Müll-Philosophie. Des Teufels Staub und der Engel Anteil

Philosophie erforscht traditionell nicht den Müll, sondern Ideen. Nachdem mit dem Gerechten, dem Schönen und dem Guten schon die Top drei genannt sind, hakt Parmenides (Christoph Paret hat im Oktoberheft daran erinnert) bei Sokrates nach, ob es nicht auch für sich bestehende Ideen von »Haar, Kot, Schmutz« gebe, »und was sonst recht verachtet und geringfügig ist«. Die Antwort fällt eindeutig aus: »Keineswegs, habe Sokrates geantwortet«, und drehte diesen Dingen »schnell wieder den Rücken, aus Furcht, hier in einen wahren Abgrund der Albernheit zu versinken und darin umzukommen«. 1

(Dieser Text ist im Novemberheft 2021, Merkur # 870 erschienen.)

Da haben wir noch einmal Glück gehabt und können die Handschuhe wieder abstreifen: Müll kann gar nicht zum Gegenstand von Philosophie werden, weil sich die Philosophie nicht für die Dinge selbst, sondern ihre Form interessiert. Müll, Kot und Schmutz aber treiben einer stinkenden Masse von undefinierter Form, Konsistenz und Farbe zu. Gleichwohl führt ein kurzer Weg von den Idealen zum Abfall. Was dem Leben eigentlich Sinn verleiht, was wirklich wertvoll ist, wird oft in die Frage übersetzt, was wir »der Nachwelt hinterlassen«. Und schon sind wir beim Müll: In der Atmosphäre reichert sich das Kohlendioxid an, in der gesamten Biosphäre von den Ozeanen bis zu den Alpen die Plastikpartikel, Hunderte Atomkraftwerke spucken kontinuierlich hochtoxischen radioaktiven Müll aus, ohne dass nur ein einziges Endlager auf der Welt existierte, und sogar im Weltall wird die Erde von einer schwebenden Müllhalde aus Raketen- und Satellitentrümmern eingefasst. Nicht dass wir ausschließlich Müll hinterließen. Aber wir hinterlassen ihn doch so, dass er sich längst nicht mehr verstecken oder auch nur kleinreden ließe, als bloße Nebenfolge, die im Prinzip auch hätte vermieden werden können. Der Müll ist unser Schatten, den wir nicht abstreifen können, und er ist nicht mehr außerhalb, sondern mittendrin – in der Natur, der Siedlung, der Nahrung, dem Körper, dem Fleisch. Für Jahrtausende oder gar Jahrmillionen wird er nun in der Biosphäre zirkulieren.

Müll-Studien sind keine neue Erfindung. Wenn wir von der rein technischen Literatur zu Müllverwertung und Müll-Management absehen und ebenso von einer rein positivistischen Geschichte des Mülls, können wir leicht einige Koryphäen der Müll-Theorie benennen. William L. Rathje gilt mit seinem Garbage Project von 1974 als Begründer der Garbologie oder Müll-Archäologie. 2 Michael Thompson leistete 1979 mit seiner Rubbish Theory dasselbe für die Kulturanthropologie des Mülls. Natürlich gibt es auch eine Kulturtheorie des Mülls mit sozial- oder gar zivilisationskritischen Anklängen: Vance Packards The Waste Makers von 1960, Volker Grassmuck und Christian Unverzagt mit Das Müll-System von 1991, neuerdings Jean-Luc Coudray mit seinem Guide philosophique des déchets von 2018.

Dezidiert philosophische Literatur zum Thema findet man etwa seit den 1990er Jahren. François Dagognet, der Metaphysiker, Alchemist und Kosmologe des Mülls, lud 1997 in Du détritus, des déchets, de l’abject dazu ein, die scala naturae in unbekannte Tiefen hinabzusteigen: vom Defekten oder Zerbrochenen über die »Abfälle« (Reste, Schnipsel, Späne, Schutt) zur Schlacke und fort über den Müll zu den Exkrementen. Ein Jahr später entwarf Cyrille Harpet, der Historiograf, Kartograf und Systematiker des Mülls, mit Du déchet ein atemberaubendes Triptychon von Körper, Stadt und Industrie. 2007 erschien das Buch Smuts des schwedischen Philosophen Olli Lagerspetz (2018 auf Englisch: A philosophy of dirt). Erwähnung verdient auch Ken Dunn, sozusagen der Diogenes der Müll-Philosophie, von dem zwar keine Schriften, aber Taten überliefert sind: Ein Video des von ihm gegründeten Resource Center, Chicagos erster Recycling-Firma, heute ein Zentrum für Umwelterziehung und urban farming, zeigt den Philosophen, wie er souverän einen schweren Müll-Truck durch die Straßen der Stadt steuert. 3

Das Nachdenken über den Müll, obgleich schon lange präsent, war lange eine eher randständige Sache. Nun, da nach mehreren verlorenen Jahrzehnten der Weltuntergang konkrete Züge anzunehmen beginnt, ist vielleicht der Zeitpunkt für einen neuen Versuch gekommen.

