Eckhard Henscheid

Eckhard Henscheid im Merkur

Eckhard Henscheid (geb. 1941) ist ein deutscher Schriftsteller und Satiriker. Henscheid gehört zu den Mitgliedern der Neuen Frankfurter Schule um die Satiremagazine pardon und Titanic, hat Romane (Trilogie des laufenden Schwachsinns, Dolce Madonna Bionda) und Erzählungen geschrieben, und Texte über die Oper, der seine große Liebe gilt.

Eckhard Henscheid gab sein Merkur-Debüt 1981, mit einer Rezension zu einer Biografie über Giuseppe Verdi – die er leider, und gerade als Kenner und Fan des Komponisten, verreißen muss. Mit Invektiven, deren unbestrittener Meister er ist, hält er sich dabei noch ziemlich zurück. Etwas anders sieht das schon aus mit dem drei Jahre später (Heft 428, Juni 1984) – also zu Beginn der Bohrer-Ära – erschienenen Text. „Literatur. Eine Kolumne“ steht darüber, was naturgemäß erwarten lässt, es würden weitere folgen. Tun sie jedoch nicht. In der ersten und letzten geht es gegen eine neue Svevo-Ausgabe, gegen Wolfgang Koeppen, gegen Peter Weiss; gefeiert werden dafür Brigitte Kronauer und Ror Wolf. Gegen den "verkommenen" Literaturbetrieb wettert Henscheid im Essay „Literaturpreise oder Aus der Welt der Obszönität“ (Heft 443, Januar 1986), der sich keineswegs auf die Kritik an Literaturpreisen beschränkt: Listen aller Art geraten ebenso ins Visier. Unter der Überschrift „Ein gentiler Herr“ wird sodann (Heft 465, November 1987) Ror Wolf noch einmal gesondert gefeiert. Der Besprechung des Briefwechsels zwischen Giuseppe Verdi und Arrigo Boito (Heft 468, Februar 1988) kommt Henscheids sehr weit reichende Kenntnis des Gegenstands zugute. Danach kurze Pause, im Juli 1991 gibt dann der Prosaschriftsteller Henscheid unter dem Titel „Kleine Todesprosa“ seinen Merkur-Einstand. Dabei bleibt es dann allerdings auch, es folgt noch die Invektiven-Suada gegen die "steindumme" Gattung Kabarett „Literatur – Kabarett 10 : 0“ (Heft 548, November 1994). Im Februar 1996 geht es gegen „die neue Schamlosigkeit“ (von Leuten wie Ulrich Wickert oder Friedrich Schorlemmer), und damit ist es mit Eckhard Henscheid und dem Merkur, warum auch immer, vorbei.


8 Artikel von Eckhard Henscheid

Vom Opernsüden nichts Belangvolles. Zur Verdi-Biographie von Jacques Bourgeois

»Von einem hervorragenden Kenner«, schreibt der Hoffmann und Campe Verlag in seinen Anzeigentexten, »wird hier dem Musikliebhaber zum ersten mal eine umfassende Darstellung des Gesamtwerks, des Lebens und der Persönlichkeit von Giuseppe Verdi geboten.« (Jacques Bourgeois, Giuseppe Verdi. Eine Biographie. Hamburg: Hoffmann und Campe1980.) Dies ist ein mehrfacher − und fürs Ganze symptomatischer − Schwindel. (… lesen)

Heft 395, April 1981

Literaturpreise oder Aus der Welt der Obszönität

Vor fünfzehn Jahren, vor dem Hintergrund der Studenten- und der allseits wirksamen und das ideologiekritische Empfinden schärfenden antiautoritären Bewegung, veranstaltete die Zeitschrift pardon eine kleine Umfrage unter deutschen Schriftstellern: »Sind Literaturpreise obszön?« Die Mehrzahl der Befragten sagte jein; war nicht grundsätzlich gegen sie, hegte aber doch starke Reserven. Peter Härtling war prinzipiell fürs Abschaffen. Heute, (… lesen)

Heft 443, Januar 1986

Lieber Maestro − lieber Boito. Verdis Briefwechsel mit seinem Librettisten

Wer von diesem rund 300 Briefe starken Briefwechsel »schöne Stellen« erwartet; kunsttestamentarische Erlasse, wie es sie immerhin im Dutzend in Mozarts Briefen gibt; quasi belletristische Partien, die dem Abendrotglanz der gemeinsam erarbeiteten Spätopern adäquat aufleuchten: der mag ziemlich enttäuscht sein, der wird weiterhin zu der aber auch meist nicht gerade verdisch-belkantistisch formulierenden Sekundärliteratur greifen oder (… lesen)

Heft 468, Februar 1988

Literatur. Kabarett 10.0 − Nahezu persönliche Anmerkungen zu einer recht obsoleten, ja ziemlich steindummen Gattung

Dieses Gesocks, das sich für etwas Geld noch vor jede TV-Linse hockt und unter Namen wie Hans Scheibner, Helmut Ruge oder auch − unglaublich, aber noch eine Etage drunter − Gabi Lodermeier (jawohl, so heißt sie wirklich) sein verbales Gehampel, sein deprimierendes Doppelsinn- und Wortspielgekasper, seine kracherbsenscharfen Schüsse aus der Wortkanone (so eine einschlägige Kolumne (… lesen)

Heft 548, November 1994