• Warum im deutschen Wahlsystem die Städte überrepräsentiert sind

    Einmal mehr hat die amerikanische Präsidentschaftswahl im vergangenen November den tiefen Stadt-Land-Graben offengelegt, der das politische System der Vereinigten Staaten durchzieht. Dieser Graben prägt nicht bloß das Verhalten der Wähler – Städter wählen demokratisch, Landbewohner die Republikaner –, sondern ist tief in den politischen Institutionen des Landes verankert. So hing der Sieg Joe Bidens trotz eines landesweiten Vorsprungs von mehr als sieben Millionen Stimmen an wenigen zehntausend Stimmen in einzelnen Staaten, weil die geografische Verteilung der republikanischen Wähler ihnen im Electoral College einen erheblichen Vorteil verschafft. Noch viel ausgeprägter ist dieser Effekt im Senat: Hier kann sich Biden nur auf die knappste denkbare Mehrheit, die ein Patt brechende Stimme der Vizepräsidentin, stützen, weil dünnbesiedelte Staaten wie Wyoming ebenso zwei Senatoren stellen wie die urbanen Staaten an den Küsten. Städte sind im politischen System der USA strukturell benachteiligt. (mehr …)

  • Metropole des Populismus – Berlin als Totem der Elitenkritik

    Populisten erheben den Anspruch, das »wahre« Volk – the real people – zu vertreten, das bei einer abgehobenen Elite immer weniger Gehör finde. Eine der wesentlichen Voraussetzungen für ihren politischen Erfolg ist deshalb, dass es ihnen gelingt, einen Gegensatz zwischen Volk und Elite zu konstruieren. Dabei stehen sie vor zwei Herausforderungen. Zunächst einmal müssen sie einen Begriff davon entwickeln, wer zum »Volk« gehört und wer nicht. In den Worten Jan-Werner Müllers: Sie benötigen Strategien, »das wahre Volk« aus der Gesamtheit der Bürger »herauszupräparieren«. (mehr …)