Hannes Bajohr im Merkur

8 Artikel von Hannes Bajohr

Wer die Sprachmodelle beherrscht, beherrscht auch die Politik

Die Welt Künstlicher Intelligenz denkt groß und zugleich simpel, und zwar von Anfang an. Als im Sommer 1956 am Dartmouth College jener Workshop stattfand, der den Begriff und das Feld der Artificial Intelligence ins Leben rief, lautete die selbstgesetzte Aufgabe, herauszufinden, »wie man Maschinen dazu bringen kann, Sprache zu verwenden, Abstraktionen und Begriffe zu formen, Probleme zu lösen, die bisher Menschen vorbehalten sind, und sich selbst zu verbessern«.1 Angesetzte Arbeitszeit: zwei Monate. Fast

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Keine Experimente

Daniel Kehlmann hat kein Buch mit einer Künstlichen Intelligenz geschrieben; darüber hat er jetzt ein Buch geschrieben.1 In Mein Algorithmus und ich – es ist die Druckfassung seiner Anfang 2021 gehaltenen »Stuttgarter Zukunftsrede« – reist Kehlmann nach Palo Alto, wo er bei einem Startup Zugang zu einem KI-System bekommt, dem Sprachmodell CTRL. Im Dialog mit ihm will er erproben, ob mit KI Literatur zu machen ist. Kehlmann zeigt sich enttäuscht.

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Dumme Bedeutung

Künstliche Intelligenz und artifizielle Semantik Im Juni 2022 wurde der Google-Ingenieur Blake Lemoine von seinem Arbeitgeber auf unbestimmte Zeit freigestellt, weil er meinte, die Künstliche Intelligenz, an deren Testphase er mitarbeitete, verfüge über Bewusstsein.1 Das Chatbot-System LAMDA (Language Model for Dialogue Applications) habe ihn in langen Gesprächen davon überzeugt, dass es die Intelligenz eines hochbegabten Achtjährigen besitze, und darum gebeten, als Person mit Rechten betrachtet zu werden.2

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Gebrochene Kontinuität

Neues über Hans Blumenbergs Werk »Ich glaube«, schrieb Siegfried Kracauer 1964 an den da bereits vierundvierzigjährigen Hans Blumenberg, »dass es nur logisch und sinngemäß ist, wenn Sie Ihre generellen Gedanken nicht so sehr direkt ausdrücken als sie in monographischen Studien bewähren und durchscheinen lassen. Das scheint mir eine Konsequenz dieser besonderen Gedanken selbst.«1 Das war wohl als Trost gedacht, denn immer wieder hatte Blumenberg mit dem Vorwurf zu kämpfen, zwar philosophiegeschichtlich immens

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