Februarheft 1974, Merkur # 309

Mystifikation der Impotenz

von Werner Helwig
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Wenn man von persönlichen Bekenntnissen Salvador Dalís absieht, wie er sie bei Begegnungen in Form von Gags von sich zu geben liebt − »Ich bin kein Christ... ich bin Katholik«, oder: »Der Marxismus kann nie gestürzt werden... weil er so flach ist« −, wurde bisher nicht eben viel Mündliches von ihm überliefert. Die Aufzeichnungen von Louis Pauwels über Gespräche mit ihm, lassen offen, was dabei auf Pauwels selbst entfällt. Eine begrüßenswerte Veröffentlichung der zusammengefaßten theoretischen Texte des Meisters vom Antennenschnurrbart edierte kürzlich der rührige Rogner & Bernhard Verlag. Dann gibt es seit 1968 bei Desch »Dalí sagt... Tagebuch eines Genies«, das − von Michel Deon aus dem Dalífranzösisch in ein lesbareres übergeleitet, von Hedda Soellner ins Deutsche übertragen − einiges über die Arbeitsmanien (Dalí ist ja ein unermüdlicher, kaum vorstellbar fleißiger Hervorbringer), aber auch Texte seiner Reden − z.B. das berühmt gewordene Blumenkohl-Nashorn-Referat an der Sorbonne − ungekürzt vorstellt. 30 Dalífotos sorgen für den Kontakt mit der stilisierten Wirklichkeit dieses höchstlebendigen Monuments seiner selbst.


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