Kathrin Passig schreibt Essays, aber auch Sachbücher, gerne im Team, zum Beispiel mit Sascha Lobo (Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin) oder Aleks Scholz (Lexikon des Unwissens). Bei ihrem einzigen größeren Ausflug in die Fiktion hat sie aber auch schon mal den Bachmannpreis gewonnen. Sie ist Übersetzerin, öfter im Team mit Gerhard Henschel. Sie hat für das legendäre Online-Forum Höfliche Paparazzi geschrieben und war eine Gründerin der Zentralen Intelligenz Agentur. 2014 hat sie das Techniktagebuch miterfunden. 2016 bekam sie von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay.

Merkur-Autorin ist Kathrin Passig seit 2007. In ihren zwischen 2009 und 2012 veröffentlichten sechs Internet-Kolumnen – die dann gesammelt unter dem Titel Standardsituationen der Technologiekritik als Band in der edition suhrkamp erschienen – geht es im Kern darum, wie wir als Nutzer mit dem Netz umgehen, uns darin bewegen. Passig ist das Gegenteil einer Apokalyptikerin, sie schreibt sachlich, klar, verständlich, ironisch; ihre Methode ist die ihrerseits nie pauschale, sondern genau recherchierte Abwehr pauschaler Kritik an Erscheinungen im Internet, die sich oft genug als weniger neu und auch weniger netzspezifisch erweisen, als gerade die Kritiker denken.

Kathrin Passig im Merkur

50 Jahre Black Box gratis

von Kathrin Passig | Merkur, Nr. 823, Dezember 2017

2012 schrieb ich in der Süddeutschen Zeitung über das Trendthema Algorithmenkritik und erwähnte darin einen Artikel über den Netflix Prize, der vier Jahre zuvor in der New York Times erschienen war.1 Darin hieß es, die Empfehlungsalgorithmen für Filme würden zwar immer besser, aber auch immer unverständlicher, nicht nur für die  (…lesen)

Schlamm und Brei und Bits gratis

von Kathrin Passig und Aleks Scholz | Merkur, Nr. 798, November 2017

Seit ein paar Jahren wird die Welt digital. Oder zumindest scheint es so. Alles digitalisiert sich, Bücher, Fernsehen, Arbeit, Autos, Strom, Telefon, Politik, sogar Radio. Wie jede große Veränderung wird die Digitalisierung entweder als Weltrettung gefeiert oder als Weltuntergang verdammt. Die Auswirkungen der Digitalisierung (…lesen)

Die Wir-Verwirrung

von Kathrin Passig | Merkur, Nr. 773, Oktober 2013

»Alle schreiben so furchtbar viel Unfug bei Facebook und bei Twitter«, muss man oft von Menschen hören oder lesen, die gar nicht so neu im Internet sind. »Aber du hast dir die Leute doch ausgesucht, denen du da folgst«, sage ich dann, »in meinem Internet stehen lauter intelligente und interessante Dinge.« Das lässt mich klug und (…lesen)

Internetkolumne – Unsere Daten, unser Leben

von Kathrin Passig | Merkur, Nr. 756, Mai 2012

Auf Beipackzetteln von Medikamenten ist genau definiert, was der Hersteller mit »sehr häufig«, »häufig«, »gelegentlich«, »selten« und »sehr selten« auftretenden Nebenwirkungen meint. »Sehr häufig« sind Nebenwirkungen, die bei mehr als einem von zehn Behandelten auftreten, sehr seltene werden bei weniger als einem von 10 000 beobachtet. (…lesen)

Internetkolumne – Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel Pause

von Kathrin Passig | Merkur, Nr. 751, Dezember 2011

Wenn dieser Text erscheint, wird man ihn zwar im Netz lesen, aber nicht kommentieren können. Sie können sich darüber bei mir beklagen, ich sage dann: »Das ist eben so beim Merkur, ich würde es auch gern ändern.« Das ist gelogen. Ich finde es insgeheim ganz gut so. Wenn jemand nach dem Grund fragt, gebe ich gern an, bei Printerzeugnissen (…lesen)

Internetkolumne – Sümpfe und Salons

von Kathrin Passig | Merkur, Nr. 744, Mai 2011

»Jedem, der wachen Auges durch das Internet streift, ist die antiintellektuelle Hetze in den Kommentaren vertraut, die sich gegen angeblich Sperriges richtet, gegen kühne Gedanken, gegen Bildung überhaupt. Man lese nur jene höhnischen Nutzerbeiträge, die sich als Wurmfortsatz unter einem typischen Feuilletonartikel finden.« So schrieb Adam (…lesen)

Internetkolumne – Das Buch als Geldbäumchen

von Kathrin Passig | Merkur, Nr. 739, Dezember 2010

Ich war der beste Freund der Buchbranche. In meiner Kindheit herrschte Büchernot − die Stadtbücherei war nur mit dem Auto zu erreichen, alle zwei Wochen brachte man mich hin, aus pädagogischen Gründen durfte ich nicht mehr als vierzehn Bücher entleihen. Später lieh ich nicht mehr gern, ich kaufte lieber, und ich kaufte viel. Wenn ich es (…lesen)

Internetkolumne – Abschied vom Besten

von Kathrin Passig | Merkur, Nr. 732, Mai 2010

»Das meiste, was auf Twitter kursiert, ist belangloses Geschnatter von zweifelhaftem Erkenntniswert«, konstatierte ein Spiegel-Online-Journalist 2009 im Gespräch mit Twitter-Gründer Evan Williams. Dass das richtig, aber nicht weiter erkenntnisbefördernd ist, hatte der Science-Fiction-Autor Theodore Sturgeon schon 1958 erkannt: »Neunzig (…lesen)

Militär und Dekadenz

von Kathrin Passig | Merkur, Nr. 700, August 2007

Als Samuel Johnson 1773, 27 Jahre nach der Schlacht von Culloden, durch Schottland reiste, fragte er sich sorgenvoll, ob Länder wirklich gut daran tun, sich ganz und gar dem Handel und dem Streben nach Glück zuzuwenden, oder ob man nicht wenigstens »in einem Teil des Reichs den kriegerischen Geist bewahren« sollte. Nun waren schon die (…lesen)