Ausgestorbene Technologien überleben am elegantesten in der aufgeräumten Schönheit
illustrierter Tablebooks. In Extinct – A Compendium of Obsolete Objects von Barbara Penner und ihren Kolleginnen zum Beispiel. Hier herrscht eine abstrakte
editorische Ordnung, die ihre Gegenstände aus Geschichte und Chronologie gelöst hat
und sie ganz enzyklopädisch in alphabetischer Reihenfolge präsentiert. Immer ein ganzseitiges
Bild, dem drei Textseiten folgen.
Das ergibt ein knappes Inventar obsolet gewordener Dinge. Von den zahllosen verglühten
Sternen der Technikgeschichte haben es gerade einmal hundert auf die Liste geschafft,
darunter das Flugboot, die Floppydisk, das Minitel und die Polaroid-Kamera. Vorgeführt
werden sie wie Jagdtrophäen. Sie sind illustrativ freigestellt, schweben ungerahmt
und kontextfrei auf dem weißen Papier des Buches. Grafisch objektivierte Objekte,
deren gleichförmige Anordnung die Ungleichförmigkeit ihrer Schicksale auf elegante
Weise unsichtbar macht. Arsentapete, Blitzwürfel, Leukotom, Pianola oder Pyrophon.
Selbstverständlich kommt auch die Concorde vor, ausnahmsweise sogar mit etwas bildlichem Kontext: Gezeigt wird jenes Exemplar,
mit dem am 10. April 1969 der britische Jungfernflug des Modells bestritten wurde.
Die Maschine liegt in der Luft, ist eindeutig in Richtung Himmel unterwegs, hängt
gerade noch über den Scharen ihrer herbeigeeilten Fans.