Eva Geulen im Merkur

8 Artikel von Eva Geulen

Literaturkolumne

H. P. Lovecraft: Seine Welten und ihre Fans Aus einer fiktionalen Geschichte kann ein quasi bewohnbares Universum eigenen Rechts werden, wenn die eine über sich hinaus in andere Geschichten drängt, insbesondere solche aus anderen Zeiten und mit anderen Wirklichkeiten. Aus Geschichten werden dann Schichten, die alle irgendwie zusammenhängen, sich aber in keinem einzelnen Erzählstrang erschöpfen. Fiktion ist paradoxerweise dann besonders fesselnd und glaubhaft, wenn eine Welt unter dem Druck einer anderen,

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Literaturkolumne

Poetry on Demand: Literatur und Dienstleistung Keller-Geheimnisse Ein Profi aus der Welt der Podcasts (junge Neffen der Tante Kolumne) empfahl jüngst, sich entweder früh in aktuelle Debatten zu stürzen oder sich bedeckt zu halten, bis man im Rückblick kluge Dinge gelassen von sich geben könne. Für Handkes Nobelpreis ist es damit definitiv zu früh und längst nicht klar, ob die Zeit kluger oder gelassener Rückblicke in diesem Fall je kommen wird, soll oder kann. Aber zu Gottfried Kellers jüngst verstrichenem

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Literaturkolumne

Altes und Neues aus den Literaturwissenschaften Zwei Herren stritten sich jüngst gepflegt. Meister ihres Faches (der Romanistik) alle beide, ging es einmal mehr um Herkunft und Zukunft der Geistes- und vor allem der Literaturwissenschaften. Den Aufschlag machte Hans Ulrich Gumbrecht in der NZZ vom 29. Oktober 2019. Der Bestandsaufnahme (sinkende Hörerzahlen, falsch verstandene Professionalisierung und moralisch überformte politische Korrektheit) folgte die Geschichtslektion: Die große Zeit der

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Bucklicht Männlein

Das Porträt bildet fast so etwas wie eine eigene Untergattung in Arendts Essayistik. Einige ihrer Studien über Einzelpersonen hat sie 1968, im selben Jahr, in dem ihr Benjamin-Text in drei Folgen im Merkur erschien, zu dem Buch Menschen in finsteren Zeiten versammelt – unter anderem über Rosa Luxemburg, Isak Dinesen, Hermann Broch, Martin Heidegger und Karl Jaspers –, in dessen deutsche Ausgabe dann auch der Benjamin-Essay Eingang fand.

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Professionalisierungsschicksale der Neuphilologien

Replik auf Erhard Schüttpelz und Thomas Steinfeld Kühne Erkenntnisse Es ist immer etwas Besonderes, wenn ein Einziger unter lauter verblendeten Trotteln sein Erstaunen darüber kundtut, dass der Kaiser ja gar nichts anhat. Kaiser ohne Kleider, das sind für Erhard Schüttpelz die am Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten neuphilologischen Lehrstühle und Institute, die sich rasch zu Fächern und Disziplinen weiterentwickelten. Aus Sicht der diese Initiativen scharf missbilligenden Philologie alter Schule handelte

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