Occupy Everything. David Graebers und David Wengrows Geschichte der Menschheit im Konjunktiv

Die Qualität einer Polemik entscheidet sich an der Qualität der Sparringspartner, die sie herbeizitiert, um sie vor den Augen der Leserinnen und Leser kunstvoll zu zerlegen. David Graeber und David Wengrow haben mit Anfänge eine Polemik vorgelegt, auch wenn sie als wissenschaftliche Darstellung des »frühen menschlichen Soziallebens« präsentiert wird, die sich aus »den tatsächlich vorliegenden Quellen« ergebe. 1 Überall, nicht zuletzt in populären Geschichten der Menschheit von Francis Fukuyama über Jared Diamond und Steven Pinker bis hin zu Yuval Noah Harari, entdecken Graeber und Wengrow eine »Schulbuchversion der Menschheitsgeschichte«, die auf Hobbes und Rousseau zurückgehe.

(Dieser Text ist im Augustheft 2022, Merkur # 879, erschienen.)

Demnach sei ein glücklicher Zustand der Gleichheit in kleinen Gemeinschaften durch die Erfindung der Landwirtschaft und die Entstehung von Städten unwiederbringlich verlorengegangen; oder aber es tobten solange die wilden Leidenschaften menschlicher Wölfe, bis Staaten entstanden, um sie zu bändigen. Gemessen an den Forschungsergebnissen der Archäologie und Anthropologie seien diese Geschichten »schlicht und einfach unwahr«, »mit schlimmen politischen Konsequenzen verbunden« und dafür verantwortlich, »dass die Vergangenheit langweiliger als nötig erscheint«. Anfänge will »eine völlig neue Darstellung der Entwicklung menschlicher Gesellschaften in den vergangenen 30 000 Jahren« sein, die nicht am Problem des Wohlstands und der ungleichen Verteilung materieller Ressourcen ansetzt, sondern an der Frage, »ob wir alle die gleiche Möglichkeit haben, an Entscheidungen mitzuwirken, die unser Zusammenleben betreffen«.

Soziale Ordnung als spielerische Versuchsanordnung

Die unvoreingenommene Kartierung der Menschheitsgeschichte lässt für Graeber und Wengrow nur eine Schlussfolgerung zu. Demnach bestehe das »Wesen unseres Menschseins« darin, »dass wir bewusste politische Akteure sind und deshalb innerhalb einer großen Bandbreite sozialer Arrangements entscheiden können«. Anfänge zeichnet diese Vielfalt nach und versucht, die These einer spielerischen Natur des Menschen zu plausibilisieren.

Graeber und Wengrow betonen emphatisch, dass die Befähigung zur Reflexion, zum spielerischen Experimentieren und zur bewussten Gestaltung des Zusammenlebens eine allgemein menschliche Fähigkeit und keine europäische Errungenschaft sei. Sie führen indigene Gesellschaften in Nordamerika an, in denen sowohl die Erzeugung der Nahrungsmittel als auch die politische Organisation einem saisonalen Wechsel unterlag; sie erwähnen Rituale und Feste, die eine andere politische Ordnung periodisch vorführten; sie verweisen auf die Neigung menschlicher Gesellschaften, sich von den Nachbarn kulturell abzugrenzen.

All dies deuten sie als Beleg einer »institutionellen Flexibilität«, durch die man die Fähigkeit erwerbe, »die Grenzen jeder gegebenen Struktur zu überschreiten und zu reflektieren – also die politischen Welten, in denen man lebt, zu schaffen, aber auch wieder abschaffen zu können«. Dass Graeber und Wengrow mit dieser These tapfere Einzelkämpfer wären, weil »die meisten modernen Denker« es »für bizarr und abwegig« hielten, »Menschen früherer Epochen reflektierte soziale Projekte oder eine bewusste Einflussnahme auf die Geschichte zuzuschreiben« – das wiederum halte ich für ein Gerücht.

Die Autoren demonstrieren ihr Argument beispielsweise an der Landwirtschaft. Ob und in welchem Umfang eine Gesellschaft zum Ackerbau übergehe, spiegele nicht in erster Linie ein ökonomisches (kalorisches) Kalkül oder ökologische Notwendigkeiten wider, sondern »die Werte und das Selbstverständnis der Menschen«. In Anlehnung an den Öko-Anarchisten Murray Bookchin sprechen sie von einer »Ökologie der Freiheit«. Bevor sich Fragen der ungleichen Verteilung einer agrarischen Überschussproduktion stellten, »versuchten sich die Menschen eher spielerisch, wenn man so will, an der Landwirtschaft und wechselten ihre Herstellungsmethoden ebenso wie sie ihre gesellschaftlichen Strukturen immer wieder ›verflüssigten‹ und veränderten«.

Diese Interpretation ist plausibel. Sie deckt sich jedoch, wie Axel T. Paul in seiner Besprechung des Buchs betont, mit nahezu jeder jüngeren Schilderung der Geschichte des Ackerbaus. 2 Und, so muss man fragen, wie hätte es anders sein sollen: ein vollständig ausgeprägtes Produktionssystem, das irgendwann wie Manna vom neolithischen Himmel fällt?

