• Zur Verteidigung des Neids

    Es wird Zeit, den Neid zu verteidigen. Einer aktuellen Studie zufolge verspüren 33 Prozent der Deutschen »Sozialneid«. 1 Sie wollen den Reichen etwas wegnehmen, ohne selbst etwas davon zu haben. Das ist keine Kleinigkeit. Neid ist eine christliche Todsünde, er ist die »antigesellschaftlichste und verächtlichste aller Leidenschaften« (John Stuart Mill), das gelbe Monster, das den Neider von innen zerfrisst, Neid kennt keine Mitte wie andere Gefühle, kein Zuviel und kein Zuwenig, er ist, so Aristoteles in der Nikomachischen Ethik , wie Schadenfreude, Schamlosigkeit und Ehebruch, wie Diebstahl und Mord »die Schlechtigkeit an sich«.

    (Der Essay ist im Maiheft 2019, Merkur # 840, erschienen.)

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