Johannes Franzen im Merkur

JOHANNES FRANZEN, geb. 1984, Literaturwissenschaft, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Siegen und Mannheim. 2024 erschien "Wut und Wertung. Warum wir über Geschmack streiten".

4 Artikel von Johannes Franzen

Der Schwindel der Kunstfreiheit

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Die Arbeit von Faschisten Im Winter 2017 schlug der Kunstkritiker Jonathan Jones im Guardian Alarm. Ein ungeheuerlicher Angriff auf die Kunst habe stattgefunden, der ihn an den »Islamischen Staat« erinnere, der zwei Jahre zuvor das Weltkulturerbe der antiken Stadt Palmyra in Schutt und Asche gelegt hatte. Für Jones waren eindeutig »Faschisten« am Werk. Geschehen war folgendes: Eine Online-Petition hatte gefordert, das Metropolitan Museum of Art solle das Gemälde Thérèse, träumend des französischen Malers

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Vergemeinschaftung des Stils?

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»Miyazaki würde euch Loser hassen« Ein Konflikt, der die moderne Kulturgeschichte stark geprägt hat, dreht sich um die Frage des ästhetischen Eigentums: Wem gehört das Werk? Der Literaturwissenschaftler Heinrich Bosse hat für den Streitgegenstand dieses Konflikts in den 1980er Jahren den Begriff der »Werkherrschaft« etabliert. Erst die vor allem urheberrechtliche Kontrolle über das Werk, die sich im Verlauf des 18. Jahrhunderts entwickelt hatte, bildet demnach die Voraussetzung einer individuellen

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Couch Guy

Das Jahr 2021 war für die meisten Menschen nicht leicht, aber für den Studenten Robert McCoy, besser bekannt unter dem Spitznamen »Couch Guy«, muss es besonders schwer gewesen sein. Am 21. September 2021 überraschte seine Freundin ihn an der University of Virginia mit einem Besuch. Das hätte ein normaler privater Moment sein können, aber wir leben in einer Zeit, in der jeder private Moment das Potential hat, digital vergesellschaftet, also zu einem Ereignis zu werden, an dem zahlreiche Menschen

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Das liebe Geld

Literatur und Autonomie-Ideologie Ein altes Sprichwort sagt: »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing« – damit ist die brutalste Grunderkenntnis der Kultursoziologie konzise zusammengefasst. Jemand muss für die Kunst bezahlen, und diese Tatsache hat Einfluss darauf, wie die Kunst am Ende aussieht. Das Sprichwort verweist auf die Zeit der Vormoderne, in der die Künstler von reichen, oft adligen Gönnern abhängig waren, die für ihr Geld als Gegenleistung erwarteten, dass die Kunst ihnen wohlgesonnen sein würde.

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