Werner Helwig im Merkur

Werner Helwig (geb. 1905-1985) war ein deutscher Schriftsteller und Liedermacher. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde er mit dem Roman "Raubfischer in Hellas" (1939. Das Buch wurde 1959 verfilmt und ist seit 2016 im Programm des Fischer Verlags. Helwig lebte ab 1949 in Genf, neben seinen literarischen Arbeiten veröffentlichte er unzählige Essays, Rezensionen und Feuilletons in deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften.

Werner Helwig war als Autor so vielseitig wie produktiv, für den Merkur hat er zwischen 1953 und 1983 insgesamt 44 Beiträge verfasst. Die weitaus meisten davon sind Rezensionen. Helwigs Texte verraten allesamt staunenswerte Belesenheit und Wissbegier und tragen die Signatur einer routiniert betriebenen Textwerkstatt.

Lesenswert ist seine kenntnisreiche Annäherung an Person und Werk des Schriftstellers Knut Hamsun, zu dem er als 18-Jähriger während einer abenteuerlichen Skandinavienreise im Jahr 1923 gepilgert war („Knut Hamsuns ‚Pan‘. Versuch einer Erfassung“, Heft 375, August 1979). Frisch liest sich auch noch immer Helwigs lebendige Schilderung seiner Japanreise („Japanisches Skizzenbuch“, Heft 249, Januar 1969), die mit dem entwaffnenden Satz beginnt: „Jeder, der zum ersten Mal in Japan war, glaubt Rechenschaft über seine Eindrücke ablegen zu müssen.“

Von den vielen Rezension Helwigs sind vor allem diejenigen interessant, bei denen er auf Erfahrungen rekurriert, die er als junger Mann im Milieu der Jugendbewegung auf dem Hunsrück machte. Das gilt z.B. für „Die ‚Jugendbewegung‘ in ihrem Widerspruch“ (Heft 163, März 1964), seine Besprechung einer Sammlung von Grundschriften der Deutschen Jugendbewegung, bei der ihm die Heterogenität der Positionen ebenso bemerkenswert erscheint wie „die vollkommene Abwesenheit von spiritueller Heiterkeit“. In dem späten Essay „Waldzerfall und Kunstgefälle“ (Heft 380, Januar 1980), kann man nachverfolgen, wie groß die Resonanz der ökologischen Krisendiskurse der späten 70er Jahre in Helwigs Generation Helwigs waren.


43 Artikel von Werner Helwig

Polnisches Schrifttum in dieser Zeit

Das slawische Erzählertum hat in einigen seiner bedeutenden Repräsentanten eine bukolische Naivität hervorgebracht, die aus der jahrhundertelangen mündlichen Erzählertradition des Ostens stammt. Auf dem Umweg über höchste literarisch-intellektuelle Bewußtheit wurde sie wieder angestrebt und feierte dort Triumphe, wo ihr das entscheidend gelang. Das gilt zum Teil auch für die polnische Dichtung unserer Zeit. Reymonts »Bauern« (… lesen)

Heft 140, Oktober 1959

Ein Buch der Selbstversöhnung. Zu Ernst Jüngers Erzählung »Die Zwille«

Die Bilder, Bücher, Dinge, die einer sammle, gäben Auskunft über den Charakter ihres Eigners, meinte Theodor Däubler, Poet und Kunstinterpret in den Zwanzigerjahren. Aus ihnen ergäbe sich das Geheimporträt des Hausherrn, fügte er hinzu. Mir scheint, man könnte Einwände dazu geltend machen. So den, daß die Gemäldekollektion eines Protzen etwas mit gesicherter Kapitalanlage zu tun (… lesen)

Heft 301, Juni 1973

Demeter mit der Peitsche

Zweifellos ist das universale Zusammenhangsgeflecht, das der Surrealismus bildet, in seiner Strahlungsintensität noch längst nicht erschöpft. Diese scheint vielmehr zuzunehmen. Die vom Surrealismus in unserem Jahrhundert zuerst neu inthronisierten Apokalypse-Dämonen sind Allgemeinbesitz des modischen Schrifttums geworden. Die Blumen des Bösen werden fleißig begossen. Und während wir eben noch beschämt und selbstanklägerisch über Nazi-Scheußlichkeiten verweilen, wie (… lesen)

Heft 233, August 1967