• Die Entstehungsgeschichte von Edward Saids „Orientalismus“

    Edward Saids Orientalismus ist schon lange ein akademischer Klassiker. Als die englische Originalausgabe 1978 bei Pantheon Books in New York erschien, war die große Resonanz, auf die es stoßen sollte, allerdings nicht ansatzweise abzusehen. Das Buch beginnt mit einem krassen Schwenk über die im Bürgerkrieg ausgebrannte Architektur der Altstadt Beiruts. Daran schließt sich ein Exkurs über die Geschichte einer obskuren akademischen Disziplin aus der Zeit der Romantik an. Die Kapitel springen von der Literatur des 19. Jahrhunderts über die opera buffa des Medienbetriebs der Vereinigten Staaten zu den üblen Machenschaften von Henry Kissinger. Wer noch nie etwas von Said gelesen hatte und nicht vertraut war mit den Schriften des Historikers William Appleman Williams über das Empire als »a way of life« oder auch mit der Dichtung von Lamartine, den musste die Auswahl der Quellen verwirren oder gar überfordern. Die eine Hälfte der Philologen und Historiker, deren Urteile über den Erfolg des Buches entschieden, sah in dem Buch einen Triumph der Wissenschaft, die andere empfand es als Skandal – niemand aber konnte es einfach ignorieren. (mehr …)