Der Ursprung des Mülls

Die Müll-Frage kann auf ganz unterschiedlichen Ebenen gestellt werden. Der Kulturanthropologe Michael Thompson interessiert sich in Rubbish Theory für die Regeln, nach denen wir Dingen – Kunsthandwerk, Autos, Immobilien etc. – sozusagen per Geschmacksurteil den Wert absprechen: Müll als das, was wir für Müll halten. Man kann eine Stufe tiefer steigen und nach einer objektiveren, nämlich historischen, Bestimmtheit des Mülls fragen: was unter gegebenen technologischen Bedingungen nicht mehr verwertbar ist. Atommüll gilt aktuell als Müll, aber manche Wissenschaftler hoffen, ihn morgen als Rohstoff wiederverwerten zu können. Und wir können noch eine Stufe weiter schreiten und aus kosmologischer Perspektive fragen, ob es auch in so etwas wie einem absoluten Sinn Müll gibt.

Den Ausgangspunkt bildet dabei das Problem des Lebens: Wie können solch fragile Geschöpfe wie Lebewesen aus organischer Materie überhaupt in einer schroffen, feindlichen Umwelt existieren? Evolutionär liegt der Schlüssel zur Lösung – oder zumindest ein erster wesentlicher Teil davon – im Problem selbst: Empfindlichkeit bedeutet nicht nur Fragilität, sondern auch Reaktionsfähigkeit. Organismen reagieren – im Gegensatz zu toter Materie – auf äußere Einflüsse »adäquat« im Sinn einer Selbststabilisierung. Hitze stößt im Organismus Prozesse an, die ihn kühlen; Kälte solche, die ihn wärmen. Man spricht von Homöostasis. 4 Solche Mechanismen errichten damit einen Unterschied zwischen einem Innen und einem Außen – einem »milieu intérieur« im Gegensatz zum »milieu ambiant« oder »milieu cosmique extérieur« in den Worten Claude Bernards. 5 Um die stabilisierenden Mechanismen zu errichten und zu erhalten, benötigt der Organismus einen Stoffdurchfluss zwischen Außen und Innen (und damit Mund und After, die, wie bei manchen Wirbellosen, durchaus auch identisch sein können).

Dieser Metabolismus oder Stoffwechsel ist das zweite Element zur Beantwortung der Ausgangsfrage. Er transportiert indes nicht nur Nährstoffe und Energie, sondern führt in erster Linie, wie der Physiker Erwin Schrödinger 1944 erkannte, Entropie ab. 6 Um in einem Umfeld, in dem nach den ehernen Gesetzen der Thermodynamik alles zum Ausgleich – und somit zu Stillstand und Tod – treibt, Strukturen bilden und erhalten zu können, muss der Organismus zum Struktur-Parasiten werden, nämlich ständig »Ordnung« (verwertbare Energie) importieren und noch im größeren Maß »Unordnung« (unverwertbare Energie) ausstoßen. Dies gilt für jedes Lebewesen, aber auch das Erdsystem im Ganzen, das permanent energetisch verwertbares Sonnenlicht importiert und wertlose Wärmestrahlung abgibt. 7 Wir beziehen also von der Sonne netto keine Energie, sondern entledigen uns durch den Mechanismus des Strahlungsgleichgewichts unseres Entropie-Mülls in die Leere des Universums.

Das ist aber noch nicht die ganze Wahrheit. Schließlich ist der Müll nicht einfach ein unveränderliches kosmologisches Faktum, er hat vielmehr seine Natur- und Kulturgeschichte, die wir nicht übersehen dürfen. Ökosysteme produzieren entropischen, aber keinen (oder kaum) materiellen Müll. Sie sind meisterhaft darin, Stoffkreisläufe zu schließen, 8 und sie weisen dabei eine innere Hierarchie auf: Pflanzen, die Sonnenlicht und ihre eigenen Abfälle konsumieren (photoautotroph); Herbivore, die Pflanzen fressen; Karnivore, die (andere) Tiere fressen (heterotroph). Damit leben auch Karnivore in letzter Instanz vom Sonnenlicht (wir sind alle »Kinder der Sonne« 9), aber dieses ist schon in zwei Vorstufen aufbereitet und bietet sich nun als tierisches Protein und Fett dar. Karnivore stoßen Exkremente aus, die wiederum vom Ökosystem absorbiert werden und Pflanzen wachsen lassen.

Mit der Kulturgeschichte des Menschen verändert sich das Energiemanagement noch einmal grundlegend: Lebewesen können auch bei üppigem Angebot eigentlich nur so viel an Energie verwerten, wie es ihnen die Kapazitäten des eigenen Körpers erlauben. Der Mensch aber externalisiert einen Teil seines Stoffwechsels und kann sich damit enorme Energien erschließen, da diese nicht innerhalb, sondern außerhalb seines empfindlichen Körpers zum Einsatz kommen: Über dem Feuer wird die Nahrung vorverdaut, der Ochse erledigt einen Teil der Feldarbeit, aus dem Atomkraftwerk fließt der Strom sorgfältig isoliert in die Batterie des Elektroautos. 10 Mit diesem externalisierten, technologisch verfassten Stoffwechsel des Menschen ist endlich die Achse identifiziert, auf der die Müllproduktion eine historische Spezifik annimmt. Zum eigenen Kot als dem dominanten Abfall kommen anfangs etwas Asche, Knochen, Fragmente gebrannter Erde und die Exkremente der Nutztiere.

