Timo Luks im Merkur

5 Artikel von Timo Luks

Die Bewerbung

Kaum etwas ist uns heute so selbstverständlich wie die Anforderung, Bereitschaft, Erwartung, Fähigkeit, Notwendigkeit und Zumutung, sich zu bewerben. Obwohl es sich bei der Bewerbung offenkundig um eine fundamentale Kulturtechnik der modernen Arbeitsgesellschaft handelt, obwohl also mehr oder weniger alle Angehörigen dieser Gesellschaft über ein bestimmtes Maß an Bewerbungswissen und eine gewisse bewerbungspraktische Geübtheit verfügen (sollen und müssen), wurde ihrer Entstehung bisher kaum Aufmerksamkeit

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Brasilianische Interventionen

Über Avantgarde, Anthropologie und Anthropophagie Es ist noch nicht allzu lange her, da galt Brasilien hierzulande als sozial- und wirtschaftspolitisches, vielleicht sogar als kulturelles Gegenmodell zum neoliberalen Westen. Die brasilianische Partido dos Trabalhadores war so etwas wie the real social democracy des beginnenden 21. Jahrhunderts und Porto Alegre mit dem Weltsozialforum die inoffizielle Hauptstadt der gleichermaßen globalen wie globalisierungskritischen Linken. Das ist vorbei. Inzwischen

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Hexen und Leihmütter

Silvia Federicis Kapitalismustheorie Jede Theorie des Kapitalismus steht und fällt mit der Entscheidung, welche Aspekte seiner Geschichte sie ein- oder ausschließt. Im historischen Material, auf anekdotischem oder definitorischem Weg gewonnene Behauptungen der wesentlichen Merkmale des Kapitalismus implizieren Setzungen über seine räumliche und zeitliche Ausdehnung. So hat die Definition als kapitalintensive Massenproduktion nicht nur den Effekt, Kapitalismus, Wirtschaftswachstum und industrielle Revolution

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Der Berufsälteste in New York

Alte Texte von Claude Lévi-Strauss neu versammelt Selbst wenn ein berühmter Name auf dem Buchdeckel steht, lastet auf Textsammlungen offenbar ein erheblicher Rechtfertigungsdruck. So mag sich der Aufwand erklären, den Vincent Debaene, der Herausgeber von Strukturale Anthropologie Zero, in seinem hervorragenden Vorwort betreibt, um Leserinnen und Leser von einer Sammlung früher Aufsätze von Claude Lévi-Strauss zu überzeugen.1 Der Band versammelt Texte aus der New Yorker Zeit (1941–1947) des anthropologischen

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Occupy Everything

David Graebers und David Wengrows Geschichte der Menschheit im Konjunktiv Die Qualität einer Polemik entscheidet sich an der Qualität der Sparringspartner, die sie herbeizitiert, um sie vor den Augen der Leserinnen und Leser kunstvoll zu zerlegen. David Graeber und David Wengrow haben mit Anfänge eine Polemik vorgelegt, auch wenn sie als wissenschaftliche Darstellung des »frühen menschlichen Soziallebens« präsentiert wird, die sich aus »den tatsächlich vorliegenden Quellen« ergebe.1 Überall, nicht zuletzt in

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