• „etwas vorlautes widriges“ – Das Judenbild der Brüder Grimm

    Heinz Rölleke, der hochverdiente Nestor der Märchenforschung, schrieb 2007 in einem Aufsatz, man sage den Brüdern Grimm »zuweilen unbesehen, einigermaßen töricht und ganz zu Unrecht« Antisemitismus nach.  Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Rölleke selbst Wilhelm Grimms Wiesbadener Kurtagebuch von 1833 herausgegeben hat, in dem es heißt: »Ich bemerke nur daß die Juden immer mehr überhand nehmen, ganze Tische u. Plätze sind damit angefüllt, da sitzen sie mit der ihnen eigenen Unverschämtheit, fressen Eis u. legen es auf ihre dicken u. wulstigen Lippen, daß einem alle Lust nach Eis vergeht. Getaufte Juden sind auch zu sehen, aber erst in der 5ten oder 6ten Generation wird der Knoblauch zu Fleisch.« [2. Wilhelm Grimms Wiesbadener Kurtagebuch. Hrsg. u. kommentiert vom Germanistischen Oberseminar der Universität Wuppertal unter Leitung von Heinz Rölleke. In: Brüder Grimm Gedenken. Bd. 8. Hrsg. v. Ludwig Denecke. Marburg: Elwert 1988.] Auch von Jacob Grimm sind Stellungnahmen überliefert, die im Widerspruch zu Röllekes Worten stehen. »Alle Judenwörter, wenn wir sie in unserm christlichen Sprachhaushalt brauchen wollen, klingen unedel und schmutzig; sie rühren aus dem gemeinen Umgang mit dem schachernden, wuchernden, trödelnden, fleischschächenden Volke her«, erklärte Jacob Grimm 1815 in einem Sendschreiben an Herrn Hofrath –r. in dem Periodikum Friedensblätter.

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