Zwei historische Entwicklungen lassen den steigenden Fluss an Abfällen zu einem echten Problem werden. Die erste besteht in der allmählichen Einführung der Schwemmkanalisation in den Städten. Mit ihr kommt es zum »unheilbaren Riss« (Karl Marx) zwischen Stadt und Land: Die Fäkalien gehen nicht mehr als Dünger zurück auf die Felder, und so laugen die Städte allmählich das Land aus. Und zweitens tauchen mit der Industrialisierung neuartige Abfälle auf, für die in den Ökosystemen keine oder kaum natürliche Recyclingmethoden zur Verfügung stehen. Dies gilt sowohl für unvermeidliche Beiprodukte (Abwärme, Staub, …) als auch für die Produkte selbst, die nach Gebrauch weggeworfen werden. Die Menschheit stößt das Tor zur toxic world auf.

Dieser Sachverhalt mag banal erscheinen. Ihn auszusprechen ist es nicht, da dieser Einsicht theoretisch und praktisch äußerst wirksame Verdrängungsmechanismen entgegenstehen. Auf theoretischer Ebene wurde das Müllproblem unsichtbar, da die Ökonomie traditionell nur auf der Ebene des Werts denkt und dessen Materialisierung gegenüber gleichgültig ist. Güter mögen materielle Gegenstände, aber auch Dienstleistungen oder sogar bloße Ideen sein – was zählt, ist ihr Wert. Auf dieser im Grunde rein symbolischen Wertebene zeigt sich der ökonomische Prozess aber tatsächlich als ein Kreislauf, während der unterliegende lineare Materiedurchfluss, der gesellschaftliche Stoffwechsel mit der Natur, ausgeblendet wird, wie der Vorreiter der Ökologischen Ökonomie Nicholas Georgescu-Roegen bereits 1971 kritisierte. 11 Auf der praktischen Ebene bildet die Müllabfuhr das Gegenstück, die wir in der Tat als so etwas wie einen praktischen gesellschaftlichen Verdrängungsmechanismus im Sinne Freuds begreifen können: Ihre Aufgabe ist nicht die Lösung des Müllproblems, sie hat den Müll lediglich zu »ent-sorgen«, also aus unserem Gesichtskreis zu entfernen.

Indes wusste schon Freud: »Die verdrängte Vorstellung rächt sich aber dadurch, dass sie pathogen wird.« 12 Lange Zeit lässt sich der Müll noch vor den Toren der Stadt vergraben. Aber die Müllproduktion wächst, wird toxischer, und zugleich nimmt eine wachsende Menschheit immer mehr Platz ein, so dass der soziale Metabolismus keinen »Außenraum« mehr für den Müll findet, sondern alles zum milieu intérieur wird. »Meines Erachtens unterscheidet sich die Menschheit nicht vollends von den Mehlwürmern, welche sich im Innern eines Sackes entwickeln und sich mit ihren eigenen toxischen Ausscheidungen zu vergiften beginnen, noch ehe die Nahrung oder der Platz aufgebraucht sind«, konstatierte Claude Lévi-Strauss bereits 1960. 13 Man könnte es auch eine Art negativer Nischenkonstruktion nennen: Die Technosphäre wird zur Falle. Wir drohen an unserem Müll zu ersticken.

Konsumkritik

Man kann hier mit Jean-Luc Coudray von einer »Normalisierung« des Mülls sprechen, was aber kein Grund zur Beruhigung ist, im Gegenteil: Der Müll ist jetzt überall und immer mit dabei. 14 Aber was sind die normativen Konsequenzen dieser Einsicht? Eine liegt auf der Hand: Wenn die Menschheit überleben will, muss sie weniger Müll produzieren. Was sich in der Praxis als ausgesprochen schwierig erweist, stellt sich theoretisch freilich als Banalität dar. Auf den zweiten, dritten und vierten Blick offenbaren sich indes müllphilosophische Schlussfolgerungen, für die dies immer weniger gilt. Um die Zielrichtung vorwegzunehmen: Müll-Philosophie impliziert Konsumkritik, aber diese verfehlt das Wesentliche, sofern sie sich am Müll aufhält und das Produkt vergisst.

Ein erster Fallstrick der Müll-Philosophie besteht darin, Müll auf Verpackungsmüll zu reduzieren. Denn erstens besitzt ja jedes Produkt einen – für uns weitgehend unsichtbaren – »entropischen Zwilling« in den Produktionsabfällen, die bei seiner Herstellung anfallen (in der Baumwollindustrie des 19. Jahrhunderts sprach man vom »devil’s dust«); und zweitens wird jedes Produkt nach Gebrauch selbst zu Müll. Müll ist also nicht die Ausnahme oder vermeidbare Nebenfolge, sondern sub specie aeternitatis ohnehin das Ganze, aber auch sub specie finitatis ein beträchtlicher Teil davon. Die Schlussfolgerung nimmt damit bereits eine dramatischere Form an: Müllvermeidung beschränkt sich nicht auf die Verringerung des Verpackungsmülls (»zero waste«), sondern unweigerlich auf die des Konsums selbst.

