• Was heißt hier modern? Das Kaiserreich und die Arbeiterbewegung

    Die Diskussion um die in der Geschichtsschreibung angeblich bislang zu kurz gekommene »Modernität« des Kaiserreichs ist durchaus zu begrüßen.1 Ich möchte mich auf einen Aspekt dieser von Hedwig Richter zuletzt prominent ins Spiel gebrachten Modernitätsthese konzentrieren, nämlich die im Kaiserreich nicht nur aufkommenden, sondern geradezu aufblühenden zivilgesellschaftlichen Massenorganisationen: Parteien sowie Frauen- und Arbeiterbewegung, vor allem Gewerkschaften. Richter schreibt: »Die Schlagkraft der Vereinigungen wurde immer größer, als sie in den neunziger Jahren begannen, die Massen zu organisieren. Die Gewerkschaften nutzten den Aufwind der Arbeiterbewegung und entwickelten sich nach dem Ende der Sozialistengesetze zu einer der mächtigsten Massenorganisationen.«2 Von einer »grundsätzlichen ›Reformblockade‹ im Kaiserreich« könne darum nicht die Rede sein. (mehr …)