• Werk mit Autoren. Gerhard Richters Birkenau-Zyklus

    Die Fotos

    Es gibt vier berühmte Fotos aus Auschwitz, die ein Häftling des Sonderkommandos, der Grieche Alberto Errera, 1944 im Rahmen einer kollektiven Aktion heimlich und unter großer Gefahr im Lager Auschwitz-Birkenau aufgenommen hat. Die Fotos wurden aus dem Lager geschmuggelt, tauchten jedoch erst nach dem Ende des Kriegs in Krakau auf. Sie waren in großer Eile aufgenommen, zwei durch die Tür des Krematoriums V hindurch. Auf zwei der schwarzweißen Fotos sind Leichen zu sehen, die auf dem Verbrennungsplatz vor der Gaskammer des Krematoriums V verbrannt werden, man sieht Rauch und sechs beziehungsweise acht Männer, ein paar schleifen die Leichen in Richtung Feuer. Auf dem dritten Foto sieht man mehrere laufende nackte Frauen vor einem Wäldchen, sie sind auf dem Weg in die Gaskammer, zwei Frauen heben sich vorn vor der Menschengruppe ab, die anderen sind nur undeutlich zu erkennen. Auf dem vierten Bild sieht man nur ein paar dunkle Äste und etwas Himmel. Das Besondere dieser vier Fotos ist, dass es die einzigen bekannten Fotografien sind, die KZ-Häftlinge in Auschwitz selbst gemacht haben, und dass es die einzigen Fotos sind, auf denen zu sehen ist, wie KZ-Opfer verbrannt werden. Sie gelten als Akt des Widerstands und gehören zu den wichtigsten fotografischen Zeugnissen der Shoah.

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