• Septemberheft

    Das Septemberheft ist nunmehr im Handel - oder hier versandkostenfrei zu bestellen. Hinter dem Link auch die vertraute Übersicht zu einzelnen Artikeln mit Zitaten aus jedem von ihnen. Im Schnelldurchlauf: Wolfgang Krieger sieht die Arbeit der parlamentarischen Geheimdienst-Kontrollgremien skeptisch. Florian Meinel erklärt, was an der Konjunktur des "Legitimations"-Begriffs so problematisch ist. Dann geht es in die Theorieszene der Siebziger und Achtziger, mit Ulrich Raulff, der dabei war, und mit Philipp Felsch, der bei Merve und in anderen Archiven geforscht hat - Felschs Kritik der Bleiwüste ist gratis online. Thematisch nah liegen Ekkehard Knörer (frei lesbarer) Rezensionsessay zur ersten Paul-de-Man-Biografie und McKenzie Warks Abschied von den Meisterdenkern. Eine Premiere: Kathrin Röggla im Merkur, mit einem lanzarotenischen Text: Geografie überall. Taylor Parkes ist mit der Monty-Python-Reunion nicht glücklich. Anatol Stefanowitsch erklärt in einer Reaktion auf Daniel Scholtens Sprachkolumne Sinn und Zweck der gendergerechten Sprache. Und die Kolumnen: Simon Rothöhler über Kevin B. Lees Transformers-Premake und Werner Plumpe mit Kritik an der Wachstumskritik. Zum Abschluss der Reihe "Neues aus der Alten Welt" geht es mit Uwe Walter in die Frühzeit Roms. Und nicht fehlen darf: Stephan Herczegs Journal, XVIII. Folge. Auch alles in E-Formaten käuflich, einzeln und als Gesamtheft (für 9,99 Euro) - die Übersicht hier. Aber auch Amazon, Itunes oder Ebook.de haben den Merkur als E-Magazin im Angebot.
  • Birkenstockbodenständigkeit (Raffinement der Bequemlichkeit)

    I Die Neuerfindung des Gesundheitsschuhs in der Moderne lässt sich ziemlich genau datieren. Der Philologe und Archäologe Carl August Böttiger erinnert sich in seinem Artikel Über die Stelzenschuhe der Alten Griechinnen vom Februar 1800 an das antike Wissen vom bequemen Schuh und gesunden Fuß:"Überhaupt folgten die Alten auch in der Beschuhung weit richtiger dem, was die Natur für den freyen Gebrauch der Füße und die angemessene Entwicklung jedes Gliedes verschreibt; und, was man jetzt in Paris und London als ein Raffinement der Bequemlichkeit ansieht, daß jedem Fuße ein nur ihm anpassender Schuh angemessen werde, war bey den Griechen und Römern allgemeine Forderung oder Voraussehung, von welcher sie nur in seltenen Fällen abwichen," so steht es im Weimarer Journal des Luxus und der Moden, für das Böttiger regelmäßige Beiträge schrieb. Die"Modeschuhe" seiner eigenen Zeit, mit ihren "dünnen Pappendeckelsohlen", widersprechen für Böttiger der Anatomie des menschlichen Fußes: ein Fußbett aus leichter und elastischer Korkeiche war und ist die Lösung für gesunde Füße. Böttigers Artikel erzählt zwar hauptsächlich von der Erfindung des Plateauschuhs, doch auch die flache Sandale hat ihre Geschichte und ihren Ort. Böttiger folgt dabei dem römischen Grammatiker Julius Pollux, der 22 verschiedene Art von Schuhen klassifiziert, die sich wiederum in zwei Hauptklassen unterteilen lassen: „starke Solenschuhe zum Ausgehen auf der Straße“ sowie flache Sandalen. Für Böttiger und Pollux ist die offene Sandale stets ein genuiner Hausschuh, eine ausschließlich private Bequemlichkeit. Denn man trägt diese „ganz bequeme[n] leichte[n] Pantoffelsolen, [...] ursprünglich nur in Zimmern“. Im Offenen der Sandale wird die Bühne der Straße im Sommer 1800 besser nicht betreten. (mehr …)