• Wider eine falsch verstandene Skepsis

    Manche Argumente sehen auf den ersten Blick so gut aus, dass man sich ein wenig schämt, ihre Brüchigkeit und Widersprüchlichkeit zu entlarven. Mir geht es so mit einem Argument, das ich das Argument der Skepsis nennen möchte. Es kommt mit großem humanistischen Pathos daher und richtet sich zumeist, wenn auch nicht immer in ganz transparenter Weise, gegen scheinbar etablierte linke oder kapitalismuskritische Gewissheiten, etwa gegen die (nun ja: vermeintliche) Gewissheit, dass sich das Erdklima mit potentiell katastrophalen Folgen für Mensch, Tier und Natur erwärmt. Manchmal zieht sich das Argument das Kleid des Pluralismus über und verteidigt die Vielfalt der Meinungen und Positionen gegen scheinbar festgefügte Wahrheitsannahmen oder blinden Fanatismus, manchmal feiert es intellektuelle Bescheidenheit und rühmt Haltungen des Selbstzweifels. (mehr …)

  • Zur Verteidigung des Neids

    Es wird Zeit, den Neid zu verteidigen. Einer aktuellen Studie zufolge verspüren 33 Prozent der Deutschen »Sozialneid«. 1 Sie wollen den Reichen etwas wegnehmen, ohne selbst etwas davon zu haben. Das ist keine Kleinigkeit. Neid ist eine christliche Todsünde, er ist die »antigesellschaftlichste und verächtlichste aller Leidenschaften« (John Stuart Mill), das gelbe Monster, das den Neider von innen zerfrisst, Neid kennt keine Mitte wie andere Gefühle, kein Zuviel und kein Zuwenig, er ist, so Aristoteles in der Nikomachischen Ethik , wie Schadenfreude, Schamlosigkeit und Ehebruch, wie Diebstahl und Mord »die Schlechtigkeit an sich«.

    (Der Essay ist im Maiheft 2019, Merkur # 840, erschienen.)

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