• Der Mythos der Entscheidung

    In der Verzweiflung am Denken, in der Verachtung des Denkens wird auf die Entscheidung gesetzt. In dem Augenblick, in dem Gott in das Leben einbricht, endet für Kierkegaard das Denken in den vorgezeichneten Bahnen und gilt es die Entscheidung, den Sprung in den Glauben. In dem Augenblick, in dem der Mensch für seine Lieben, seine Pflichten und sein Denken Argwohn und Verachtung empfindet, hält Nietzsche ihn zur Entscheidung für die Freiheit fähig. In dem Augenblick, in dem die Philosophie sich ihrer tradierten Prätentionen entledigt, sieht Heidegger sie ihren Sinn schärfen und sich der Situation des Handelns und der Entscheidung stellen. (mehr …)

  • Praktische Gerechtigkeit

    »Es gibt kein richtiges Leben im falschen« meinte Adorno in den Minima Moralia und beschloss damit eine Reflexion, die sich ausdrücklich nur gegen das Wohnen und Besitz- und Eigentum-Haben als Illusion oder vielmehr als Ideologie des Bei-sich-Seins richtete. Tatsächlich zielte sie auf alle Vorhaben, mit denen Menschen in der schlechten Welt mit schlechtem Gewissen das Ihre gestalten und behalten wollen. Aber eben das ist das Ethos der Praxis: in der schlechten Welt das Seine und etwas Gutes zu tun und es mit schlechtem Gewissen zu tun, weil es nur Flick- und Stückwerk ist und die Welt schlecht bleibt. So baut der Architekt sein Haus, auch wenn die übrigen Häuser der Stadt, wie Adorno sagt, »nur dazu taugen, wie alte Konservenbüchsen fortgeworfen zu werden«, so behandelt der Arzt seinen Patienten, auch wenn es um die Gesundheit der Bevölkerung übel steht, so unterrichtet der Lehrer seine Schüler in seinem Fach, obwohl er weiß, dass die Schule schlecht ist und die Schüler schlecht aufs Leben vorbereitet.