• Das vergessene Amt

    Die Leitung der Behörde sah sich genötigt, ihre Belegschaft zur Ordnung zu rufen: »Vorkommnisse der letzten Tage geben Veranlassung darauf hinzuweisen, daß das Ausspucken auf Fluren, Treppen und in den Zimmern unstatthaft und ein Zeichen schlechter Erziehung ist. Derartige Unsauberkeiten sind zu unterlassen.« Damit nicht genug. Die Mitarbeiter mussten auch darauf hingewiesen werden, dass das Werfen von »Zigarettenresten, Briefklammern und dergleichen« aus den Zimmern in den Innenhof zu unterlassen sei, zumal genügend Aschenbecher und Papierkörbe zur Verfügung stünden. (mehr …)
  • Let’s Go East!

    Der bulgarische Politologe und Intellektuelle Ivan Krastev hat mit seinen brillanten Thesen und Deutungen der europäischen Migrationskrise großen Eindruck gemacht, aber, soweit ich sehe, ist eine Diskussion seiner Thesen noch nicht in Gang gekommen. Krastev hat wie kein anderer die Spaltung Europas in Ost und West über die letzten Jahre aufmerksam beobachtet und analysiert. Seine Stimme und seine Diagnose sind so wichtig, weil er aus der Perspektive Osteuropas spricht. Interessant an seinem Kommentar sind seine prägnanten und paradoxen Formulierungen sowie sein Interesse, die Ereignisse statt auf einer politisch-strategischen auf einer kollektiv-psychologischen Ebene zu diskutieren. (mehr …)
  • Ein Blick in die Zukunft, oder: Citizenship is a Right

    Wir veröffentlichen den Text in einer Parallelaktion gleichzeitig mit dem Blog Nazis & Goldmund Manchmal kapituliere ich, und schlage – wider besseren Vorsatz, nichts sehen und nichts hören zu wollen – Zeit Online auf und lese, zum Beispiel, die neue Kolumne von Mely Kiyak. Thema: Die geplante Schaffung einer Rechtsgrundlage zur Ausbürgerung deutscher Staatsangehöriger, die über eine weitere Staatsangehörigkeit verfügen und sich, darüber hinaus, in Zukunft Daesh im Kampfe anschließen. Da schaue ich erst einmal ins Portemonnaie: Ist mein Pass noch da? (mehr …)
  • Beware of the Dogs: Fokus Lyrik in Frankfurt

    Ah ok, die deutschsprachige Lyrikszene ist also doch älter, als sie alt ist, täusche ich mich bei der „idealen Eröffnung“ des Festivalkongresses Fokus Lyrik zur Lage und Zukunft der Gegenwartslyrik. Aber es ist ja erst der Anfang, der Auftakt und die cool kids kommen immer zu spät. Ich bin jedenfalls schon hier, im großen Saal, beim Käsespieß-All-you-can-eat. Ich kenne niemanden, erkenne nur ein paar bekannte Gesichter, denn ich bin keine betriebsinterne Lyrik-Spezi, sondern ein bisschen verlegen und vor allem neugierig, während ich versuche, mich beim Atmen angesichts der aktiven Wortschätze der Anwesenden nicht zu verschlucken. (mehr …)