Wer nun versucht, seinen Konsum oder auch nur sein Verpackungsmüllaufkommen zu verringern, wird schnell die Erfahrung machen, einen Kampf mit einem übermächtigen Gegner aufgenommen zu haben. Aber wer ist dieser Gegner? Lediglich die eigenen Wünsche und Bedürfnisse? Ein zweiter Fallstrick der Müll-Philosophie besteht in dieser Individualisierung des Problems, die mögliche strukturelle Faktoren ausblendet. Unsere Gesellschaft kennt ganz andere Konsummotoren als die individuellen Bedürfnisse. »Die Modernisierungsdynamik stützt sich auf eine Logik des Zurücklassens des Verbrauchten, die der Unterstützung durch Entwertungstechniken bedarf.« 15 Man denke hier an die Mechanismen der geplanten Obsoleszenz, und zwar sowohl die ingenieurstechnische Methode der eingebauten Sollbruchstelle als auch die psychologische Methode der Mode, die uns ablegen lässt, was nach praktischen Maßstäben noch brauchbar und gut ist. 16

Müll-Philosophie kann sich nicht damit begnügen, über die abgestreifte Plastikverpackung nachzudenken, sie muss vielmehr grundsätzlicher den Konsum in den Blick nehmen, wie auch schon die »klassische« amerikanische Mülltheorie der Nachkriegszeit wusste. 17 Die Müllkulturwissenschaftler Grassmuck und Unverzagt verstehen den Anbruch der Konsumgesellschaft in den 1950er und 1960er Jahren freudianisch als Übergang von dem am Mangel geschulten, ordentlichen und sparsam-geizigen Umgang mit den Dingen (also einem analen Charakter) zu einem Modell der »Freiheit zum Konsum [und] Freiheit zur Ausscheidung«. 18

Diese Analyse scheint mir aber noch in unfreiwilliger Komplizenschaft mit der Konsumgesellschaft zu stecken, insofern sie ihren Konsumbegriff nicht hinterfragt. Zur Seite der Ausscheidung hin haben wir schon gesehen, dass es sich bei der »Entsorgung« eigentlich um eine problematische Verdrängung handelt. Der Literaturwissenschaftler Konrad Lotter hat die konsumistische Verklärung des Wegwerfens als geradezu kathartischem Akt in einem Prosastück von Italo Calvino untersucht: »Müllproduktion wird gleichgesetzt mit Bewegung, mit Leben, mit Entwicklung hin zum eigentlichen ›Sein‹. […] Solange ich wegwerfe, bin ich. Solange ich Abfall produziere, bin ich selbst noch kein Abfall.« 19

Der Schmutz und das Reine

Verharren wir kurz an dem Moment, da ein Gut zu Müll wird. Eine erste wichtige Beobachtung besteht darin, dass die Natur den Gegensatz von Gut und Müll nicht kennt. Er ist nicht kommensurabel mit der Funktionsweise von Ökosystemen, für die des einen Abfall zu des anderen Rohstoff wird. Zugleich ist die müllphilosophische Gut-schlecht-Unterscheidung aber auch nicht identisch mit der anthropozentrischen Unterscheidung zwischen »nützlich« und »unnütz«. Der Müll, wie er uns in der Moderne aus dem Abfalleimer anstarrt, hat noch einmal eine andere Qualität. Er markiert eine radikalere Fehlstelle, ist das absolut Andere: Kot, Verwesung, Tod, Infektion und Kontamination. Der Übergang von Gebrauch in den Müll affiziert den Seinsmodus des Dings, vom Guten zum Schlechten, vom Nützlichen zum Störenden, vom Sauberen zum Stinkenden, vom Gesunden zum Infektiösen, vom Köstlichen zum Ekelhaften, vom Geliebten zum Abstoßenden (der Übergang vom Menschen zur Leiche ist ein besonders drastisches Beispiel hierfür). Die archaische Vorstellungswelt, die der Müll evoziert, sollte uns aber nicht darüber täuschen, dass wir es mit einem originär modernen Phänomen zu tun haben.

»Unsere Gesellschaft des Mülls ist zugleich eine der Sauberkeit«, sogar eine »puritanische Gesellschaft«, notiert Jean-Luc Coudray in seinem Guide philosophique des déchets. In der Müllgesellschaft tritt der Hygienismus seinen Siegeszug an (der rhetorisch durchaus an archaische und christliche Glaubensbestände von der »Reinheit« anknüpft, aber ein spezifisch modernes und wissenschaftliches Projekt darstellt 20). Und dies betrifft nun nicht nur die Entfernung des Mülls als Quelle von Gestank und Krankheit, sondern endlich auch unseren Begriff vom »Gut«. Zum einen wird die Ware nun verpackt, um jegliche Kontamination auszuschließen (und umgekehrt auch bargeld- und kontaktlos bezahlt). Aber der Hygienismus formt auch unsere Vorstellung von Qualität. Wie in der modernen Industriegesellschaft Müll anfällt, der aus dem ökologischen Kreislauf hinausfällt, so soll auch sein Zwilling, die Ware, dem Zyklus des Lebens und Vergehens enthoben werden: Sie wird sauber, steril, makellos, »haltbar«.

