• Stellungswechsel: Eine Art persischer Brief an unbestimmte Adressen

    Zu den üblichen Ausdrucksformen eines Rektors oder, wie es jetzt oft heißt, eines Hochschulpräsidenten gehört der Essay wohl am wenigsten. Der Essay fordert alle stilistischen Eigenschaften, deren sich eine Hochschulleitung besser enthalten sollte: anspielungsreiche Verkürzung, also ein Schrei ben vorzugsweise für die unterrichteten Mitdenker; einen lockeren, manchmal zur Digression neigenden, gern die Metapher als Erkenntnisbild gebrauchenden Stil; eine wirkliche, nuancierte These. Der Essay verlangt mithin eine aus Tradition gespeiste Fähigkeit zur Deliberation sowohl des Verfassers als auch des Lesers; er ist daher selten topisch – oder er ist eben kein Essay.