Perseverance. It’s only a matter of time

Teil einer Studie sein. Wie fühlt sich das an? Sol wird es bald wissen. Es geht nicht um Krankheiten, da würde sie nie mitmachen, viel zu gefährlich, wer weiß, was sie da mit einem machen. Für ein paar Euro mehr versaut dir die Pharmaindustrie die Gesundheit.

Es geht um Technik, Fortschritt. Unser Verhältnis dazu. Etwas Gesellschaftliches, Kulturelles.

»Ach, ist das abgedroschen«, sagt Ina, die Freundin. »Das Mensch-Maschine-Problem. Langweilig.«

(Dieser Text ist im Novemberheft 2021, Merkur # 870 erschienen.)

»Aber das ist unsere Realität«, meint Sol, und sie klingt überzeugt. Sie möchte überzeugt klingen. Immerhin haben zwei Freunde schon so ein Ding für den Rasen, und Frau Kellermann, zwei Häuser weiter, hat einen selbständigen Staubsauger fürs Haus.

All diese Geräte fahren leise schnurrend umher, die Besitzer umsorgen sie, haben ihnen nette Namen gegeben, die auf I enden, reden auf sie ein, folgen ihren Wegen, um sie zu kontrollieren. Udos Robi zum Beispiel fährt unregelmäßig, lässt komische Grashäufchen liegen, die der Besitzer wegkehren muss, und braucht einen Leitstrahl unter dem Rasen, damit er seine Station wiederfindet. Außerdem fährt er auch sonntags, und das gehört sich eigentlich nicht, kein anständiger Mensch mäht sonntags den Rasen, auch nicht im 21. Jahrhundert.

Manchmal steht Sol am Zaun und beobachtet ihn, registriert ihre eigenen widersprüchlichen Gefühle: dass sie sich freut, wenn Robi sich in den Dreck wühlt und nicht weiterfahren kann, dass sie aber hinübergehen und ihm über den Kunststoffdeckel streichen möchte wie einem einsamen Hund, den keiner ausführt.

Dasti, der Staubsauger von Frau Kellermann, rumst angeblich noch immer an die Möbel und versucht verzweifelt, die Treppe in den ersten Stock hochzusteigen. Wahrscheinlich hat ihm der Sohn das einprogrammiert. Zu faul, um den Dasti hochzutragen.

Sol hat ein Angebot bekommen, das einfach nicht zu glauben ist, allerdings hat sie sich durchaus eine Weile darum beworben. Es geht um Akzeptanz.

Etwas wurde geliefert, kein bisschen menschenähnlich, metallisch glänzend, Typ eckige Schneiderpuppe, eine Blechschachtel mit sechs Armen. Sol erinnerte sich beim Auspacken an ein Kinderbuch, an eine Konservendose, die ein Kind enthielt, lange her.

Das aktuelle Ding, Kiki 11 heißt es ebenso albern wie konsequent, macht keine niedrige Haus- oder Gartenarbeit. Es ist auf einer technologischen Zwischenstufe angesiedelt und kann Differenziertes: Tisch decken, Tisch abräumen. Es kocht nicht, dafür gibt es inzwischen in jedem Haushalt (auch in Sols) andere Geräte, die aus mehreren mühsam vorbereiteten Zutaten eine Pampe mit einer von unendlich vielen Würzvarianten anrühren.

(…)


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