Allein, so die ironische Pointe, dieser Versuch, das Gute und Reine in der Ware zu fixieren, muss scheitern, weil er in einen Selbstwiderspruch mündet. An dieser Stelle hat endlich der Metaphysiker des Mülls François Dagognet seinen großen Auftritt. Seine erste wichtige Beobachtung besteht darin, dass die moderne Ware nicht altern kann – sie kann nur verderben. Ein Kratzer auf der blanken Oberfläche zerstört schon ihren Schein und verdirbt unseren Genuss. Aber das Problem reicht tiefer, wie Dagognet am Beispiel der Nahrungsmittel verdeutlicht. Der moderne Verbraucher unterscheidet mit existentiellem Ernst zwischen dem Guten, das schmeckt und seine Gesundheit fördert, und dem Verdorbenen, von dem die höchste Gefahr ausgeht, das stinkt und Brechreiz auslöst.

Dieser rigorose Dualismus aber verfehlt das Wesentliche der Nahrung, die prozessual gedacht werden muss: »Die Früchte selbst reifen, um sich schließlich zu zersetzen und zu verfaulen – sie halten nur für eine kurze Zeit.« 21 »Niemand würde den Früchten ein vollkommen unveränderliches und endgültig fixiertes Äquivalent vorziehen«, behauptet Dagognet. Entscheidend ist hier, dass im Fluss-Charakter die Qualität der Dinge liegt, nämlich zum einen die Kompatibilität mit den Mechanismen unseres Stoffwechsels, aber auch der Genuss. Das Geheimnis der guten Küche liegt nicht einfach in der Exklusivität der Zutaten (die Küche des mittelalterlichen Adels krankte daran, dass man alles in den Topf warf, was nur teuer genug war), sondern gerade in einer alchemistischen Vertrautheit, gar Komplizenschaft mit den Zutaten – und zwar nicht in ihrem Sein, ihren fixierten Eigenschaften, sondern ihrem Fließen.

Die Nahrungsmittelindustrie bietet indes genau das Gegenteil: aseptische, tote und vollkommen homogene Waren, die durch chemische Stabilisatoren in Form gehalten werden. Und in einer perfiden Perversion hat es die Industrie verstanden, den Ekel – eine alte und daher sehr wirkungsvolle Emotion, die aber deswegen mitnichten aller historischen Formbarkeit entzogen ist – für ihre Zwecke einzuspannen. Der hygienisch geschulte Konsument blickt voller Misstrauen auf den Rohmilchkäse und fühlt sich bei den eingeschweißten Fettblöcken sicher. Aber auch sie tragen ein Haltbarkeitsdatum und damit den Stempel des Vergänglichen. Das perfekte Konsumgut ist eigentlich nur das Geld selbst, mit dem wir die verderbliche Ware bezahlen: steril, abnutzungsfrei und ewig haltbar. Geld ist die von allem Erdenrest gereinigte Ware, die Reinheit selbst, die Mutter Gottes in der Warenwelt. 22 Geld ist mithin der sublimierteste Zwilling des Mülls, der wiederum im absoluten, unverwertbaren Restmüll seine höchste Steigerungsform findet. Mit dem Geld und dem Müll sind die beiden Pole des Manichäismus der Konsumgesellschaft benannt.

Genuss und Ekel

Hier sind wir an der Tiefenschicht der müllphilosophischen Konsumkritik angelangt, nämlich dem Nachdenken über die Wertmatrix. Am Müll lernen wir spiegelbildlich eine Lektion über das Gut. Dagognets prozessuale Ontologie des Gutes hat freilich noch eine zweite wichtige Implikation, die über den bloßen Gegensatz von Statik und Fluss hinausgeht. Kehren wir zurück zu dem Beispiel der Lebensmittel. Welches sind die charakteristischen Mechanismen ihres prozessualen Daseins? Die bakterielle Fermentation drängt sich als wichtiges Beispiel auf. Wir haben es bei ihr im Grunde mit einem Prozess der Fäulnis und Zersetzung zu tun, also – durch die Brille des Hygienismus betrachten – des Verderbens.

