• Warum die Vergangenheitsdebatte immer noch explodiert

    Die Debatte um die öffentliche Erinnerung in Deutschland geht Woche für Woche in die nächste Runde. »Warum jetzt?« habe ich in meinem Beitrag für den Merkur im August gefragt. Warum intensiviert sich die Diskussion über koloniale Erinnerung in Deutschland gerade heute, wie lässt sich die Heftigkeit der Debatte erklären? Ich habe argumentiert, dass wir heute am Übergang von zwei Erinnerungsregimes stehen: Das historische Narrativ der Nachkriegszeit (Erinnerung I, mit Schwerpunkt auf dem Holocaust), das von der Zeit des Kalten Kriegs geprägt war, wird gegenwärtig durch einen veränderten Erfahrungshaushalt in der globalisierten Gegenwart ergänzt (Erinnerung II, mit Schwerpunkt auf Kolonialismus). Martin Schulze Wessel hat nun, ebenfalls im Merkur, eine kritische Replik auf meinen Aufsatz verfasst.1

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  • Erinnerung im globalen Zeitalter: Warum die Vergangenheitsdebatte gerade explodiert

    Geschichte lebt wieder in Deutschland, ist präsent im öffentlichen Raum wie lange nicht mehr. Konflikte und polemische Debatten überall: das Humboldt-Forum und koloniale Beutekunst; die Umbenennung der M-Straße; einhundertfünfzig Jahre Deutsches Kaiserreich; Achille Mbembe, Holocaust und Kolonialismus, die Deutschen mit »Nazihintergrund« und nicht zu vergessen die Machenschaften der Hohenzollern. So unterschiedlich die Debatten im Einzelnen sind, immer wird dabei die Deutung der NS-Zeit oder des Kolonialismus mitverhandelt; häufiger sogar beides. Kein Tag, an dem das Feuilleton nicht bebt, die Twitter-Sphäre ohnehin. Die Dinge, um die es geht, liegen alle lange zurück, sehr lange; manche waren beinahe vergessen. Jetzt sind die Diskussionen gleichwohl so heftig, als ginge es um alles. Warum regen sich gerade alle so auf? (mehr …)