Es ist so erstaunlich wie bedauerlich, dass sich Graeber und Wengrow bei ihrem Entwurf des immer und überall spielerisch experimentierenden Menschen nirgendwo mit Johan Huizingas Konzept des homo ludens auseinandersetzen. 3. Reinbek: Rowohlt 2019.] Huizinga hatte schließlich schon in den späten 1930er Jahren das Spiel zu einer »unbedingt primären Lebenskategorie« erklärt und darin »den überlogischen Charakter unserer Situation im Kosmos« bestätigt gesehen. Im Spiel realisiere sich »ein erfindungsreicher Geist am Rande von Scherz und Ernst«. Es sei »zunächst und vor allem ein freies Handeln«, weder physiologische Notwendigkeit noch sittliche Pflicht, sondern etwas, das man ebenso gut auch lassen könne. Huizinga betonte den »uninteressierten Charakter« des Spiels, stehe es doch »außerhalb des Prozesses der unmittelbaren Befriedigung von Notwendigkeiten und Begierden«. Gleichzeitig hob er die Abgeschlossenheit, Begrenztheit und Regelbedürftigkeit des Spiels hervor, aber auch die Tendenz zur Abspaltung neuer Spielgemeinschaften, die es bevorzugten, nach eigenen Regeln zu spielen.

Vieles von dem, was Huizinga ausführte, ließe sich durchaus mit den Überlegungen in Anfänge vereinbaren. Graeber und Wengrow belassen es allerdings lieber bei vagen Verweisen auf eine spielerische Natur des Menschen, die schließlich mit der Präferenz kollektiver Entscheidungsfindung versöhnt werden muss. Für Spielverderber, die lieber einen eigenen Klub gründen, als sich mit den Mitspielern auf gemeinsame Regeln zu einigen, für den Vorrang eines nicht frei improvisierenden, sondern regelgebundenen Spielens und – vor allem – für den grundsätzlich agonalen Charakter des Spiels als Kampf haben sie wenig Sinn. 4. In: Ders., Der Fluch der Ökonomie. Berlin: Matthes & Seitz 2019.] Bei Graeber und Wengrow ist all das kein Theorieproblem, sondern bestenfalls eine Frage der Metaphorisierung politischer Vorlieben.

Ihnen entgeht, wie sehr die Betonung des Spielerischen, Experimentellen und Kreativen längst im politischen und kulturellen Mainstream verankert ist. Angesichts der bereits vor längerer Zeit diagnostizierten Vereinnahmung dieser Form der »Künstlerkritik« durch den neuen Geist des Kapitalismus verspüren sie keinerlei Unbehagen. 5. Konstanz: UVK 2003.] Vielmehr aktualisieren sie – unausgesprochen – eine spezifische Tradition des britischen Anarchismus, die bis in die 1940er Jahre zurückreicht. In dieser Tradition interessierten sich Autoren wie Herbert Read, John Hewetson oder Colin Ward für die Bedingungen der Möglichkeit einer Entfaltung menschlicher Potentiale und zeigten sich fasziniert von der Idee, »dass sich gerade bei Abwesenheit einer strikten äußeren Ordnung handlungskompetente soziale Gemeinschaften situationsbedingt herauskristallisierten«. 6

Die Stufen wirtschaftlicher Entwicklung

Graeber und Wengrow legen sich mit einem doppelten Gegner an. Entschieden nicht einverstanden sind sie erstens mit jedem Versuch, die Vielfalt menschlicher Gesellschaften in ein evolutionäres Schema zu pressen, und zweitens mit der Gleichsetzung von zivilisatorischer und wirtschaftlicher Entwicklung, also mit einer Fassung der Menschheitsgeschichte als Stufenfolge verschiedener Subsistenzweisen (Wildbeuter, pastorale Gesellschaften, Landwirtschaft, commercial society). Sie ziehen eine Linie von der ersten Generation französischer und schottischer Ökonomen (Turgot, Smith, Hume usw.) über Marx’ und Engels’ Aneignung der Thesen des Anthropologen Lewis Henry Morgan bis hin zum Neo-Evolutionismus, der seit den 1950er Jahren an Bedeutung gewinnt, einschließlich der an Rational-Choice-Theoremen orientierten Verhaltensökologie. Das Porträt evolutionstheoretischer Modelle ist wenig schmeichelhaft – und zwar vor allem für Graeber und Wengrow, die sich offenbar eine Auseinandersetzung mit einem weniger strohpuppenhaften Gegner nicht zutrauten.

In theoretischer Hinsicht ist der Anti-Evolutionismus von Anfänge nämlich recht kurzschlüssig. Alles lebt vom Glaubenssatz, dass Evolutionstheorien stets auf der Suche nach dem einen und einzigen Anfang von allem wären und jede Entwicklung als zwangsläufig charakterisierten. Natürlich befriedigt die Tendenz, beispielsweise Wirtschaftsformen in hierarchische Entwicklungsstufen zu verwandeln, eher den Ordnungssinn als die intellektuelle Neugier. Demgegenüber auf der Pluralität menschlicher Geschichte zu beharren, wie Graeber und Wengrow es tun, ist durchaus angeraten. Wenig hilfreich ist es aber, heuristische Schemata in starre und starrsinnige Dogmen zu verwandeln, nur um sie besser vorführen zu können. Eine Skizze grober Entwicklungslinien und eine idealtypische Abgrenzung verschiedener Formen der Nahrungsmittelerzeugung sind nicht mit der Behauptung identisch, jeder Moment der Menschheitsgeschichte müsse sich eindeutig zuordnen lassen.

