Träumen Chemtrails von elektrischen Reptilienmenschen?

Die Natur ist eine Drecksau. Und eine dumme Sau dazu, so penetrant, wie sie sich nicht einfügen will in das Bild, das wir uns von ihr machen, in ihrer Widerständigkeit gegen das Idyllische. Horrorfilme zeichnen ein wirklichkeitsnäheres Bild der Natur als Heinz Sielmann oder Instagram, wo man auffällig selten Bilder von Tod und Verwesung findet.

(Der Text ist im Oktoberheft 2020, Merkur # 857, erschienen.)

Ich hasse die Natur. Zwei meiner Goldfischkinder sind verendet, einfach so, im fröhlichen Gewusel ihres Schwarms. Dabei hatte ich ihr natürliches Umfeld so gut unter Kontrolle! Das war nicht vorgesehen.

Es ist erstaunlich, wie schnell Posthornschnecken sind, wenn sie Tod wittern. Sofort bildet sich rund um das Fischaas ein Schneckenklumpen, man sieht darunter kaum noch – aber ein bisschen leider doch – das weißliche tote Fleisch. Das nun verdaut wird, morgen früh ist alles weg. Die Reste werden ausgeschieden, und ich werde später den Schneckenkot aus dem Filter waschen, der Spuren meiner Fischkinder enthält, so wie auch die wuchernden Wasserpflanzen sich ein paar ihrer Spuren als Dünger gesichert haben werden. Kurz muss ich an die Zeit nach 9/11 denken, als ich in der New Yorker U-Bahn vor mit weißem Staub bedeckten Feuerwehrleuten saß und mir sicher war, dass dieser Staub aus Mauerwerk, zermahlener Bürotechnik und Menschenasche bestand.

(…)

 


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