Der prozessuale Blick zeigt jedoch das Gegenteil: »Wir verlangen vom Philosophen, diese Chemie der Veränderung entgegen seinen Gewohnheiten wahrzunehmen: Dem Fermentierten verdanken wir die Fülle der Produkte, es bereichert das Universum, ja mehr noch, es schenkt uns die köstlichsten unter ihnen: den Wein, das Brot, den Käse«. 23 Die Liste lässt sich verlängern: Butter, Essig, Sauerkraut … Als historisches Beispiel können wir das liquamen (garum) nennen, eine Soße aus verfaultem Fisch, die einen Grundpfeiler der römischen Küche bildete und in großen Mengen hergestellt wurde – aufgrund des enormen Gestanks außerhalb der Ortschaften. Auch der Schimmel hat hier seinen Platz: Er ist das schlimmste Schreckgespenst des Hygienismus, zugleich aber veredelt er manches Lebensmittel. Wenn die Winzer des Jura den bei Alterung auftretenden Volumenverlust des Weins – die part des anges – nicht kompensieren, bildet sich im Fass eine dicke Schicht aus Mikroorganismen, unter der »vin jaune« als gesuchte Delikatesse ein komplexes Spektrum von Aromen entwickelt.

Dieses Phänomen erschöpft sich nicht im Fluss-Charakter des Gutes, sondern umfasst als wesentlichen Bestandteil eine Ambiguität in unserem Verhältnis zu ihm. Die Fermentation entzieht sich der konventionellen Wertmatrix nicht nur durch den Prozess-Charakter, sondern auch dadurch, dass sie sich hinsichtlich ihrer Prozessrichtung nicht eindeutig einordnen lässt. Diese Ambiguität zeigt sich drastisch auch an dem Stück Natur, das wir selbst sind. Der Umgang mit dem eigenen Körper zeigt dieselben Muster wie der mit der Nahrung. Wie Dagognet unterstreicht, erstreckt sich der Hygienismus auf den eigenen Körper und versucht, auch diesen in das von Müll und Geld bekannte Schema zu pressen: absoluter Abfall da, reines, unbeflecktes und fixiertes Sein hier.

Dagognets Beispiel ist der hygienistische Kampf gegen den körpereigenen Säureschutzmantel der Haut. Den körperlichen Praktiken der Reinigung kann man die des Essens und der Sexualität beigesellen. In all diesen Praktiken – die jeweils ein klares biologisches Fundament haben, sich aber in eine kulturelle Matrix des Genusses und Wohlbefindens übersetzt haben – spielen die Ausscheidungen des Körpers eine entscheidende Rolle. Der eigene Körper ist ja selbst die Quelle von »Abfall« (Ausscheidungen, Absonderungen, Ausflüsse): Im Zustand des normalen Funktionierens sind dies Schweiß, Speichel, Muttermilch, Tränenflüssigkeit, Sperma, Vaginalsekret, Exkremente (Kot und Urin), Haare und Nägel; bei Verletzung auch Blut, Wundsekret und Eiter. »Den Speichel des anderen zu berühren ist im Kuss keine bedauerliche Nebenwirkung«, erinnert uns Lagerspetz. 24 Ein uneindeutiger, aber symbolisch höchst signifikanter Fall sind das Menstruationsblut und die sogenannte Nachgeburt (Plazenta, Embryonalhüllen, Nabelschnurreste). Letztere wird von manchen Menschen sogar verzehrt – wie bei Säugetieren üblich (Placentophagie) –, von anderen verbrannt oder beerdigt, wobei die Beerdigung aufgrund unterschiedlicher kultureller Bedeutung ihrerseits mal als spirituelle »Verwertung«, mal als »Entsorgung« biomedizinischen Abfalls gelten muss. 25 Und auch die Rolle der Exkremente wird im gesellschaftlichen Stoffwechsel neu zu bewerten sein: Urin wird bald als Rohstoffquelle unverzichtbar sein, um die drohende Phosphatkrise abzuwenden. 26

Ekel und Genuss liegen hier überall dicht beieinander und überschneiden sich sogar. Wir können das Beispiel aber noch einen Schritt weiter treiben. Die zentrale Einsicht, nämlich in die Inkommensurabilität von Genuss und Gesundheit mit der Matrix von Müll und Geld, von Exkrement und Konservierung, findet vielleicht ihren handfestesten Ausdruck in dem Phänomen, das man als das »Paradox des gesunden Alterns« nennen könnte und das zweifellos hier seinen Platz hat: Der Körper produziert ja nicht nur Abfall, sondern geht mit dem Tod selbst zur Gänze in diesen über. Aus dem Umgang mit äußeren Dingen sind uns die beiden Modi des baldigen Verzehrs (vernichten) und des Schutzes vor Verfall und Abnutzung (aufbewahren) vertraut. Für den Umgang mit dem Ding, welches wir selbst sind, taugt indes keines von beiden als Modell. Hochleistungssportler und couch potatoes ruinieren beide ihren Körper. Der ideale Modus für den Körper ist die gemäßigte Abnutzung – eine unbehagliche Idee, da sie unsere Endlichkeit durchaus akzeptiert: Der Genuss des Lebens selbst besteht nicht in seiner Konservierung, sondern im allmählichen Abwetzen des kleinen Stücks Natur, das wir sind.