Graeber und Wengrow bevorzugen Pauschalpolemik gegenüber einer präzisen historischen Verortung der kritisierten Entwürfe. Sie identifizieren zwar das späte 18. Jahrhundert als Kipppunkt, weil Turgot, Smith und andere zu diesem Zeitpunkt anfingen, Zivilisationsstufen als wirtschaftlich bestimmt zu fassen. Seitdem habe sich die Auseinandersetzung mit der außereuropäischen Welt von einer Freiheitsdiskussion in eine Diskussion von Un /Gleichheit und Wohlstand verwandelt, in der immer wieder die Überlegenheit Europas nachgewiesen wurde.

Gemessen an der Beweislast, die das Argument trägt, verblüfft allerdings das Desinteresse der Autoren an der umfangreichen Forschung zum Entwicklungsdiskurs der Aufklärung samt seiner notorischen Stufenlehren. Ein Blick beispielsweise in John G. A. Pococks monumentale fünfbändige Studie Barbarism and Religion (1999–2011), die das Thema auf dem Weg einer historischen Verortung von Edward Gibbons Decline and Fall of the Roman Empire (1776–1789) angeht, hätte das Autorenduo vielleicht davon abgehalten, in jeder Quellenlektüre nur die eigenen Klischees bestätigt zu finden. Wenn man sich zur Profilierung des eigenen Egos schon »das westliche Denken« als Ganzes vorknöpft, sollte man zumindest etwas historisches Interesse aufbringen. Der kritisierte Diskurs war dann doch komplexer und durch zahlreiche Verschiebungen, Adaptionen und Rezeptionsverhältnisse gekennzeichnet. Das gilt sowohl für die empirischen Bezüge als auch den normativen Horizont sowie die damit verbundenen politischen und kritischen Implikationen. 7

Die »Säulen der Regierung«

Allen Pluralitätspostulaten zum Trotz interessieren sich Graeber und Wengrow in erster Linie für jene politischen Formen, die nicht dem Modell staatlicher, also hierarchischer, bürokratischer und zentralistischer Herrschaft entsprechen. Archäologische Funde legten nahe, dass es immer wieder selbstverwaltete Städte ohne eine herrschende Schicht und Verwaltungselite gab. »Volksräte und Bürgerversammlungen«, so die Autoren, bildeten vielerorts die »Säulen der Regierung«. Zwar werde man die politische und soziale Verfassung früher Städte wohl nie rekonstruieren können. »Die überlieferten Zeugnisse sind jedoch so aussagekräftig, dass sie nicht nur die konventionelle Sichtweise über Bord werfen, sondern uns zudem die Augen für neue Möglichkeiten öffnen, die wir ansonsten nie erwogen hätten.« Überall seien Städte »als bürgerliche Experimente großen Stils« entstanden, »denen häufig die erwarteten Merkmale administrativer Hierarchie und autoritärer Herrschaft fehlten«.

Ausgrabungen ukrainischer Megastätten des vierten vorchristlichen Jahrtausends deuteten auf »Prozesse lokaler Entscheidungsfindung« mit Haushalts- und Quartiervorstehern, die »eine gemeinsame konzeptionelle Vorstellung einer Siedlung als Ganzes besaßen«. Ähnliche Hinweise gebe es für Mesopotamien. »Weit davon entfernt, einen Herrscher zu benötigen, um das urbane Leben zu verwalten«, so Graeber und Wengrow, »lebten die meisten mesopotamischen Städter also offenbar in autonom organisierten, selbstverwalteten Einheiten, die auf offensive Oberherren reagierten, indem sie diese vertrieben oder die Stadt gänzlich aufgaben.«

Das Paradebeispiel sei freilich Teotihuacán. Diese Metropole habe »einen Weg gefunden, sich selbst ohne Herrscher zu regieren, wie dies auch bei viel früheren Städten der prähistorischen Ukraine, im Mesopotamien der Uruk-Periode und im Pakistan der Bronzezeit der Fall war. Doch es tat dies auf einer ganz anderen technologischen Grundlage und in einem sogar noch größeren Maßstab.« Teotihuacán stehe für eine »republikanische Tradition« inmitten der mittelamerikanischen Königreiche und repräsentiere »einen Strang von Stadtrepubliken, großen öffentlichen Wohlfahrtsprojekten und indigenen Formen von Demokratie«.

