• Landschaft mit Windrädern

    Das Schwarzwalddorf, in dem ich aufwuchs, zählte etwa zweihundert Einwohner. Es gab dort ein Hotel, zwei Gasthöfe, einen Tante-Emma-Laden und ein Postamt. Dienstags parkte die »fahrende Volksbank« ihren mobilen Schalterraum in der Dorfmitte, mittwochs hatte die Sparkasse ihren Kassenraum geöffnet. Im Schulhaus wurden die ersten beiden Klassen gemeinsam von der Dorflehrerin unterrichtet, im Rathaus daneben tagte der Bürgermeister mit acht Gemeinderäten. Seit den prosperierenden siebziger Jahren wurde gebaut: Geräteräume für Feuerwehr und Weidegemeinschaft, später ein Gemeindehaus mit einem Veranstaltungssaal und einem Leseraum für die Feriengäste. In jedem Stall standen ein paar Kühe, an sonnigen Sommertagen sah man auf beiden Seiten des Tals Traktoren mit Mähmaschinen oder Ladewagen ihre Bahnen ziehen. Zum Leben reichte die Landwirtschaft allerdings schon lange nicht mehr, deshalb arbeiteten die Männer auf dem Bau, als Lkw- oder Busfahrer, während sich die Frauen zu Hause um Kinder und Feriengäste kümmerten. Wie viele andere Höfe boten auch wir »Zimmer mit Frühstück« an. Die Gäste kamen in den Sommerferien mit dem vollgepackten Familienauto aus dem Ruhrgebiet, blieben drei Wochen und unternahmen Ausflüge und Wanderungen in der näheren Umgebung. (mehr …)