• Eine kleine Geschichte der Nostalgie

    Retromania: Pop Culture’s Addiction to Its Own Past lautet die kritische Diagnose von Simon Reynolds aus dem Jahr 2011, der erklärt, dass sich die Nullerjahre, anstatt eigenes und Neues hervorzubringen, in Revival, Recycling und Remake erschöpft hätten. Retrotopia nennt Zygmunt Bauman dieses Phänomen ins Politische gewendet: die Phase des Rückbezugs und (politischen) Rückschritts, die auf eine Phase progressiver Zukunftszugewandtheit gefolgt sei. In dem kurz vor seinem Tod fertiggestellten Buch schreibt Bauman, dass wir in einem »Zeitalter der Nostalgie« leben. 2018 spitzt Isolde Charim im Anschluss an Bauman zu: Wir erleben eine durchaus kombattante Form der nostalgischen Sehnsucht, die sich »mit Zäunen, mit Mauern und Stacheldraht« der Veränderung entgegenstellt. Der mittlerweile selbst schon mehrfach in Mode gekommene Begriff der Nostalgie geht auf die griechischen Worte für Heimkehr (»nostos«) und Schmerz (»algos«) zurück und bedeutet im Deutschen bis zu den 1970er Jahren vor allem ein räumlich verstandenes Heimweh.  (mehr …)