Die Schwierigkeiten, die eine solche Deutung mit sich bringt, sind erheblich, wie Graeber und Wengrow eingestehen. Archäologisch seien Hinweise auf »demokratische Selbstverwaltung« immer verschwommen, während »Zeugnisse einer Königsherrschaft, wenn sie denn gefunden werden, völlig unmissverständlich« seien. Letztere hinterließ in der Regel Paläste, Großtempel, monumentale Grabstätten usw. »In Teotihuacán«, so schreiben sie, »glänzen all diese Merkmale des Standardpakets durch eine verblüffende Abwesenheit.« Es sei dahingestellt, ob sich eine Herrschaftsform immer in ähnlicher Weise architektonisch manifestieren muss. Aus der Abwesenheit einer Sache auf die Anwesenheit einer anderen zu schließen, ist in jedem Fall heikel. Graeber und Wengrow wissen das.

Hier zeigt sich aber auch die rhetorische Chuzpe, mit der sie diesem Problem begegnen. »Nun«, so schreiben sie in Verteidigung ihres argumentativen Kurzschlusses, »möchte man an dieser Stelle vielleicht einwenden: ›Gut, ja, technisch gesehen mag das stimmen, aber mal ehrlich, wie groß ist die Chance, dass sie nicht hierarchisch organisiert waren oder dass die Reinen oder die Wohlhabenden kein größeres Mitspracherecht bei der Regelung der Stadtangelegenheiten hatten?‹ Den meisten fällt es schwer, so lässt dieser Einwand erkennen, sich überhaupt vorzustellen, wie ein bewusster Egalitarismus in großem Maßstab funktionieren könnte. Allerdings zeigt er erneut, wie selbstverständlich wir ein evolutionäres Narrativ akzeptieren, in dem autoritäre Herrschaft als ›natürliches‹ Ergebnis angesehen wird, wenn eine ausreichend große Gruppe von Menschen zusammenkommt […] Wissenschaftler neigen dazu, klare und unwiderlegbare Beweise dafür zu fordern, demokratische Institutionen jeglicher Art hätten in der fernen Vergangenheit existiert. Auffällig ist, dass dies für Autoritätsstrukturen von oben nach unten nicht gilt. Letztere betrachtet man offenbar als historischen Standardmodus – als die Art gesellschaftlicher Gefüge, die man schlicht erwartet, wenn es keine Anhaltspunkte für irgendetwas anderes gibt.«

Es ist dreist, selbst einen fiktiven Einwand zu formulieren, dann so zu tun, als würde diese zwecks Widerlegung maßgeschneiderte Position tatsächlich mehrheitlich vertreten – und das wiederum als Beleg der eigenen These heranzuziehen. Selbstverständlich sollte man ohne »Anhaltspunkte für irgendetwas anderes« nicht auf »Autoritätsstrukturen von oben nach unten« schließen. Statt aber »unwiderlegbare Beweise« von den Freunden staatlicher Autorität zu verlangen, scheinen Graeber und Wengrow eher das Recht für sich einzufordern, ebenfalls ohne Belege die Gegenposition zu vertreten.

Das Thema dezentraler Herrschaftsstrukturen ist in der Anthropologie fest etabliert. Bereits in den 1930er Jahren arbeitete etwa Georges Bataille Konzepte kopf- und führerloser (»akephaler«) Gemeinschaften aus. 8 Der britische Ethnologe Edward E. Evans-Pritchard, auf den Graeber und Wengrow verweisen, legte 1940 seine einflussreiche Studie zu den sudanesischen Nuer vor, in der er das Modell einer segmentierten Gesellschaft ohne politische Zentralgewalt rekonstruierte. Evans-Pritchard beschrieb dieses System als eine Form »regulierter Anarchie«. 9. Oxford University Press 1969; Meyer Fortes /Edward E. Evans-Pritchard (Hrsg.), African Political Systems. Oxford University Press 1940; John Middleton /David Tait (Hrsg.), Tribes Without Rulers. Studies in African Segmentary Systems. London: Routledge 1958; Christian Sigrist, Regulierte Anarchie. Untersuchungen zum Fehlen und zur Entstehung politischer Herrschaft in segmentären Gesellschaften Afrikas. Freiburg i. Br.: Olten 1967; Fritz Kramer /Christian Sigrist (Hrsg.), Gesellschaften ohne Staat. Bd 1: Gleichheit und Gegenseitigkeit. Frankfurt: Syndikat 1978.]

Die damit verbundenen Thesen fanden breite Beachtung. Unter anderem regten sie Ralf Dahrendorf zu einigen herrschaftssoziologischen Reflexionen an. Dahrendorf betonte, dass eine Dezentralisierung der politischen Struktur keineswegs das Vorhandensein von Herrschaft infrage stelle. Er sah dabei Parallelen zwischen segmentären Gesellschaften Afrikas und der »amorphen Herrschaftsstruktur«, wie David Riesman sie in The Lonely Crowd (1950) für die USA beschrieben hatte. In beiden Fällen habe man es mit »stagnierenden Gesellschaften« zu tun, gekennzeichnet durch »erstarrte, sich nur mehr sehr langsam und ohne erhebliche Richtungsänderung wandelnde Sozialstrukturen«. 10. In: Ders., Pfade aus Utopia. Arbeiten zur Theorie und Methode der Soziologie. München: Piper 1967; Christian Sigrist, Die Amba und die These der Universalität von Herrschaft. Eine Erwiderung auf einen Aufsatz von Ralf Dahrendorf. In: European Journal of Sociology, Nr. 5/2, Dezember 1964.]

