Februarheft 1959, Merkur # 132

Gedichte. Ode an niemand

von Hans Magnus Enzensberger
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dein rauchiges herz ist zeuge,

einziger könig, im wind

dein auge aus trauer.

du bist der gesell des zaubers,

erleuchtet von vielen wüsten,

vom ungehorsam gekrönt.

du bist nicht gemodelt von zeit,

noch gesprenkelt von asche

ist deine getreue stirn.

du bist ein geist ohne narbe,

deine dünung ist feierlich,

du warst vordem, vollkommner

als der große schwebende rochen,

gesalbter, in deinem glanz,

todes quitt, könig.

 

aber du bist nicht fern und früh

oder spät. du bist hier.

dein gerechter blick fällt hin

wie ein schnee aus luft

und wohnt auf den werften,

geht über sternwarten weg

in staubige fundbüros, ruht

in nassen zementkellern,

wo die mörder jauchen, fällt

auf thrombosen und lunten,

schlachthöfe schmatzend

und wirre raffinerien,


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