• »Das habe ich erst einmal in den deep freezer getan«. Nachlassfragen bei Max Frisch

    Max Frisch besaß ein ausgeprägtes Nachlassbewusstsein. Natürlich kann es ein wenig befremdlich wirken, wenn jemand schon zu Lebzeiten ganz gezielt das eigene literarische Nachleben zu regeln versucht, doch in seinem Fall war es begründet: Max Frisch wusste genau, dass sein Nachlass nicht bloß aus Vorstufen seiner veröffentlichten Werke oder aus verstreuten Notizen oder aus sachlichen Briefwechseln mit bedeutenden Persönlichkeiten der Zeitgeschichte bestand – das alles auch –, sondern dass darin zwei der legendenumwobensten Textkonvolute der neueren deutschsprachigen Literatur schlummerten: das Berliner Journal aus den siebziger Jahren in der Tradition seiner berühmten Tagebücher und der Briefwechsel mit Ingeborg Bachmann, die offene Wunde der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, bis heute. Max Frisch selbst hat die Legende um diese beiden Konvolute kräftig befördert, indem er zum Beispiel in Interviews darauf anspielte und verklärende Hinweise gab. Aber er hat auch dafür gesorgt, dass die heißen Eisen in professionelle Hände gelangen, wenn er eines Tages nicht mehr am Leben sein würde. (mehr …)