Auch innerhalb anarchistischer Traditionen wurden diese Diskussionen zur Kenntnis genommen. Die Arbeiten des Lévi-Strauss-Schülers Pierre Clastres aus den 1970er Jahren sind der einschlägigste Beleg eines elaborierten anthropologischen Anarchismus, für den in jüngster Zeit James C. Scott und eben David Graeber stehen. 11. Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Konstanz University Press 2020; James C. Scott, The Art of Not Being Governed. An Anarchist History of Upland Southeast Asia. New Haven: Yale University Press 2009.] Anfänge lehnt sich an diese Tradition an, nimmt jedoch auch hier einzelne Beobachtungen zum Anlass weitreichender Verallgemeinerungen.

Graeber und Wengrow können ihre Großthese nur formulieren, weil sie auf Präzisierung und Differenzierung verzichten. Einerseits konstruieren sie einen monolithischen Begriff des Königtums, verstanden als autoritäres, zentralistisches und bürokratisches Herrschaftssystem, nur um dann festzustellen, dass zahlreiche Gesellschaften anders organisiert gewesen seien. Andererseits fehlt eine politik- und demokratietheoretische Reflexion der als Gegenmodell herangezogenen Formen der Herrschaftsausübung. Kollektive Entscheidungen, Versammlungen, Räte, Quartiervorsteher – für die Autoren besteht hier kein Unterschied. Demokratie, Republik, Selbstverwaltung, Partizipation – warum sollte man sich über derartige Begriffe den Kopf zerbrechen, wenn man sie auch nach Gutdünken verwenden kann? Aber natürlich sind es erneut nur die anderen, die im Nachdenken »über die Ursprünge des Staates im alten Peru oder in China« lediglich »die speziellen Bestandteile des modernen Staates auf die Vergangenheit« projizieren.

Graebers und Wengrows politische Vorstellungskraft ist außerordentlich begrenzt. Wo und wann immer sie den kleinsten Hinweis auf dezentrale Autoritätsstrukturen oder kollektive Entscheidungsfindung ausmachen, schwelgen sie im versammlungsdemokratischen und selbstverwalteten Himmel, der verdächtig den Protesten im New Yorker Zuccotti Park ähnelt. »Occupy Wall Street« wird so, durchaus subtil, zur Richtschnur der Menschheitsgeschichte. Nun mag es sinnvoll und praktikabel sein, die Entscheidung über die Einrichtung einer Gemeinschaftsküche, sanitärer Anlagen oder einer Handbibliothek in einem Protestcamp mittels Entscheidung aller Beteiligten zu organisieren. In Anfänge wird dieser Modus jedoch nonchalant auf das große Ganze übertragen.

Zwar spricht nichts dagegen, die Geschichte mit Graeber und Wengrow als »eine kontinuierliche Abfolge neuer Ideen und (technischer oder sonstiger) Innovationen zu sehen«. Ob das aber bedeutet, dass »verschiedene Gemeinschaften kollektiv entscheiden, welche Technologien sie für geeignet hielten, um sie dann täglich einzusetzen, und welche sie auf die Bereiche des Experimentierens und des rituellen Spiels beschränken wollten«? Zumindest würde man sich wünschen, die Autoren wären etwas sensibler für die Fragen, die mit einem solchen Verständnis des Politischen verbunden sind, zumal eine Beschäftigung mit Formen der Versammlungsdemokratie in der politischen Philosophie Konjunktur hat. 12 Pauschale Verweise auf kollektive Entscheidungen führen nicht besonders weit ohne eine Diskussion darüber, wie politische Souveränität entsteht, wer (nicht) repräsentiert wird, wie Koalitionen und Allianzen zustande kommen oder wie sich bestimmte Verfahren institutionalisieren lassen.

Da Graeber und Wengrow allerdings an konzeptionellen Debatten oder einer selbstreflexiven Verortung ihres Wertehimmels nicht interessiert sind, bieten sie mit der politisch-normativen Grundierung ihrer Argumente oft lediglich das anarcho-kitschige Gegenstück zur alternativökonomischen Überhöhung der Gabepraktiken nichtwestlicher Gesellschaften. Da die Menschheitsgeschichte, wenn man sich erst einmal auf diesem Niveau bewegt, voll von Beispielen für dieses oder jenes ist, wird die Parteinahme für diese oder jene Großthese schlicht zur Geschmacksfrage. Ich finde Basisdemokratie, Selbstverwaltung, spielerische Kreativität, kollektive Entscheidungsfindung usw. ja auch gut, so möchte man dem Autorenduo zurufen. Bei der Lektüre einer Geschichte der Menschheit wären mir Erkenntnisgewinne aber doch lieber als das wohlige Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen.

König Konjunktiv, die Fakten und die Quellen

Graeber und Wengrow indes beanspruchen, dass ihre Darstellung weit besser im Einklang mit Fakten und Forschungsergebnissen stehe als die »vertrauten Narrative« der Menschheitsgeschichte, dass sie also streng wissenschaftlich argumentierten. Nun ist eine allzu häufige Betonung der eigenen Wissenschaftlichkeit in der Regel kein gutes Zeichen.

