Septemberheft 1956, Merkur # 103

Gedichte

von Hans Magnus Enzensberger
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schläferung

laß mich heut nacht in der gitarre schlafen

in der verwunderten gitarre der nacht

laß mich ruhn

im zerbrochenen holz

laß meine hände schlafen

auf ihren saiten

meine verwunderien hände

laß schlafen

das süße holz

laß meine saiten

laß die nacht

auf den vergessenen griffen ruhn

meine zerbrochenen hände

laß schlafen

auf den süßen saiten

im verwunderten holz

 

anrufung des fisches

schwimmst du nachts mit flatternden kiemen

durch den entenfluß der erinnerung

schachtelhalmwälder und kies

schwarzer triefender fels

und schwebender algenwald

und schlafender taschenkrebs

dessen fühler ein grundwirbel taumeln macht

einmal im jahr oder in der sekunde

läuft all das wieder durch flalternde kiemen

ununterschiedene tropfen


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