• Das Blut der Anderen. Der Volcker-Schock und die Folgen

    Wollte man einen Film über den Neoliberalismus drehen: Paul Volcker müsste darin eine Hauptrolle spielen. Als Präsident der US-Notenbank Fed in den Jahren 1979 bis 1987 war Volcker der mächtigste Zentralbanker der Welt. In diese Jahre fällt die Niederlage der Industriearbeiterbewegung in Großbritannien und den Vereinigten Staaten; in der »Dritten Welt« sind in dieser Zeit Schuldenkrisen explodiert. Beides hat mit Volcker zu tun. Am 6. Oktober 1979 verkündete er nach einem außerplanmäßigen Treffen des Open Market Committee der Notenbank, dass er mit der Begrenzung des Wachstums der nationalen Geldmenge beginnen werde. Dies würde er durch die Begrenzung des Wachstums von Bankreserven erreichen, die die Fed durch An- und Verkäufe von Staatsanleihen an Mitgliedsbanken beeinflussen kann. Wenn das Geld knapper würde, müssten die Banken die Zinsen erhöhen und so die Liquidität in der Gesamtökonomie verringern. Obgleich die Zinsen das Ergebnis der Fed-Politik waren, konnte Volcker, indem er auf die Geldmenge zielte, den Eindruck vermeiden, die Zinsen direkt zu erhöhen. Das Experiment – der sogenannte Volcker-Schock – dauerte bis 1982, es führte zur bis heute schlimmsten Arbeitslosigkeit seit der Großen Depression und beendete schließlich die Inflation, die die Weltökonomie seit den späten sechziger Jahren geplagt hatte.

    (Der Essay ist im Juliheft 2019, Merkur # 842, erschienen.)

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