Wissenschaft erkennt man nicht an einer penetranten Faktenemphase, sondern daran, die Reichweite der eigenen Thesen und Schlussfolgerungen einer kritischen Reflexion zugänglich zu machen. Konkret: Es geht um die Diskussion dessen, was bestimmte Fakten erklären können – und was nicht. Bei Graeber und Wengrow wird Wissenschaft allzu oft zu einer Kunst des Konjunktivs. Mit Blick auf matriarchalische Sozialsysteme, um dieses willkürliche Beispiel aufzugreifen, heißt es: »Wird jedoch« (angesichts einiger ethnografischer Aufzeichnungen) »erst klar, solche Strukturen könnten existiert haben, gibt es keinen besonderen Grund mehr auszuschließen, dass sie in der Jungsteinzeit möglicherweise weiter verbreitet waren.«

In gewisser Weise bedienen die Autoren jene demonstrativ skeptische Haltung, die der Philosoph Martin Hartmann kürzlich einer Analyse unterzogen hat. Das damit verbundene »Plädoyer für Pluralismus, Perspektivenvielfalt und skeptische Selbstrelativierung«, so Hartmann, beruhe freilich auf bestimmten »Denkfehlern«. 13 Nur weil die Widerlegung jeder Position jederzeit möglich sein sollte, sei damit noch lange nicht der Nachweis eines tatsächlichen Irrtums erbracht. Eine »latente Skepsis« (Hartmann) gegenüber bestimmten Thesen entbindet nicht von der Pflicht, selbst plausible und überprüfbare Evidenzen zu liefern.

In Sachen Evidenzerzeugung fällt zudem auf, dass weder Graeber noch Wengrow einen Hintergrund in textaffinen Disziplinen haben. Schriftliche Quellen spielen in Archäologie und Anthropologie keine prominente Rolle. Nun müssen wir nicht alle Historikerinnen und Historiker sein. Graeber und Wengrow machen jedoch die indigene Kritik an europäischen Institutionen während der Zeit der Aufklärung zum Ausgangspunkt ihres Arguments – und diese Kritik ist ausschließlich auf Texte vornehmlich französischer Autoren des 17. und 18. Jahrhunderts angewiesen. 14 Wer diese verwendet, sollte schon über quellenkritische Expertise verfügen.

Die Autoren kritisieren gerade die Tendenz der Geschichtswissenschaft, die in literarischen oder philosophischen Abhandlungen dargestellten indigenen Positionen als Erfindung europäischer Autoren oder rhetorische Figuren abzutun. Ohne jedes textkritische Handwerkszeug versteifen sich Graeber und Wengrow auf ein Vorgehen, das ans Parodistische grenzt. Zumal die indigenen Quellen des europäischen Denkens, anders als sie pauschal behaupten, in der Ideengeschichte seit langem sehr intensiv erforscht werden. 15 Diese Forschung ist durch eine hohe Sensibilität für die verschlungenen Wege der Vermittlung und Transformation von Wissen gekennzeichnet. Unbestreitbar existierte im 17. und 18. Jahrhundert ein umfangreicher Diskurs, in dem selbstverständlich indigene und europäische Positionen miteinander verschränkt waren.

Da sie es aber für die bessere Story halten, wählen Graeber und Wengrow die abwegigste Lösung, um diesen Punkt zu illustrieren: Sie schreiben die Kritik europäischer Institutionen einer einzelnen Person zu, einem »ungewöhnlich brillanten Staatsmann der Wendat«. Das Problem besteht darin, dass dieser Kondiaronk (1649–1701) aus den Erinnerungen des Baron de Lahontan (1666–1716) an seine amerikanischen Abenteuer rekonstruiert wird. In diesen Schriften begegnet uns der »Wendat-Weise« noch dazu unter einem anderen Namen (»gemeint ist freilich Kondiaronk«). Trotz der nicht verschwiegenen Quellenproblematik – die deutlich spätere Abfassung der Erinnerungen, die Anreicherung und Ausschmückung gemäß gültiger Genrekonventionen, wiederholte Überarbeitungen usw. – sehen Graeber und Wengrow »allen Grund anzunehmen, die wesentlichen Argumente stammten von Kondiaronk«.

Gerade weil die Autoren bemerken, dass »Kondiaronks« Argumente überzeichnet sind und die wesentlichen Kritikpunkte versammeln, von denen auch frühere Missionare berichtet hatten, ist unbegreiflich, warum die beiden einen offenkundig existierenden Diskurs als authentischen Ausdruck der Meinungen einer Person verstanden wissen wollen. Am Einfluss indigener Positionen auf die europäische Aufklärung kann kein Zweifel bestehen. Um das zu wissen, muss man nicht eine literarische Figur in einen Staatsmann und den Autor von Abenteuergeschichten in einen Protokollanten verwandeln. Tobias Rapp hat Anfänge in seiner Besprechung daher treffend als Update der »Weissagung der Cree« bezeichnet, die zahlreiche WG-Küchen und Dritte-Welt-Läden zierte und ziert: »Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.«

Beides dokumentiere ein »Bedürfnis nach authentischer Kritik an der westlichen Zivilisation und ihrem Wachstumsmodell«. 16 Der Umstand, dass wir heute mehr über den historischen Kondiaronk wissen als noch vor einigen Jahren, sagt nichts über Lahontans Stilisierungen aus. Und abgesehen davon ist es auch nicht nötig, literarische Figuren mit historischen Personen zu identifizieren. Man kann schließlich auch sehr viel über den spanischen Adel herausfinden, ohne einen echten Don Quijote zu unterstellen, den Cervantes deshalb authentisch darstellen konnte, weil er dem Dichter seine Weltsicht in die Feder diktierte.

