsichtbar werden. In: comparitech vom 3. Oktober 2018.

2 Kommentare

  1. Reiner Girstl sagt:

    Der Computer ist nur eine Erscheinungsform unserer Tage. Der Computer wird genutzt zum Überwachen und Strafen. Für Fake News und alles weitere. Zum Thema Computer gibt es Weizenbaum u.a.. Im Prinzip sind die Dumm. Wenn man wissen will was man sagen und Denken kann gibt es Searle und Wittgenstein u.a.. Wenn man die Welt verstehen will in der man lebt gibt es als neustes Interpretationsmuster ZHAO. Snowden, Clinton, Trump, oder auch Obama sind nur Etiketten aber total unwichtig als eigene Person. Was soll denn bei Snowden überwältigendes passiert sein, ausser das er plötzlich begriffen hat, das er Anhänger der Demokratie ist und das Geheimdienste undemokratisch sind was man son bei Dewey lesen kann. Der Mann ist nicht Goethe und hat nicht das leben von Goethe. Er ist auch nicht Proust oder Joyce.

  2. nils h sagt:

    Mancher erspart sich eigenes Denken & Sagen & lässt das von Searle oder Wittgenstein oder Springer erledigen…

    Zum Artikel: es stimmt ja, das Internet ist ein Kind des militärisch-technologischen Komplexes, das gilt sogar noch für die Anfänge später Ableger wie Google in hohem Maße…

    Trotzdem gab es mal eine Zeit, als das Web schon recht weit verbreitet, aber längst nicht so durchkommerzialisiert & formatiert war wie heute. Hier teile ich Snowdens Sentiment teilweise.
    In der seligen Zeit der Holzmedien-Hegemonie aber war selbstverständlich alles viel unschuldiger, oder?
    „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“ nannte das damals ein bekannter Journalist

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