• Erdrückende Tradition? Musik in der Gegenwart

    Vor einiger Zeit las ich im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über die Akustik von Konzertsälen, an dessen Inhalt ich mich nur noch vage erinnere. Sicherlich wurden die einschlägigen Beispiele besprochen und einander gegenübergestellt, und vermutlich war das Ergebnis, dass es die eine gute Akustik und den perfekten Konzertsaal nicht gibt – man kennt das. Woran ich mich aber sehr gut erinnere, ist, dass ich mich bei der Lektüre plötzlich fragte, warum mich das eigentlich interessieren sollte. Nun interessiert es mich ja tatsächlich, als Konzertbesucher, als Philosoph, der sich mit Musik beschäftigt, als Geisteswissenschaftler, der irgendwie alles Kulturelle interessant findet. Trete ich aber kurz einen Schritt zurück und frage mich, womit sich diese Diskussion eigentlich beschäftigt, beginnt sie mir doch etwas dubios zu erscheinen. Der größte Teil der Musik wird heute natürlich nicht in Konzerthäusern gespielt, sondern in Clubs, im Einzelhandel und über Milliarden von Kopfhörern, und Konzertsäle sind bis heute eine recht elitäre Angelegenheit, auch wenn viele Akteure sich seit langem bemühen, daran etwas zu ändern. Von diesem Gedanken ist man sehr schnell bei der grundsätzlichen Frage, ob es einen mit öffentlichen Geldern geförderten klassischen Musikbetrieb in der gegenwärtigen Form geben sollte, der doch nur von vergleichsweise wenigen wahrgenommen wird – auch das kennt man.

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