Problematisch ist auch, dass Graeber und Wengrow die Glaubwürdigkeit einer Quelle vor allem daran bemessen, ob sie inhaltlich ihrer eigenen Deutung entgegenkommt. Aus diesem Grund muss man wohl mit Kondiaronk quellenkritisch nicht so streng sein wie mit den Maya. Da deren Bildnisse von Teotihuacán regelmäßig Könige zeigten, sage das natürlich nur etwas über die Interessen und Vorstellungen der Maya aus, nicht über die Verfassung einer Stadt, in der Graeber und Wengrow ein selbstverwaltetes Utopia indigener Demokratie sehen. Zeitgenössische Berichte, mit denen Graeber und Wengrow inhaltlich nicht übereinstimmen, stammen dann eben von »zwielichtigen Charakteren«. Ironischerweise gilt das ausgerechnet nicht für Hernán Cortés – weil dessen Briefe aus der Neuen Welt mittelamerikanische Städte mit den italienischen Stadtrepubliken verglichen und beide mit den ihm bekannten Königtümern kontrastierten.

Die große Pose

Jenseits inhaltlicher und konzeptioneller Einwände zeigt Anfänge, dass mit einer bestimmten Art Buch etwas nicht stimmt. Dass die Lektüre – jedenfalls für mich – eine mitunter unangenehme Erfahrung war, liegt an der Selbststilisierung des Autorenpaars als radikale Bilderstürmer. Graeber und Wengrow sind offenkundig unfähig, auch nur das kleinste Argument vorzutragen, ohne das im Gestus des Außenseiters zu tun. Ständig berufen sie sich darauf, im Einklang mit archäologischen und anthropologischen Forschungsergebnissen zu argumentieren und stützen sich in ihren Beschreibungen auf zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zum jeweiligen Thema – nur um sofort herauszustreichen, dass »die« Wissenschaft all das ignoriere, was sie mutig dem Lesepublikum präsentieren. Sie konstruieren eine Kette kluger Einzeldenker, die immer wieder abweichende Thesen ventiliert hätten, aber marginalisiert worden seien.

Natürlich reihen sich Graeber und Wengrow in diese Tradition ein. Der Witz besteht darin, dass es sich bei den vermeintlichen Außenseitern um die ganz großen Namen handelt: Franz Boas, Robert Lowie, Paul Radin, Marcel Mauss, Claude Lévi-Strauss. Notfalls behauptet man einfach, dass sich das Fach trotz der persönlichen Wertschätzung für diese oder jene berühmte Randfigur insgesamt in eine gegensätzliche Richtung bewegt habe oder dass ein bestimmter kleiner Text, den Graeber und Wengrow inspirierend finden, etwa Lévi-Strauss’ Aufsatz über die Funktion des Häuptlings bei den Nambikwara, nicht so breit rezipiert wurde, wie er es verdient hätte. 17. In: Ders., Strukturale Anthropologie Zero. Aus dem Französischen von Bernd Schwibs. Berlin: Suhrkamp 2021.]

Wenn auch das nicht hilft, dann ist es eben die Öffentlichkeit, oder es sind die »Schulbuchversionen der Weltgeschichte«, in denen die Erkenntnisse der Wissenschaft ignoriert werden. So gut wie nie wird konkret benannt, wer eigentlich eine bestimmte Position vertritt. Eine Außenseiterpose lässt sich besser profilieren, wenn man einfach gegen »alle (jedenfalls alle, die nicht Spezialisten sind)« anschreibt und sich gegen »fast alle Autoren, die umfassend über die Menschheitsgeschichte schreiben«, positioniert. 18 In dieser Formulierung zeigt sich aber indirekt, worum es Graeber und Wengrow eigentlich geht: Sie wollen mitspielen im Spiel der internationalen Sachbuchbestseller. Sie arbeiten sich eben nicht an archäologischen und anthropologischen Forschungen ab, sondern an den Großthesenschmökern von Fukuyama, Diamond, Pinker oder Harari.

