Der Weg zum Violinunterricht führt an den ebenerdigen Fenstern eines Geigenbauers vorbei.
Entweder hobelt er kleine Späne von Fichtendecken und Ahornböden, oder er schnitzt
an einer Schnecke.
Im Sommer weht ein festlicher Duft von frischem Holz und Lack aus dem Haus. In kalten
Wintern wachsen Eisblumen an den Fenstern, dicht wie Vorhänge.
Woche für Woche sah ich in des Geigenbauers Fenster, sah Berge von Holzlocken auf
dem Boden. Meine Hände hatten Woche für Woche Lust, in das Gewölk hineinzufahren.
Mich selbst hatte ich zunächst auf großen Bühnen gesehen, als eine mit Blumensträußen
beworfene Virtuosin.
Die Geigenlehrerin meinte jedoch, die Schülerin habe zu spät mit der Violine angefangen.
Irgendwann sei es einfach zu spät – zu spät – und überhaupt –
Ich hatte den oft wiederholten Sermon satt. Hatte aus dem Fenster auf den See geschaut,
in den eine interessante Wolkenverschiebung blaues Licht gegossen hatte. Bäume schienen
kopfüber ins Wasser gekippt.
»Also werde ich Geigenbauerin!«, hatte ich, die Lehrerin unterbrechend, gesagt, ohne
vorher von dem Plan gewusst zu haben.
»Ach! Das ist doch ein reiner Männerberuf!«, empörte sie sich, rief die Mutter, meinte
der Direktor der Geigenbauschule, ein entschlossener, robuster Mann. Vor allem wolle
er keinesfalls, dass mit den Schülern geflirtet würde. Er sagte flirten mit I.