Februarheft 1996, Merkur # 563

Die neue Schamlosigkeit. Zu einem kulturellen Phänomen

von Eckhard Henscheid
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»Alles ist erlaubt.« Nietzsche

»Übrigens waren sie alle etwas unsicher in der Beurteilung ihrer Macht: und ob ihnen denn jetzt auch wirklich alles oder nur manches erlaubt war.« Dostojewski, Der Idiot

Es hat in den letzten Jahren, zumal innerhalb des letzten Jahres, die allgemeine und öffentliche Schamlosigkeit zumal in Kulturangelegenheiten und unmittelbar oder mittelbar verwandten Belangen einen Grad, einen Rang erklommen, welche mählich, nein zügig beeindruckend, ja erregend werden: Da schreiben, drucken und vertreiben ausgerechnet die beiden national und medial führenden Obereinheimser U. Wickert und F. Schorlemmer ein Buch nach dem anderen, in dem sie sich ausgerechnet für »Werte«, »Moral« und neue »Tugend« einsetzen und daß es schleunigst damit aufhören muß, daß der »Ehrliche« immer der »Dumme« sei; akkurat wofür insbesondere Wickerts vom Fernsehen her bekannter Kopf fast ohne zuzwinkern von seinen dummen und ehrlichen Lesern unter Brüdern Millionen einstreicht, zuletzt für ein verlängertes Vorwort.


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