Dass die Müll-Philosophie auf das Phänomen dieser Ambiguität als ihren Kulminationspunkt zutreiben würde, konnte eigentlich nicht überraschen, wenn man nur die These der britischen Anthropologin Mary Douglas im Hinterkopf behält, dass es gerade die Funktion der Kategorie des Schmutzes und der mit ihm verbundenen Verhaltensvorschriften ist, bestehende Ordnungssysteme gegen Ambiguität zu sichern. 27 Michael Thompson zog die Konsequenzen für den Begriff des Mülls: Dieser stellt selbst keine Kategorie dar, sondern hat die Funktion, Kategoriensysteme zu stabilisieren. Er erlaubt uns, auszumustern, was sich unseren Kategorien widersetzt. 28 Vermeiden wir den Müll, hält freilich auch die Ambiguität wieder Einzug in die Welt – mit ungeahnten Konsequenzen für das soziale Gefüge: In einer Post-Müll-Welt kann, wie Thompson anmerkt, ein Komposthaufen zu einem wichtigen Statussymbol werden.

FUSSNOTEN & QUELLENANGABEN

  1. Platon, Parmenides. Übersetzt von Franz Susemihl. In: Ders., Werke. Gruppe 3, Bd. 5. Stuttgart: Metzler 1865.
  2. William L. Rathje, The Garbage Project. A New Way of Looking at the Problems of Archeology. In: Archaeology, Nr. 27/4, Oktober 1974.
  3. https://theresourcecenterchicago.org/about-us
  4. Walter Cannon, The Wisdom of the Body. London: Kegan Paul and Co. 1932.
  5. Claude Bernard, Introduction à l’étude de la médecine expérimentale. Paris: Baillière 1865.
  6. Erwin Schrödinger, What is Life? The Physical Aspect of the Living Cell. Cambridge University Press 1944.
  7. Axel Kleidon, Thermodynamic Foundations of the Earth System. Cambridge University Press 2016.
  8. Eugene P. Odum, The Strategy of Ecosystem Development. In: Science, Nr. 164 vom 18. April 1969.
  9. Vladimir I. Vernadsky, The Biosphere (1926). New York: Copernicus 1998.
  10. Frederick Soddy, Cartesian Economics. London: Hendersons 1922.
  11. Nicholas Georgescu-Roegen, The Entropy Law and the Economic Process. Cambridge /Mass.: Harvard University Press 1971.
  12. Josef Breuer /Sigmund Freud, Studien über Hysterie. Leipzig: Franz Deuticke 1895.
  13. Aufgezeichnetes Gespräch in dem Dokumentarfilm Claude Lévi-Strauss par lui-même von Pierre-André Boutang und Annie Chevallay, Frankreich 2008.
  14. Jean-Luc Coudray, Guide philosophique des déchets. Paris: Editions i 2018.
  15. Reiner Keller, Müll – Die gesellschaftliche Konstruktion des Wertvollen. Die öffentliche Diskussion über Abfall in Deutschland und Frankreich. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften 2009.
  16. Christian Kreiß, Geplanter Verschleiß. Berlin: Europa Verlag 2014.
  17. Zum Beispiel John Atlee Kouwenhoven, Waste not, have not. A Clue to American Prosperity. In: Harper’s Magazine, März 1959; Vance Packard, The Waste Makers. New York: McKay 1960.
  18. Volker Grassmuck /Christian Unverzagt, Das Müll-System. Frankfurt: Suhrkamp 1991.
  19. Konrad Lotter, Calvinos Mülltonne. Die Müllbeseitigung als Ritus existentieller Erneuerung. In: Widerspruch, Nr. 25, 1994 (Philosophie des Mülls).
  20. Zu dessen Geschichte vgl. Georges Vigarello, Le Propre et le Sale. L’hygiène du corps depuis le Moyen Age. Paris: Seuil 1985.
  21. François Dagognet, Le déchet. In: Grégory Hamez /Martine Tabeaud (Hrsg.), Les Métamorphoses du Déchet. Paris: Editions de la Sorbonne 2001.
  22. Vgl. Wolfgang Herrmann, Müll, Gewalt, Bewußtsein. In: Widerspruch, Nr. 25, 1994.
  23. Francois Dagognet, Des Détritus, des déchets, de l’abject. Une philosophie écologique. Le Plessis-Robinson: Institut Synthélabo 1997.
  24. Olli Lagerspetz, A philosophy of dirt. London: Reaktion Books 2018.
  25. Rachel Vaughn, Food, blood, nutrients. On eating placenta & the limits of edibility. In: Food, Culture & Society, Nr. 22/5, 2019.
  26. Natasha Gilbert, The disappearing nutrient. In: Nature, Nr. 461, Oktober 2009.
  27. Mary Morgan, Pollution. In: David L. Sills /Robert K. Merton (Hrsg.), International Encyclopedia of the Social Sciences, Bd. 12. New York: Macmillan 1968.
  28. Michael Thompson, Rubbish Theory. Oxford University Press 1979.

