Beirut again and forever
von Mounir Zahran»Was glaubst du, werden sie jetzt den ganzen Süden nehmen?«
»Also… das ist ja… ihr müsst verstehen…«
Zwei junge Männer hören einem älteren Herrn im Flugzeug aufmerksam zu. Der Fluglärm verschluckt Teile seiner Sätze. Ich lehne mich leicht vor.
»Sieh dir doch mal die christlichen Orte an. Batrun, Jounieh, was weiß ich. Blitzeblank. Hast du jemals Müll auf den Straßen von Batrun gesehen? Niemals. Wieso können wir das nicht auch haben?«
»Das liegt doch auch an den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinden. Der Müll muss schließlich abgeholt werden.«
»Nein, nein. Die Leute sind schuld. Die Leute…«
»Nein, hör zu. Wenn sich Israel, Iran und Amerika jetzt bald einigen, dann werden wir wieder einen richtigen Staat haben.«
»Was hat das denn mit Müll zu tun?«
»Alles. Der Staat wird wieder funktionieren. Dann lernt die Bevölkerung das auch wieder. So einfach ist das.«
Ich bin über Pfingsten und das Opferfest nach Beirut geflogen. Meine Freundin fährt an einer Stelle in der Nähe ihrer Wohnung vorbei. Eine klaffende Lücke im dicht bebauten Viertel. Vor nicht einmal zwei Monaten stand hier noch ein Wohnhaus. Außer etwas Schutt und Müll ist nichts mehr übrig.
Am 8. April starben 357 Menschen. Hundert Luftangriffe. Ein Massaker, das keine zehn Minuten brauchte. Die Menschen Beiruts erlebten in diesen Minuten die größte Zerstörung seit dem Bürgerkrieg. Man taufte diesen Tag den »Schwarzen Mittwoch«. Ein weiterer Tag, der nun zusammen mit einer Reihe anderer schwarzer Tage Teil der Beiruter Erinnerungskultur geworden ist.