Es handelt sich dabei um ein sehr spezielles Segment des Buchmarkts. Es gibt überhaupt nur ein paar Dutzend Autoren (gendern muss man an dieser Stelle nicht), denen das Privileg zugestanden wird, die ganz großen Themen aus großer Flughöhe mit grobschlächtigen Deutungen zu malträtieren. Wer in dieser Welt mitspielen darf, ist ganz sicher kein Außenseiter. Die damit verbundene Sprecherposition schließt das Privileg ein, sich um Kritik nicht kümmern zu müssen. Sigrid Löffler hat das in ihrer klugen Kritik von Jonathan Franzens Crossroads auf den Punkt gebracht: Selbst grundlegende Einwände »können dem Erfolg dieses Romans nicht schaden. Als Autor ist Jonathan Franzen längst ›too big to fail‹. Ein Automatismus weltweiter Jubelkritiken ist ihm garantiert.« 19

Die Kritiken von Anfänge sind unterschiedlich ausgefallen, von begeistertem Jubel über kritische Rückfragen bis hin zu sehr grundlegenden Einwänden. Dass das Buch zum Nach- und Weiterdenken anregt, wie viele Rezensentinnen und Rezensenten betonen, trifft uneingeschränkt zu. Der Gestus der Autoren macht aber deutlich, dass ihnen selbst nicht an einer offenen Debatte, sondern an Schaukämpfen vor großem Publikum gelegen ist; im Fall Graebers muss man leider sagen: war. Leserinnen und Leser können sich wahrscheinlich konstruktiv und produktiv über ihre Lektüren des Buchs streiten. Graeber und Wengrow fechten lieber ihren Platz in der Hackordnung der internationalen Sachbuchplatzhirsche aus. Inzwischen geben die Bestseller-Celebrities Signierstunden im Rahmen von Hochglanztagungen, auf denen man sich vermutlich gegenseitig für den bilderstürmerischen Mut beglückwünscht. 20 Vielleicht ist die Buchkritik einfach das falsche Spielfeld für eine bestimmte Art von Buch.

FUSSNOTEN & QUELLENANGABEN

  1. David Graeber /David Wengrow, Anfänge. Eine neue Geschichte der Menschheit. Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm, Henning Dedekind u. Andreas Thomsen. Stuttgart: Klett-Cotta 2022.
  2. Axel T. Paul, Neue Ideen zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht. In: Soziopolis vom 4. April 2022 (www.soziopolis.de/neue-ideen-zu-einer-allgemeinen-geschichte-in-weltbuergerlicher-absicht.html).
  3. Johan Huizinga, Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel [1938
  4. Diesen Aspekt betont Georges Bataille, Sind wir da, um zu spielen? Oder um ernst zu sein? [1951
  5. Luc Boltanski /Eve Chiapello, Der neue Geist des Kapitalismus [1999
  6. David Kuchenbuch, Das Peckham-Experiment. Eine Mikro- und Wissensgeschichte des Londoner »Pioneer Health Centre« im 20. Jahrhundert. Köln: Böhlau 2014.
  7. Vgl. die präzise und aufschlussreiche Studie von Oliver Eberl, Naturzustand und Barbarei. Begründung und Kritik staatlicher Ordnung im Zeichen des Kolonialismus. Hamburger Edition 2021.
  8. Stephan Moebius, Die Zauberlehrlinge. Soziologiegeschichte des Collège de Sociologie (1937–1939). Universitätsverlag Konstanz 2006.
  9. Edward E. Evans-Pritchard, The Nuer. A Description of the Modes of Livelihood and Political Institutions of a Nilotic People [1940
  10. Ralf Dahrendorf, Amba, Amerikaner und Kommunisten. Zur These der Universalität von Herrschaft [1964
  11. Pierre Clastres, Staatsfeinde. Studien zur politischen Anthropologie [1976
  12. Judith Butler, Anmerkungen zu einer performativen Theorie der Versammlung. Aus dem Amerikanischen von Frank Born. Berlin: Suhrkamp 2016; Isabell Lorey, Demokratie im Präsens. Eine Theorie der politischen Gegenwart. Berlin: Suhrkamp 2020.
  13. Martin Hartmann, Wider eine falsch verstandene Skepsis. In: Merkur, Nr. 861, Februar 2021.
  14. David Graeber /David Wengrow, Kondiaronks indigene Kritik. In: Merkur, Nr. 872, Januar 2022.
  15. Barbara Arneil, John Locke and America. The Defence of English Colonialism. Oxford University Press 1996.
  16. Tobias Rapp, Alter weiser Mann. In: Spiegel Bestseller, Nr. 1/2022 vom 11. März 2022.
  17. Claude Lévi-Strauss, Die Theorie der Macht in einer primitiven Gesellschaft [1944
  18. Jennifer Wilson hat in einem anderen Kontext darauf verwiesen, wie schwer es sein kann, den Moment zu erkennen, in dem marginalisierte Ideen zum Mainstream werden – und daraus Konsequenzen zu ziehen. Jennifer Wilson, The Editor Who Moves Theory into the Mainstream. In: New Yorker vom 29. März 2022 (www.newyorker.com/culture/persons-of-interest/the-editor-who-moves-theory-into-the-mainstream).
  19. Sigrid Löffler, Jonathan Franzen: »Crossroads«. Eine schrecklich nette Familie. In: Deutschlandfunk Kultur vom 9. Oktober 2021 (www.deutschlandfunkkultur.de/jonathan-franzen-crossroads-eine-schrecklich-fromme-familie-100.html).
  20. www.hkw.de/de/programm/projekte/veranstaltung/p_188723.php

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