„Wenn der Epigone kommt, ist die Party vorbei“: Geoffrey Bennington, Jacques Derrida und die Post-Theorie

Anfang der neunziger Jahre bittet Jacques Derrida den jungen Literaturprofessor Geoffrey Bennington, eine Einführung in sein Denken zu schreiben.1 Zweierlei spricht für ihn dafür, Bennington mit der Aufgabe zu betrauen: Dieser ist kein Franzose und zugleich bislang nicht als Dekonstruktivist hervorgetreten. Um gut einzuführen, muss man minimal draußen sein. Auch Derrida selbst liefert einen Beitrag zu dem Band. In der Endversion präsentiert Bennington im Fließtext ein »Derrida-Programm«, auf das Derrida mit neunundfünfzig (Derrida steht im neunundfünfzigsten Lebensjahr) Fußnoten antwortet.2

(Dieser Text ist im Augustheft 2021, Merkur # 867 erschienen.)

Erst heute lässt sich ermessen, was sich in diesem Buch abspielt. Das liegt nicht unbedingt daran, dass wir uns aufgrund der zeitlichen Distanz in einer privilegierten Position befänden, im Gegenteil. In den letzten drei Jahrzehnten wurde verschiedentlich festgestellt, wir wären in eine Zeit after theory eingetreten. Seit Jahrzehnten sei der Posten der Theoretiker vom Schlage eines Derrida vakant. Trifft dieser Befund zu, dann entspräche unsere Situation exakt der Lage Derridas zu dem Zeitpunkt, als er sich mit Benningtons Ausführungen konfrontiert sieht. Nur dass es eben Derrida selbst ist, der hier am eigenen Leib zu spüren bekommt, was es bedeutet, über »Derrida« nicht hinauszukommen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.