• „Ich habe fertig“. Überlegungen zur Ästhetik der Existenz

    "Katharsis«, »Sublimation«, »Hypnotisierung durchs Spektakel« – erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass dem Ästhetischen einmal mit großer Selbstverständlichkeit eine Entlastungs- und Entspannungsfunktion zugesprochen wurde? Manche haben das als Passivität verdammt, andere als Kontemplation geschätzt. Vorbei. Wann hat es angefangen, dass man sich ästhetisch überhaupt nur anstrengen kann? Da gilt es, »ästhetische Erfahrungen« zu machen, da gibt es unzählige Kunstwerke, an denen man »partizipieren« oder durch die man »aktiviert« werden soll. Kunstaktivisten finden sich reihenweise, wo hätte man jemals einen Kunstpassivisten gesehen? (mehr …)
  • Versehentlich unsterblich. Nachleben im Anthropozän

     

    We kehr for you.

    Berliner Straßenreinigung

    Im Anthropozän erfüllt sich aus Versehen der Wunsch des Kulturmenschen, eine bleibende Spur zu hinterlassen, ein Denkmal »dauerhafter als Erz«. Ironischerweise wird die Art und Weise, über den eigenen Tod hinauszuwirken, weniger in großen Werken bestehen, sondern in Zerstörungen, Emissionen oder Müll. Die menschlichen Hinterlassenschaften werden also letzten Endes kein Schwarzes Quadrat, keine Venus und keine Pyramide sein, sondern eine geologische Schicht aus Radionukliden, Flugasche, Mikroplastik und Kunstdünger. Diese aber fällt nicht in den Zuständigkeitsbereich der Kultur- und Geisteswissenschaften. Für menschliche Erzeugnisse von derart langer Haltbarkeit ist die Geologie zuständig. [1.Etwas, von dem sich nicht einmal ein Foucault etwas träumen lassen wollte, der lediglicheine Archäologie, aber keine Geologie der Humanwissenschaften entwickeln wollte: MichelFoucault, Archäologie des Wissens [1969]. Aus dem Französischen von Ulrich Köppen. Frankfurt: Suhrkamp 1973. Für denVorschlag einer »Geologie der Moral« vgl. aber immerhin Gilles Deleuze /Félix Guattari, Tausend Plateaus [1980]. Aus dem Französischen von Ronald Voullié. Berlin: Merve 1992.]

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  • „Wenn der Epigone kommt, ist die Party vorbei“: Geoffrey Bennington, Jacques Derrida und die Post-Theorie

    Anfang der neunziger Jahre bittet Jacques Derrida den jungen Literaturprofessor Geoffrey Bennington, eine Einführung in sein Denken zu schreiben.1 Zweierlei spricht für ihn dafür, Bennington mit der Aufgabe zu betrauen: Dieser ist kein Franzose und zugleich bislang nicht als Dekonstruktivist hervorgetreten. Um gut einzuführen, muss man minimal draußen sein. Auch Derrida selbst liefert einen Beitrag zu dem Band. In der Endversion präsentiert Bennington im Fließtext ein »Derrida-Programm«, auf das Derrida mit neunundfünfzig (Derrida steht im neunundfünfzigsten Lebensjahr) Fußnoten antwortet.2 (mehr …)