• Schleichendes Gift – die Gegenwart des Ressentiments

    Ressentiment ruht auf einem Komplex schleichend einwachsender, niedriger Gefühle – Groll, Unmut, Missgunst, Animosität, Übellaunigkeit –, die allesamt derart unangenehm sind, dass sie es als solche schwer haben, zu Bewusstsein zu kommen. Wenn sie bewusst wären, würden sie kein gutes Licht auf den eigenen Charakter werfen, was wir stets sorgfältig zu vermeiden versuchen, vor anderen ebenso wie vor uns selbst. Auch wenn Ressentiment zu kulturellen und politischen Großwetterlagen eskalieren kann, wächst der innere Grimm doch in der Regel eher klein und spießig im normalen Alltag heran, wenn wir uns wieder einmal über eine Welt empören, in der alles und jeder nur dazu da zu sein scheinen, uns den Tag zu vermiesen.

    (Der Essay ist im Maiheft 2019, Merkur # 840, erschienen.)

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