3 Kommentare

  1. Anton Gutwein sagt:

    Der Sauerstoff den wir atmen, ist der Müll, der Kot, sind die Abbauprodukte von anderen Lebewesen. Wir leben im „Kot“ der Natur, die vor uns und mit uns ist. alle Nahrung die wir zu uns nehmen, verdankt ihre Existenz dem gleiche Zyklus, ist Müll, produziert Müll. Der Philosoph, der heute offensichtlich auch Ökologe sein muss, glaubt menschlichen Abfall Müll nennen zu müssen, weil …ja warum eigentlich. Den Müll der Natur hält er immer für natürlich und gut, teil eines natürlichen, darum guten, Kreislaufs. Doch schauen wir uns die Planeten an. So ziemlich alle Planeten sind natürlicherweise leblos. Keiner der Planten könnte auf die Frage; „Wie geht es dir?“ „Schlecht, ich habe Menschen“, antworten. Mit der gleiche Wahrscheinlichkeit könnte ein Planet auch sagen, er habe Natur, die seine Oberfläche zersetzt. Ob ein Planet wirklich froh wäre, wenn seine Oberfläche von Pflanzen besiedelt wäre, von Schimmel und Pilzen? Wenn sich in diesem Schimmel auch noch Lebewesen, Tiere, häuslich eingerichtet hätten. Wenn ich mir als Mensch vorstelle Natur auf der Haut zu haben, würde ich mich ekeln. Vielleicht würde ich mir ja Menschen als Medizin wünschen, die Natur wie Seife bekämpft? Den Menschen als natürliche Schädlingsbekämpfung zu sehen, mag witzig erscheinen, ist aus der Sicht eines Mineralplaneten aber auch logisch.
    Zurück zur Natur ist ein perverse und naive Vortellung. Schon römische und griechische Philosophen/Autoren haben davon geträumt. in einer Welt die weit entfernt von der heutigen moderne Welt war. Damals wollte man die Zwänge loswerden, die sich aus Landwirtschaft und städtischen Zusammenleben ergaben. Warum Felder bestellen, warum die Wohnung sauberhalten, warum arbeiten und Dienste verrichten, um sich Nahrungsmittel und Wohnung leisten zu können? Zurück zur Natur und leben von dem was die Natur wachsen lässt. Der Philosoph sollte besser fragen warum wir nicht mehr so leben und die Antwort darauf finden. Denn dann erst kann er die Frage nach dem Müll ehrlich beantworten und erkennt, dass die Rückkehr zur Natur niemals eine realistische und gewollte Alternative ist. Das Denken, die Erkenntnis, sind Schuld, dass uns das Leben in der Natur nicht mehr genügte. Dass wir den täglichen Überlebenskampf und den Tod nicht mehr einfach so hingenommen haben wie Affen, sondern sicherer und besser leben wollten. Corona könnte man als Teil der Natur einfach so hinnehmen. Doch wir bauen Labore, stellen in riesigen Fabriken Impfstoffe her, und dabei auch ziemlich viel Müll, um das Sterben, vor allem der Alten, noch ein wenig aufzuhalten. Endziel bleibt, Unsterblichkeit. Letztendlich ist den Meisten das eigene Leben allen Müll wert, den wir produzieren. Wir werden nur dann zu Umweltschützern, wenn wir denken dass unser eigenes Leben nicht bedroht ist. Wir keine Fischer, Jäger, Kohlekumpel, Stahlwerker usw. sind. Wenn doch alle vom Denken leben könnten, wie Vergil.

  2. VincentBG92 sagt:

    Sehr interessantes Artikel. Ich empfehle auch das neuste Buch von Jeanne Guien, französische Philosophin: Le consumérisme à travers ses objets (Konsumismus durch seine Gegenstände)

  3. Reiner Girstl sagt:

    Die Kritik an der Konsumgesellschaft ist so alt wie die Konsumgesellschaft. Solange es die Konsumgesellschaft gibt ist sie der Verderber der Jugend. Die Verzichtsapostel sind schon lange unter uns, oft meinen Sie aber nur, das es nicht sein kann, dass allen das zusteht, was nach ihrer Meinung ihnen vorbehalten ist. Insoweit ist das auch immer eine Einforderung der Elitegesellschaft wo es eben für die Elite alles gibt. Der Müll und die Konsumgesellschaft, die Zerstörung der Umwelt mittlerweile ein Thema das 50 Jahre alt ist oder auch 100 Jahre oder 150 Jahre, je nach dem bei wem man anfängt, ob bei Marx oder den Theosophen oder dem Cub of Rome. Neu ist nur das die Grünen nicht mehr systemtheoretisch und kypernetisch über die Umwelt nachdenken, sondern auch nur noch Mechanistisch. An die stelle des Nachhaltigkeitsdenkens der alten alternativ Bewegung ist das Reperaturdenken bei den neuen Grünen getreten. Wenn man nachhaltig denkt, ist das Elektroauto noch schlimmer als das Verbrennerauto und das Brennstoffzellen Auto der einzig gangbare Weg. Oder man geht in eine Welt wo es Autos nur noch für wenige gibt. Genauso wie man Nachhaltigkeit erreichen kann, in dem man lebt wie früher der Hof verbraucht für drei und alle anderen leben beschränkt oder prekär.

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