• Fontane. Ein Rückblick

    Die Wissenschaft

    Fontane und kein Ende, das war nicht erst im soeben zu Ende gegangenen Jubiläumsjahr so, sondern wenigstens seit dem Mauerfall, bietet sich der Neuruppiner Dichter doch wie kein anderer als gesamtdeutsche Integrationsfigur an: Für den Westen hält er seine vielbeschworene Ironie parat, für den Osten die liebevolle Würdigung von Land und Leuten. Ganz so wie Goethe, Heine und natürlich Mozart ist er längst ein Wirtschaftsfaktor, die Fontane-Industrie produziert alljährlich stapelweise Publikationen, die nicht selten den Realitätsverlust streifen, Fontanes Berlin, Fontanes Frauen, Führer durch seine Romane, Lexika, Essen und Trinken mit Fontane, Fontane und England, Italien, Polen, Frankreich, mit Fontane durch das Jahr. Neben den mittlerweile Dutzenden von Biografien strahlt die Verehrung so weit, dass selbst die Lebensspur von Fontanes verzogen-eingebildeter und vollständig lebensunfähiger Tochter Martha (»Mete«) aufgearbeitet wurde. So viel unrechtmäßige Ehre wurde bisher nur Goethes ähnlich unerheblichem Sohn zuteil, der aber immerhin wusste, wie medioker er war. Fontanes Frau Emilie hingegen, sein »Schreibbüro« und die erste kritische Instanz, wurde zu Recht gewürdigt. (mehr …)