• Das Zeitalter der Pandemien: Von der Cholera zu Covid-19

    Am 23. Juli 1851 trafen sich Vertreter von zwölf europäischen Staaten in Paris zur ersten internationalen Gesundheitskonferenz. Das war der Beginn der modernen internationalen Gesundheitspolitik. Erstmals nämlich traten Mediziner neben Diplomaten als offizielle Repräsentanten ihrer Regierungen auf, und durch die von der Pariser Zusammenkunft begründete Tradition solcher Konferenzen wurde die öffentliche Gesundheitsfürsorge als Thema in den internationalen Beziehungen verankert. Dabei ging es den anwesenden Herrschaften in der Regel darum, Europa vor Gefahren aus anderen Teilen der Welt zu schützen. Vor allem die Cholera dominierte den europäischen Vorstellungshorizont, seitdem sich die Krankheit zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstmals vom indischen Subkontinent aus um den Erdball verbreitet hatte. In Europa war die Cholera forthin als »asiatische« oder »indische Krankheit« verschrien. Den letzten verheerenden Ausbruch im Westen erlebte im Sommer 1892 Hamburg: Innerhalb von Wochen erkrankten 17 000 Menschen in der Hansestadt, mehr als 8000 von ihnen erlagen der Seuche.1 (mehr …)