Oktoberheft 1962, Merkur # 176

Zum Verhältnis von Existenz und Dichtung. Zu Richard Ellmanns Joyce-Biographie

von Werner Helwig
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Der am 2. Februar 1882 zu Dublin in Irland als 13. Kind einer Kleinbürgerfamilie geborene und 1941 in Zürich gestorbene und begrabene James Joyce war zweifellos der größte Abenteurer der Weltliteratur. Dieser Titel ist zuvor noch nie vergeben worden, und wenn, dann mit geringerem Recht. Joyce gehört als »Wassermann« einer illustren Gesellschaft von Geistern zu, denen, wie z. B. auch Bert Brecht oder C.G. Jung, die Absicht einer Instrumentierung des Kosmischen innerhalb des Irdischen zur größten − im Falle Mozarts: zur schönsten − Versuchung geworden ist. Der Regentschaft des Uranus unterworfen, sind sie idealistisch in ihrem positiven, exaltiert in ihrem negativen Aspekt. Für den Iren überwog das letztere, emporgetrieben durch die Nationaleigenschaft seines Volkes − der Übertreibungssucht, die sich in geistigen Rängen zu Humor, Ironie, spitzfindiger Spottsucht, aus Melancholie resultierender Skepsis verfeinert. Das sind Eigenschaften, die den irischen Schriftsteller häufig auszeichnen, wie wir dank der vorzüglichen »Irischen Bibliothek« des Zürcher Diogenes-Verlages erstaunt, amüsiert und tief gefesselt feststellen können. Irland, das wäre also nicht nur die etwas zu edel stilisierte Mythik und Mystik des großen William B. Yeats.


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